Demografischer Wandel: So ist die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt

Die Statistiken sind eindeutig. Ein demografischer Wandel ist in vollem Gange. Was für Gefährdungen bestehen und wie der Arbeitsmarkt zukunftsfähig gemacht werden kann.

Demografischer Wandel in Deutschland: Ist die Lage so düster?

Die Bevölkerung altert. Sterbefälle überwiegen und die Zahl der Geburten stagniert auf eher niedrigem Niveau. 2017 wurden in allen Bundesländern nur 785.000 Geburten verzeichnet, während 933.000 Menschen verstarben. Das hat langfristige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Wie diese aussehen können und wie erfolgreich gegengesteuert werden kann, zeigt unser aktueller Beitrag.

Video: Demografischer Wandel in Deutschland

Prof. Dr. Norbert F. Schneider, der Direktor des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden, erklärt im Video den demografischen Wandel aus seiner Sicht.

Gefährdungen für die Volkswirtschaft

Weniger Geburten bedeutet: Das Angebot an Arbeitskräften in der Zukunft geht zurück. Da diese immer auch Beitragszahler in die Sozialversicherungen sind und gleichzeitig die Zahl der Rentner steigt, muss die Finanzierung von Renten- oder Krankenversicherungen gewährleistet sein. Denn nur wenn genug Arbeitnehmer in die Systeme einzahlen, können auch Ruheständler ihre wohl verdiente Rente genießen.

Lösung: Der Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts

Im Arbeitsmarkt von Morgen liegen viele Chancen und ein demografischer Wandel ist plötzlich zu bewerkstelligen. So kann man Deutschland fit für die Zukunft machen:

  • die Produktivität erhöhen
  • in Zukunftsbranchen ausbilden und qualifizieren
  • ältere Arbeitnehmer in Arbeitsmarkt einbinden
  • mehr Flexibilität zeigen (Teilzeit-Modelle)
  • gezielt qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben

Demografischer Wandel: So erhöht man die Produktivität

Wenn Unternehmen oder Beschäftigte ihre Produktivität erhöhen, werden weniger Mitarbeiter benötigt, die aufgrund der Statistiken ohnehin in der jetzigen Anzahl nicht mehr zur Verfügung stehen. Da helfen auch Auslegungsfragen nicht weiter, wie stark genau der Rückgang ist. Wichtig ist es, die Produktivität zu steigern. Im Wesentlichen kann das in vier Bereichen erfolgen.

  1. Arbeitskräfte: Tätigkeiten besser zu organisieren, steigert oft die Effizienz, ohne dass der Einzelne mehr arbeiten müsste. Die Bereitschaft, Leistung zu erbringen, wächst außerdem mit Lohnerhöhungen.
  2. Betriebsmittel: Moderne Technik und innovative Maschinen erhöhen in vielen Fällen die Produktivität, weil sie mehr und bessere Erzeugnisse in kürzerer Zeit produzieren können. Die Wertschöpfung eines Unternehmens verbessert sich.
  3. Material: Effizient benötigtes Material nutzen und eine Verschwendung auf ein Minimum zu reduzieren, sorgt für eine verbesserte Produktivität.
  4. Energie: Für viele Unternehmen ein wichtiger Kostenfaktor. Energieeffizienz und Ressourcenverschwendung reduzieren und die Firma wird produktiver.

Digitalisierung als Chance begreifen

Die Digitalisierung ist in den Augen Vieler ein Ausweg aus den Problemen aus dem demographischen Wandel. (#1)

Die Digitalisierung ist in den Augen Vieler ein Ausweg aus den Problemen aus dem demographischen Wandel. (#1)

Auch in Staaten oder Bundesländern, wo ein demografischer Wandel nicht so extrem ausfällt (zum Beispiel durch hohen zuzog qualifizierter Arbeitskräfte), muss die Bevölkerung auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorbereitet werden.

Das Stichwort lautet Digitalisierung. Also Auszubildende gezielt in zukunftsfähigen Branchen ausbilden. Ein völlig falsches Signal war, dass noch vor einigen Jahren junge Menschen in den Steinkohlenzechen vom Ruhrgebiet oder im Saarland in die Ausbildung aufgenommen wurden. Zur Info: 2018 hat das letzte Bergwerk in Bottrop dichtgemacht und Arbeitnehmer sind erst einmal erwerbslos.

Wirtschaft, Medien, Alltag: In die kompletten Lebensbereiche zieht sich eine immer stärkere digitale Vernetzung. Kaum ein Arbeitnehmer kann sich diesem Trend entziehen. Selbst in der Altenpflege, wo natürlich oft direkt am Mensch gepflegt werden muss, kann die digitale Kommunikation Beschäftigten das Leben erleichtern.

Demografischer Wandel: Neue Berufe als Folge der Digitalisierung

Auch Krankenpfleger sollten ihr digitales Know-how verbessern. Aber es entstehen natürlich viele neue Jobs in der Digitalwirtschaft. Dem Wunsch von Unternehmen, mehr Besucher auf die Webseite zu holen oder die Bekanntheit zu steigern kommen Agenturen im Online-Marketing nach.

Parallel dazu tüfteln IT-Experten an immer smarteren Apps fürs Handy oder Tablet, um Konsumenten wie Kunden die Bedienung oder den Kauf im Online-Shop zu erleichtern.

Alle Schichten der Bevölkerung teilhaben lassen

Die Maßnahmenpakete zur Bekämpfung der Folgen des demographischen Wandels sind recht vielfältig. Eine Garantie für die einzelnen Maßnahmen kann es nicht geben und es steht zu erwarten, dass eine Lösung letztlich durch die Gesamtheit aller einzelnen Aktivitäten herbeigeführt wird. Die Förderung der Arbeitnehmer mit einfachen und mittleren Abschlüssen stellt sicher eine wirkungsvolle Aktivität dar. Eine Förderung kann hier in Berufsakademien und weiterführenden Bildungseinrichtungen erfolgen. (#2)

Die Maßnahmenpakete zur Bekämpfung der Folgen des demographischen Wandels sind recht vielfältig. Eine Garantie für die einzelnen Maßnahmen kann es nicht geben und es steht zu erwarten, dass eine Lösung letztlich durch die Gesamtheit aller einzelnen Aktivitäten herbeigeführt wird. Die Förderung der Arbeitnehmer mit einfachen und mittleren Abschlüssen stellt sicher eine wirkungsvolle Aktivität dar. Eine Förderung kann hier in Berufsakademien und weiterführenden Bildungseinrichtungen erfolgen. (#2)

Wichtig: Nicht nur Akademiker sollen sich in diesem Tätigkeitsfeld tummeln. Gerade Arbeitnehmer mittlerer und einfacher Abschlüsse benötigen eine zielgerichtete Förderung zum Beispiel in Berufsakademien oder ähnlichen weiterführenden Bildungseinrichtungen. Wo ein demografischer Wandel für Veränderung sorgt, müssen auch nach Ansicht vom Bundesfamilienministerium alle Schichten von den Chancen der Digitalisierung profitieren. Nur so ist es möglich, in Rente gehendes qualifiziertes Fachpersonal effektiv zu ersetzen.

Demografischer Wandel in Deutschland: Arbeitnehmer ab 50 Jahren sinnvoll einbinden

Lebenserwartung und Renteneintrittsalter (volle 67 Jahre ab Geburtsjahr 1964) steigen. In dieser Situation, wo noch ein demografischer Wandel die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft vor Herausforderungen stellt, wäre es fatal, auf erfahrene Arbeitnehmer ab 50 Jahren zu verzichten.

Was ist konkret zu tun? Frühverrentung vermeiden und die Potenziale der Senioren nutzen. Längst gehören ältere Arbeitnehmer mit Mitte 50 noch nicht zum alten Eisen und erbringen ihre Leistung. Da muss auch ein Weckruf an die Unternehmen gehen, denn die betriebliche Weiterbildung sollte auch bei den „Oldies“ eine Selbstverständlichkeit werden.

Dabei kann sich eine Qualifizierung doppelt lohnen. In Verbindung mit einem großen Erfahrungsschatz aus oft Jahrzehnten der Betriebszugehörigkeit können auch die Unternehmen selbst davon profitieren und ihre Produktivität steigern. Demografischer Wandel ist dann für solche Firmen oft kein Thema mehr. Vor allem nicht, wenn diese Unternehmen selbst in Zukunftsbranchen tätig sind.

Das Beste: Ein guter Mix aus jungen und erfahrenen Arbeitskräften

Es ist von Vorteil, wenn ältere Mitarbeiter ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben und die 50+ Mitarbeiter ihrerseits vom digitalen Know-how der jüngeren Arbeitnehmer profitieren. Im Fachjargon heißt das: Synergien nutzen zum Wohle des gesamten Unternehmens. Es ist schlicht eine Tatsache, dass die Firmen verstärkt auf ältere Arbeitnehmer setzen müssen. Am besten, bevor ein demografischer Wandel sich bemerkbar macht. Dann ist es oft zu spät zum Handeln und ein Unternehmen hat im negativen Falle mit Umsatzeinbußen zu kämpfen, weil geeignete Mitarbeiter nicht so schnell zu finden sind.

Demografischer Wandel: Flexibilität als Antwort auf den Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert

Eine der möglichen Antworten auf den demographischen Wandel ist "Job Sharing". Doch das Teilen eines Jobs zwischen den Angehörigen zweier Generationen setzt auch ein Umdenken der Beteiligten voraus. Ist das in unserer Gesellschaft leistbar? (#3)

Eine der möglichen Antworten auf den demographischen Wandel ist „Job Sharing“. Doch das Teilen eines Jobs zwischen den Angehörigen zweier Generationen setzt auch ein Umdenken der Beteiligten voraus. Ist das in unserer Gesellschaft leistbar? (#3)

Flexibel sein ist „in“: Das kann für (ältere) Arbeitnehmer bedeuten, stärker in Teilzeit tätig zu sein. Das kann aber auch eine räumliche Trennung vom eigentlichen Büro oder der Firma bedeuten. Also die Förderung von Heim-Arbeitsplätzen. Sprich: Die Arbeit in den eigenen vier Wänden am heimischen Computer.

Das kann im Einzelfall auch ein sogenanntes „Jobsharing“ sein. Man teilt seinen Arbeitsplatz in Form einer Gemeinschaft mit anderen Berufstätigen. Sei es, weil kein Wunsch auf eine Vollzeit-Beschäftigung besteht oder der Arbeitnehmer keine Möglichkeit aufgrund langer Pendelstrecken oder familiärer Verpflichtungen hat.

Was das mit dem demographischen Wandel zu tun hat? Es ist die bestmögliche Ausnutzung personeller Ressourcen. Weil einfach weniger Beschäftigte zur Verfügung stehen, um sich produktiv im Arbeitsprozess zu beteiligen. Es ist eine Chance, die Produktivität und Auslastung eines Arbeitsplatzes zu erhöhen.

Die Zuwanderung qualifizierter ausländischer Mitarbeiter

Weitere Alternative: Ein Zuwanderungsgesetz bietet Menschen aus dem Ausland die Chance auf Teilhabe an Tätigkeiten. Damit können negative Folgen von einem demografischen Wandel verlangsamt werden. Jedenfalls, wenn diese Arbeitskräfte aus dem Ausland hinreichend qualifiziert sind und auch bereit sind, die deutsche Sprache zu erlernen. Nur so können diese zusätzlichen Kräfte zum Nutzen aller in den Unternehmen eingesetzt werden.

Video: Migration und demografischer Wandel in Deutschland

In einem Interview auf dem 32. Deutschen Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) in Berlin spricht Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn – Präsident ifo Institut München und Professor für Nationalökonomie an der LMU München.

Spitzenpersonal und einfache Arbeitskräfte für die deutsche Wirtschaft

Politisch ist dieses Thema hochumstritten und es gibt Auslegungsfragen unter Bundesländern wie auch in Deutschland generell, inwieweit diese möglichen Beschäftigten schon fit für den deutschen Arbeitsmarkt sind. Zweifellos ist aber die Zuwanderung engagierter neuer Arbeitskräfte zu begrüßen, auch um Lücken auszugleichen in Bereichen, wo einheimische Kräfte schwerer zu finden sind. Da kommt der Pflegebereich infrage aber auch das Reinigungsgewerbe.

So unverzichtbar diese Arbeitskräfte sind, sollte es natürlich auch zu Förderungen von ausländischem Spitzenpersonal kommen, IT-Spezialisten oder Wissenschaftlern, die den Wirtschaftsstandort Deutschland umfassend in allen Bereichen stärken und die Produktivität der Unternehmen erhöhen.

Fazit: Demografischer Wandel in Deutschland ist Realität. Die Zahl der Geburten wird sich kaum erhöhen, die Zahl der Sterbefälle bleibt konstant hoch. Es geht nur um die Frage, wie Gesellschaft und Wirtschaft richtig darauf reagieren, um die Folgen dieses Prozesses, mehr Rentner und weniger Beitragszahler und Beschäftigte, weitestgehend abzumildern. Im Interesse aller Beteiligten und natürlich auch der Unternehmen.

Die Firmen müssen ihre Produktivität verbessern und auch das Thema Digitalisierung gehört ganz nach oben auf die Tagesordnung. Da ist auch die Politik gefragt wie etwa das Bundesfamilienministerium und andere Ministerien der Bundesregierung. Auch in den Bundesländern beziehungsweise den jeweiligen Landesregierung muss die Erkenntnis reifen, dass jetzt der Arbeitsmarkt des 21. Jahrhundert organisiert werden muss. Mit den Bürgern und nicht von oben herab.

Da gehört Flexibilität dazu und auch die Einbindung älterer Fachkräfte, die nicht in den Vorruhestand abgeschoben werden sollen, sondern die mit ihrem Erfahrungsschatz die Unternehmen voran bringen. Was das politisch brisante Thema Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland angeht, sollte man genau achten, welche Qualifikationen der Zuwanderer in seiner Heimat vorzuweisen hat. Ein „Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz“ ist dazu in Arbeit und soll gewährleisten, dass nur geeignete Fachkräfte nach Deutschland einwandern dürfen.

Flexibel, produktiv und qualifiziert sein: Darum geht es. Irgendwie muss ein demographischer Wandel bewältigt werden. Wer sich gut darauf vorbereitet, braucht sich vor dem Arbeitsmarkt in der Zukunft nicht zu fürchten, sondern kann vielmehr guter Hoffnung sein, dass uns der Wohlstand erhalten bleibt. Das ist jedenfalls ein wichtiges Ziel, an dem sich jeder Beschäftigte beteiligen sollte, das aber selbstverständlich auch in den Vorstandsetagen der deutschen Wirtschaft sowie in der Politik stetiges Thema sein sollte. Denn es geht immer auch um die Frage, wie wir in den nächsten 30 Jahren leben wollen und mit welchen Methoden es wir schaffen, unser hoch entwickeltes Industrieland gut durch die nächsten Jahrzehnte zu bringen.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild Corepics VOF, #1 mrmohock, #2 Kzenon, #3 fizkes

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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