Mitarbeiterbindung jenseits des Gehalts: Kleine Benefits mit großer Wirkung

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Die Zeiten, in denen Mitarbeitende teilweise über Jahrzehnte und mitunter bis zur Rente ihrem Arbeitgeber treubleiben, sind heutzutage weitgehend gezählt. Speziell gut ausgebildete Fachkräfte sind wechselwillig, achten dabei aber nicht nur auf monetäre Aspekte, sondern auch darauf, was ihnen der Arbeitgeber abseits des Gehalts anbietet. Aus Unternehmenssicht muss man Mitarbeiterbindung daher neu und über das Finanzielle hinaus denken, speziell im Hinblick auf den sich weiter verschärfenden Fachkräftemangel.

Mitarbeiterbindung beginnt mit Wertschätzung

Wie wichtig Mitarbeiterbindung aus Sicht von Unternehmen ist, verdeutlicht eine ROWAPA-Studie. Diese erfasste, dass von 100 Beschäftigten gerade einmal 15 % eine „hohe Bindung“ gegenüber ihrem Arbeitgeber empfinden, während 69 % lediglich eine geringe und 16 % gar keine Bindung haben. Wichtig ist das deshalb, weil von den Arbeitnehmenden, die eine hohe Bindung gegenüber ihrem Arbeitgeber haben, satte 91 % auch im Folgejahr noch im Unternehmen beschäftigt sein möchten. 77 % der Befragten planen sogar drei Jahre oder länger im Unternehmen zu bleiben.

Solch eine Mitarbeiterbindung entsteht aber nicht nur allein durch ein attraktives Gehalt und perspektivische Karrierechancen, wobei beides natürlich eine Schlüsselrolle spielt. Das Emotionale spielt mindestens genauso eine Rolle wie auch die Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg verdeutlicht. Demnach evaluieren Mitarbeitende ihre eigene Arbeitsmotivation und -zufriedenheit in zwei Dimensionen, den äußeren und inneren Bedingungen, die komplett voneinander getrennt sind. Extrinsische Faktoren wie das Gehalt und die Arbeitsplatzsicherheit können fehlende intrinsische Faktoren wie die Anerkennung, gefühlte Erfolgsergebnisse, interessante Arbeitsinhalte und Respekt also nicht ausgleichen. Beides sind notwendige Puzzleteile für eine hohe Mitarbeiterbindung.

Das liegt schlichtweg in der Natur des Menschen: Wir Menschen möchten gesehen, respektiert und uns eingebunden fühlen. Der Mensch ist eben qua seiner Natur nicht nur ein Zahnrad, das sich unentwegt drehen kann und alles Emotionale vollständig ausblendet. Selbst wenn die Arbeit zum Bestreiten des eigenen Lebensunterhalts nun einmal notwendig ist, schätzen wir Menschen dennoch ein positives Arbeitsumfeld, das sich auf direkte Weise positiv auf die Motivation, die Loyalität gegenüber dem Unternehmen und das Arbeitsklima im Büro oder an anderen Arbeitsorten auswirkt.

Für Unternehmen sind das eigentlich gute Nachrichten: So können nämlich sogar kleine und mittelständische Betriebe um besonders umworbene Fachkräfte buhlen, selbst wenn sie gehaltstechnisch nicht mit großen und internationalen Konzernen mithalten können. Kleine Gesten machen, ebenso wie im Privatleben, mitunter einen großen Unterschied. Ein Chef, der bei Hitze ungefragt Abkühlung mit einer spendierten Palette Eis verschafft, kommt bei Mitarbeitenden gut an. Wer Nachsicht hat, wenn das Kind plötzlich wegen Krankheit aus der Kita abgeholt werden muss, ebenso. Solche kleinen Gesten müssen den Chef und das Unternehmen nicht viel kosten, sie signalisieren aber, dass man verstanden hat, dass auch die eigenen Arbeitskräfte Menschen sind, die wertgeschätzt und respektiert werden wollen.

Kleine Benefits mit persönlicher Wirkung

Wertschätzung beginnt am allerersten Arbeitstag. Ein kleines Willkommenspaket erleichtert Mitarbeitenden den Einstieg und schafft ein Teamgefühl. Auch an dieser Stelle ist Empathie essenziell: Der erste Arbeitstag wurde vielleicht mit viel Vorfreude herbeigesehnt, aber viele Menschen werden schlichtweg sehr nervös sein, mitunter sogar etwas Angst haben. Ein klares Signal zu setzen, dass man sich als Unternehmen und Team auf den neuen Mitarbeiter freut, hilft den Neulingen diese Anspannung über Bord zu werfen. Bonuspunkte gibt es, wenn die Willkommenspakete sogar individuell zusammengestellt werden. Auch hierbei geht es nicht um den finanziellen Wert: Die individuelle Zusammenstellung kommuniziert schlicht, dass man sich Gedanken gemacht hat, und genau das macht einen großen Unterschied.

Natürlich dürfen aber nicht „nur“ Neuankömmlinge im Unternehmen in den Fokus gerückt werden. Man möchte genauso auch die schon vorhandenen Mitarbeitenden binden. Das kann man sogar ganz nüchtern ökonomisch betrachten: Auf das Personalwesen und Recruiting spezialisierte Unternehmen schätzen die Gesamtkosten, die anfallen, um einen verlorenen Mitarbeiter durch einen neuen Mitarbeiter zu ersetzen, auf etwa 50 bis 200 % des Jahresgehalts, je nach Branche. Teamveranstaltungen könnten eine gute Möglichkeit sein, um das Teamgefühl im Unternehmen zu stärken. Sie ermöglichen es den Mitarbeitenden zudem, sich einmal außerhalb der klassischen Arbeitsumgebung kennenzulernen und auszutauschen. Selbstverständlich signalisiert die Investition in solche Teamevents außerdem, dass dem Unternehmen die eigenen Mitarbeitenden am Herzen liegen und man gewillt ist, für diese Geld auszugeben, auch wenn solch ein Teamevent eher keine direkte monetäre Rendite erzielt.

Bedruckte T-Shirts im Firmendesign sind ein weiteres relativ einfaches, aber ebenso wirksames Mittel, um das Wir-Gefühl im Unternehmen zu stärken. Parallel dazu verbessert Teamkleidung nicht „nur“ das Gemeinschaftsgefühl, sondern automatisch auch die Verbindung gegenüber dem Unternehmen. Im Idealfall empfinden Mitarbeitende sogar eine gehörige Portion Stolz, wenn sie das Firmenlogo im übertragenen oder sogar im wahrsten Wortsinn auf dem Herzen tragen. Bei Messeauftritten, Teamevents und vergleichbaren Marketingveranstaltungen gehört ein einheitlicher Look prinzipiell sowieso zum guten Ton. Aber auch hier gilt: Design und Qualität müssen überzeugen können. Es wäre weder für die Markenwahrnehmung des Unternehmens noch für die Mitarbeitenden angenehm, wenn die Kleidung zwar einheitlich ist, aber in puncto Qualität und Optik nicht überzeugt.

Praktische Unterstützung im Alltag und bei der Entwicklung

Das Spektrum der möglichen Benefits ist vielseitig. Das ist auch gut so, denn nicht jeder einzelne Benefit ist automatisch für jedes Unternehmen und dessen Mitarbeitende eine möglichst gute Wahl. Immer hilfreich sind Mobilitätszuschüsse, ganz besonders, wenn im Gleichschritt keine Remote-Arbeit ermöglicht wird. So kann das Unternehmen den Verzicht auf das Home-Office immerhin abschwächen, indem es argumentiert, man übernehme zumindest die kompletten oder einen Teil der Mobilitätskosten. Zuschüsse für den ÖPNV sind eine Möglichkeit, in Großstädten kommen auch Jobräder oder Abos für Scooter in Frage.

Weiterbildungsbudgets sollten im Unternehmen ebenfalls vorhanden sein. Auch das ist logisch: Mitarbeitende wissen, dass das heutige Arbeitsleben geprägt ist von einem kontinuierlichen und teilweise abrupten Wandel. Arbeitnehmende möchten und müssen darauf reagieren, indem sie lebenslang für ihren Job lernen, sich verbessern und an ihrer Weiterentwicklung arbeiten. Zudem signalisieren Unternehmen mit Weiterbildungsbudgets ganz klar, dass sie ein konkretes Interesse daran haben, die jeweiligen Fachkräfte für längere Zeit zu binden. Das ist nur logisch, schließlich wird in diese Mitarbeitenden investiert und daraus möchte das Unternehmen später auch einen Eigennutz ziehen.

Benefits sollten regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden. Außerdem gehören sie transparent kommuniziert und niedrigschwellig verfügbar gemacht. Schließlich bringen selbst die besten Benefits nur wenig, wenn die Mitarbeitenden sie entweder gar nicht kennen oder sie zu beziehen so schwierig und komplex ist, dass schon vorher aufgegeben wird. Außerdem gilt wie immer: Benefits gehören an die Demografie angepasst. Ein Team aus Gen Z und Millennials wird an einem Jobrad oder Scooter-Abo eher Gefallen finden als eine Belegschaft, die zum großen Teil aus 40- bis 60-Jährigen besteht.

Mitarbeiterbindung ist ein ganzheitliches Konzept, das konsequent neu gedacht gehört

Mitarbeitende möchten ein attraktives und faires Gehalt, aber allein das schafft noch keine feste Bindung an das Unternehmen. Das geschieht vor allem über das Emotionale, wie die Zugehörigkeit, Wertschätzung und Unterstützung der Mitarbeitenden. Benefits müssen zudem nicht kostspielig sein, sie müssen aber zum Team passen. Da können sogar schon kleine Benefits eine positive Wirkung haben und Unternehmen so dabei helfen, wertvolle Teammitglieder und Fachkräfte perspektivisch an sich zu binden.

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