Empowerment: Strategien und Massnahmen am Arbeitsplatz

Empowerment ist ein Konzept, welches das Ziel verfolgt, die Potenziale der Mitarbeiter zu nutzen und dadurch gleichzeitig die Motivation zu erhöhen, indem die Selbstbestimmung am Arbeitsplatz gestärkt wird.

Welche Ziele verfolgt das Empowerment Konzept?

Empowerment bedeutet Selbstbemächtigung und ist ursprünglich ein Handlungskonzept aus dem Bereich der sozialen Arbeit, das aus den USA stammt. Ziel des Empowerments ist es, Menschen eine Selbstbemächtigung zu ermöglichen und ihnen Verantwortung zu übertragen. Dadurch gewinnen sie die Kompetenz, ihr Leben autonom zu gestalten, indem sie ihre Potenziale nutzen. Entwickelt wurde das Konzept im Bereich der Pädagogik vom Brasilianer Paulo Freire, der es 1970 unter dem Titel „Pädagogik der Unterdrückten“ veröffentlichte.

Empowerment im Kontext des Unternehmens

Das Konzept hat seit einiger Zeit Eingang in die Arbeitswelt gefunden und soll dort dafür sorgen, die Mitarbeiter nachhaltig zu motivieren. Zu diesem Zweck wird die Verantwortung sukzessive von den Vorgesetzten an die Mitarbeiter delegiert. In der Konsequenz werden sowohl die Möglichkeit als auch die Fähigkeit zur Mitbestimmung und zum autonomen Handeln gestärkt.

Folgende Vorteile lassen sich dadurch indirekt realisieren:

  • Abbau von Hierarchien
  • Demokratisierung des Unternehmens
  • weniger Bürokratie
  • gesteigerte Flexibilität
  • erhöhte Leistungsbereitschaft
  • verbesserte Mitarbeitermotivation

Empowerment als Strategie zur Bewältigung steigender Herausforderungen

Unternehmen werden vor immer neue Herausforderungen gestellt. Mit der zunehmenden Digitalisierung und Globalisierung verändert sich das Marktumfeld grundlegend. Neue Konkurrenten treten in die Märkte ein und neue Technologien müssen in die Unternehmen integriert werden. Außerdem haben sich die Ansprüche der Kunden ebenfalls stark verändert.

In einer dynamischen Umwelt erwarten die Kunden schnell und flexibel Lösungen für ihre Probleme, sodass es für das Unternehmen zum Erfolgsfaktor wird, wenn die Mitarbeiter eigenständig und flexibel agieren und nicht jede Anfrage über mehrere Instanzen gehen muss.

Grundlegendes Ziel des Empowerments ist eine deutliche Verbesserung der Motivation, um den Erfolgsfaktor Personal optimal zu nutzen.

Grundlegendes Ziel des Empowerments ist eine deutliche Verbesserung der Motivation, um den Erfolgsfaktor Personal optimal zu nutzen. (#01)

Empowerment führt zur Demokratisierung von Unternehmen

Die Idee, Empowerment im Unternehmenskontext zu nutzen, ist nicht neu. Schon vor einhundert Jahren wurden in den USA die sogenannten Hawthorne-Experimente in Fabriken des Konzerns Western Electric durchgeführt. Resultat war ein positiver Zusammenhang zwischen der Produktivität der Mitarbeiter und einer Stärkung der Einbeziehung.

Seit den 70er und 80er Jahren wurden immer mehr Elemente des Empowerments in die Unternehmensführung integriert:

  • partizipative Führung
  • Mitarbeitergespräche mit Zielvereinbarungen
  • gezielte Fortbildung der Mitarbeiter
  • Verbesserung der Aufstiegschancen
    Grundlegendes Ziel ist eine deutliche Verbesserung der Motivation, um den Erfolgsfaktor Personal optimal zu nutzen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Mitarbeiter auch tatsächlich daran interessiert sind, Verantwortung zu übernehmen und die Selbstbemächtigung dazu führt, dass sie ihre Potenziale besser nutzen und über sich hinauswachsen. Es stellt sich die Frage, wie man Empowerment im Unternehmen umsetzen kann, um auf diese Weise eine Stärkung der intrinsischen Motivation zu erreichen.

Empowerment im Unternehmen integrieren

Empowerment wird in immer mehr Unternehmen genutzt, um die Mitarbeiter für die Herausforderungen des Digitalen Wandels zu wappnen. Übergeordnetes Ziel ist es zu erreichen, dass Mitarbeiter dem Unternehmen nicht nur acht Stunden lang ihre Arbeitsleistung zur Verfügung stellen, sondern sich grundsätzlich mit der Firma identifizieren. Wenn das der Fall ist, werden sie ihre emotionale und soziale Kompetenz nutzen. Im besten Fall entwickeln sich Mitarbeiter sogar zu Persönlichkeiten, die unternehmerisch denken und handeln.

Kunden erwarten heutzutage in jeder Branche und nicht nur im Dienstleistungssektor, dass ihre Probleme schnell gelöst werden, ohne dass man sich dafür durch zahllose Hierarchiestufen arbeiten muss. Es gibt in den meisten Fällen mehr als genug Ausweichmöglichkeiten, zur Konkurrenz zu wechseln und anders als vor 20 Jahren sind Kunden heutzutage wesentlich wechselwilliger.

Damit die Mitarbeiter auch in der Lage sind, eine Handlungskompetenz zu entwickeln, benötigen sie größere Spielräume für autonomes Handeln und Entscheiden. An dieser Stelle kommt das Empowerment ins Spiel, das dazu führen soll, Mitarbeiter langfristig zu motivieren und zu vermeiden, dass sie im Alltagsgeschäft diese Fähigkeiten schnell wieder ablegen.

Das Empowerment Konzept setzt voraus, die Mitarbeitern in den folgenden vier Bereichen zu stärken:

  • Verbesserung der Handlungs- und Entscheidungsspielräume
  • verbesserte Qualifikationen
  • Informationen zur Verfügung stellen
  • Implementierung adäquater Anreizsysteme
    Integration von Empowerment in sieben Schritten

Um die Vorteile des Empowerment Konzepts zu realisieren, sind die folgenden sieben Schritten empfehlenswert:

  • Vorleben der neuen Unternehmenskultur
  • Verantwortung sukzessive übertragen
  • Steigerung von Transparenz und Abbau von Hierarchien
  • Autonomie verbessern
  • Fehlerkultur neu gestalten
  • Flexibilität der Arbeitsbedingungen verbessern
  • Ermutigung der Mitarbeiter

Video: „Erfolgreich Arbeiten durch Psychologisches Empowerment“, Carsten Schermuly

Vorleben der neuen Unternehmenskultur

Damit die Neuorientierung der Mitarbeiterführung erfolgreich umgesetzt werden kann, sollte die Unternehmensleitung nicht nur hinter dem Empowerment stehen, sondern dieses auch vorleben. Das geschieht dadurch, dass das Management aktiv und für die Mitarbeiter nachvollziehbar die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft. Eine eindeutige Vision und die Kommunikation dieser Vision sind grundlegende Bedingungen, damit die Mitarbeiter diese Veränderung mittragen und von deren Ernsthaftigkeit überzeugt sind.

Verantwortung sukzessive übertragen

Man kann nicht davon ausgehen, dass jeder Mitarbeiter von einer gesteigerten Autonomie begeistert ist. In vielen Fällen fühlen sich die Menschen zunächst einmal überfordert und benötigen ein wenig Hilfe, um sich neu zu orientieren. Aus diesem Grund ist es sinnvoller, den Mitarbeitern sukzessive mehr Verantwortung zu übertragen, sodass sie sich langsam an den erweiterten Handlungsspielraum gewöhnen. Dabei ist es wichtig, die Mitarbeiter nicht zu überfordern, um keine Reaktanz gegen die Neuorientierung zu erzeugen.

Steigerung von Transparenz und Abbau von Hierarchien

Das Vorhandensein aller nötigen Informationen ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Mitarbeiter die Selbstbemächtigung wahrnehmen können. Selbstbestimmung ist nur möglich, wenn im Unternehmen Transparenz herrscht und gleichzeitig mit einer stärkeren Integration des Empowerments Hierarchien abgebaut werden.

Es ist sinnvoll, ein Wissensmanagement zu generieren, das dafür sorgt, Informationen bis an die Basis weiterzugeben. Sind alle Mitarbeiter informationsmäßig auf dem gleichen Stand, wächst das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit des Empowerments und werden Befürchtungen entkräftet, dass es sich dabei lediglich um eine intelligente Methode handelt, die Mitarbeiter zu höherer Leistung zu bewegen. Außerdem werden die Handlungen der Unternehmensleitung nachvollziehbar und das hat wiederum zur Folge, dass die Mitarbeiter die eigenen Handlungen an der Vision und der Strategie ausrichten.

Jeder Mitarbeiter sollte seine Relevanz für den Erfolg des Unternehmens kennen

Jeder Mitarbeiter sollte seine Relevanz für den Erfolg des Unternehmens kennen. (#03)

Autonomie verbessern

Nachdem die Mitarbeiter alle nötigen Informationen erhalten haben, wird die Zusammenarbeit explizit neu definiert. In diesem Schritt gilt es, eine Abgrenzung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten vorzunehmen. Jeder Mitarbeiter sollte seine Relevanz für den Erfolg des Unternehmens kennen, damit sich Prozesse und Strukturen bilden, innerhalb derer das Empowerment gelebt werden kann.

Fehlerkultur neu gestalten

Gerade zu Beginn ist es wichtig, sich im Sinne eines Feedbacks immer wieder über Fortschritte und auch Fehler auszutauschen, die bei der Integration des Empowerments unvermeidbar sind. Dadurch wird das Vertrauen gestärkt und man kann gemeinsam Erfolgserlebnisse zelebrieren. Außerdem wird vermieden, dass sich die Mitarbeiter überfordert fühlen und dadurch eine Atmosphäre der Unzufriedenheit einzieht, die ausgesprochen kontraproduktiv wäre.

Flexibilität der Arbeitsbedingungen verbessern

Die Mitarbeiter benötigen Zeit und Möglichkeiten, neben ihren eigenen Aufgaben zu wachsen, indem sie beispielsweise in andere Arbeitsbereiche hineinschnuppern oder Weiterbildungsmaßnahmen wahrnehmen. Die Teilnahme an speziellen Events oder an Hackathons impliziert die Möglichkeit, neue Ideen zu kreieren, Innovationen voranzutreiben oder ganz allgemein die Motivation dafür zu steigern, gemeinsam die Zukunft zu gestalten.

Eine weitere Option, die Flexibilität zu erhöhen, sind flexible Arbeitsmodelle, wie sie insbesondere von der Generation Z aktiv eingefordert werden. In Zeiten des demografischen Wandels und Fachkräftemangels werden Angebote wie Remote Work, Sabaticals oder Home Office zum wichtigen Differenzierungsmerkmal auf der Suche nach gut ausgebildeten, motivierten Mitarbeitern.

Letztlich müssen sowohl das Management als auch die Mitarbeiter sich daran gewöhnen, dass eine Machtteilung praktiziert wird.

Letztlich müssen sowohl das Management als auch die Mitarbeiter sich daran gewöhnen, dass eine Machtteilung praktiziert wird. (#02)

Ermutigung der Mitarbeiter

Ziel dieser Phase ist es, den Mitarbeitern Mut zu machen, trotz anfänglicher Probleme am Ball zu bleiben und daran zu glauben, dass die Fähigkeit parallel zu den Herausforderungen steigen wird. Außerdem benötigen die Mitarbeiter die Gewissheit, dass das Management tatsächlich an der Stärkung der Autonomie interessiert ist und die nötige Unterstützung sowie Fehlertoleranz gewährt. Letztlich müssen sowohl das Management als auch die Mitarbeiter sich daran gewöhnen, dass eine Machtteilung praktiziert wird.

Empowerment: Win-win-Situation für Unternehmen und Belegschaft

Empowerment bietet mit Sicherheit ein enormes Potenzial, wenn sich die Unternehmensleitung und das Management dieser Idee voll und ganz verpflichten und auch akzeptieren, dass die Neuorientierung mit Anfangsproblemen und Irritationen verbunden sein wird. Die Befürchtung vieler Führungskräfte, an Einfluss zu verlieren, erweist sich in der Praxis als unbegründet. Im Gegenteil, wenn die Mitarbeiter einen Teil der Verantwortung mittragen, bleibt der Chefetage Zeit und Gelegenheit, sich mit strategischen Fragestellungen auseinanderzusetzen und die Entwicklung des Unternehmens aktiv voranzutreiben.

Es steht außer Frage, dass Selbstbestimmung und Autonomie in sozialen Gemeinschaften zu einem besseren gegenseitigen Verständnis und der Realisation von Synergien führen.


Bildnachweis: ©Shutterstock- Titelbild: Undrey- #01: Blue Planet Studio- #02: fizkes- #03: fizkes

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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