Umschulung: Voraussetzung, Formen, Finanzierung, Tricks

Die Forderung nach einem lebenslangen Lernen kennt jeder Arbeitnehmer. Aber welche Weiterbildung kommt infrage? Eine Umschulung ist eine Möglichkeit, einen völlig neuen Weg einzuschlagen. Sie ist jedoch an bestimmte Voraussetzungen gebunden und muss überdies finanziert werden. Dazu kommen verschiedene Fördermöglichkeiten in Betracht. Wir klären über Wege, Formen und Finanzierung der Umschulungsmaßnahme auf.

Die Umschulung: alles, was Sie wissen müssen

Umschulung Definition: Karriere im zweiten Anlauf?

Es gibt nicht den einen, perfekten Weg für jedermann, die Karriereleiter nach oben zu gehen. Wer sich beruflich neu orientieren möchte, weil der jetzige Weg nicht praktikabel erscheint, kann eine Umschulungsmaßnahme ins Auge fassen. Das Ziel einer solchen Maßnahme ist es, nicht im bereits ausgeübten Beruf weiterzukommen, sondern beruflich völlig neu durchzustarten. Statistiken besagen, dass allein in Deutschland pro Jahr rund 50.000 Menschen eine Umschulungsmaßnahme mitmachen und damit eine Karriereveränderung anstreben. Es gibt dabei für Umschulungen verschiedene Vorgehensweisen:

  • berufliche Weiterbildung
  • Fortbildung mit Zertifikat als Abschluss
  • Umschulungsmaßnahme mit IHK-Abschluss
  • neue Ausbildung
  • (zweites) Studium, auch als Fernstudium möglich

Umschulungsmaßnahmen werden schulisch oder dual vorgenommen, was bedeutet, dass die Theorie schulisch und die Praxis im Unternehmen vermittelt wird. Für den theoretischen Teil stehen dann Berufsfachschulen oder Berufsschulen zur Verfügung. Findet die Maßnahme nur in der Schule statt, muss ein Praktikum ergänzend hinzukommen.

Im Gegensatz zu einer normalen Weiterbildung steht die Erweiterung der eigenen Qualifikationen und Kompetenzen im bestehenden Job nicht im Fokus, sondern es gilt, eine Grundlage für eine neue berufliche Orientierung zu schaffen.

Das Berufsbildungsgesetz regelt in § 1 Absatz 5 alles rund um die Umschulung, mit der Arbeitnehmer dazu befähigt werden sollen, flexibel auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes reagieren zu können. Meist werden solche Maßnahmen vom Jobcenter oder von der Arbeitsagentur gefördert, damit Arbeitssuchende dem Arbeitsmarkt wieder zugeführt werden können bzw. Berufstätige gar nicht erst arbeitslos werden. Meist dauern derartige Maßnahmen ca. 24 Monate.

Video: Die Weiterbildungsindustrie

Das sind die Gründe für Umschulungsmaßnahmen?

Wer langjährige in seinem Beruf tätig ist, hat bereits viele Vorteile gegenüber Neustartern im Job gesammelt. Es bestehen wichtige Branchenkontakte, die nötige Erfahrung ist vorhanden und das Gehalt meist deutlich höher als bei einem Neustarter im gleichen Job. Außerdem ist der Job oft sicher und es ist nicht nötig, nach einer Alternative zu suchen. Rein objektiv betrachtet, denn subjektiv steht häufig der Wunsch nach Veränderungen im Raum.

Die 4 häufigsten Gründe für die Umschulung

Doch auch weitere Gründe für eine Umschulungsmaßnahme kommen infrage:

  • Frust im Job

    Nicht jeder ist in seinem einmal erlernten Beruf wirklich glücklich. Das gilt selbst dann, wenn die fachliche Kompetenz vorhanden ist und derjenige wirklich gute Arbeit leistet. Doch der psychische Aspekt darf nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. Wer sich nicht sein ganzes Arbeitsleben hindurch zum Job quälen will, sucht eventuell mittels einer Umschulungsmaßnahme einen Neubeginn.

  • Arbeitssuche

    Die Arbeitswelt bleibt nicht gleich und sieht heute völlig anders aus als vor zehn oder zwanzig Jahren. Mancher Beruf ist gar nicht mehr vorhanden oder wird kaum noch gefragt. Wer einer drohenden oder schon bestehenden Arbeitslosigkeit entgehen will, braucht eine Umschulung.

  • Berufsunfähigkeit und Erkrankungen

    Physische Einschränkungen können ebenso wie psychische Probleme dafür sorgen, dass der bisher ausgeübte Job nicht mehr die richtige Wahl ist. Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrenten werden, wenn überhaupt, nur in geringer Höhe gezahlt und das Geld reicht nicht, um damit den gewohnten Lebensstandard zu halten. Außerdem ist es seitens der Arbeitnehmer oft auch gar nicht gewünscht und sie wollen dem Arbeitsleben nicht völlig den Rücken kehren. Die Umschulungsmaßnahme hilft dabei, den Lebensunterhalt zu sichern.

  • Abwesenheiten

    Durch längere Abwesenheiten kann sich das Problem zeigen, dass kein Anschluss im Job mehr gefunden wird. Wer zum Beispiel die mögliche dreijährige Elternzeit genutzt hat, wird danach oft den Anschluss an den Beruf verloren haben. Auch hier ist die Umschulung eine geeignete Maßnahme, um sich die nötigen Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Ausübung eines neuen Berufs zu sichern.

Bei den Formen der Umschulungsmaßnahmen</strong> geht es nicht vorrangig darum, ob diese in Vollzeit oder nur in Teilzeit wahrgenommen werden. Vielmehr ist wichtig, ob sie schulisch oder dual durchgeführt werden müssen. (Foto: Shutterstock- Matej Kastelic )

Bei den Formen der Umschulungsmaßnahmen geht es nicht vorrangig darum, ob diese in Vollzeit oder nur in Teilzeit wahrgenommen werden. Vielmehr ist wichtig, ob sie schulisch oder dual durchgeführt werden müssen. (Foto: Shutterstock- Matej Kastelic )

Formen der Umschulung: Von schulischen und dualen Ausbildungsformen

Bei den Formen der Umschulungsmaßnahmen geht es nicht vorrangig darum, ob diese in Vollzeit oder nur in Teilzeit wahrgenommen werden. Vielmehr ist wichtig, ob sie schulisch oder dual durchgeführt werden müssen.

Die möglichen Ausbildungsformen in der Umschulung

Diese Formen der Ausbildung kommen dabei in Betracht:

  • Schulische Maßnahme

    Die Fort- und Weiterbildung wird in einer Beruf- oder Berufsfachschule durchgeführt. Es handelt sich um eine rein theoretische Ausbildung, die durch verschiedene Praktika ergänzt werden muss. Teilweise ist Schulgeld zu zahlen, daher kann diese Maßnahme mittelmäßig teuer werden.

  • Betriebliche Maßnahme

    Die betriebliche wird auch als duale Umschulung bezeichnet und es gibt einen theoretischen und einen praktischen Teil, wie es auch von einer normalen Ausbildung bekannt sein dürfte. Für den praktischen Teil ist ein Ausbildungsbetrieb wichtig, die Theorie wird in der Berufsschule erlernt. Diese Variante ist etwas günstiger, denn der Umschüler bekommt häufig ein reguläres Ausbildungsgehalt und muss die Maßnahme nicht selbst finanzieren.

  • Überbetriebliche Maßnahme

    Der praktische Unterrichtsteil wird durch einen Bildungsträger übernommen und findet somit nicht im Unternehmen statt. Teilweise sind zusätzlich Praktika zu absolvieren. Diese Form ist besonders teuer und wird häufig vom Jobcenter bez

Wie lohnenswert ist die Umschulung wirklich?

Auch wenn es viele Gründe für eine Umschulung gibt, stellt sich dennoch die Frage: „Lohnt sich diese Form der Ausbildung bzw. Weiterbildung überhaupt?“ Diese Frage kann nur mit einem eindeutigen „Ja“ nach Auswertung aller Informationen beantwortet werden, wie auch die IAB-Analyse (Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) zeigt. Langfristig werden die Perspektiven im Beruf deutlich verbessert.

Dafür wurden mehrere Arbeitslose über einen längeren Zeitraum beobachtet und mit Arbeitssuchenden verglichen, die keine Umschulung mitmachten. Die Ergebnisse waren, dass eine Umschulung in einem anerkannten Ausbildungsberuf die lang- und mittelfristigen Chancen auf eine Beschäftigung deutlich erhöht. Die ersten positiven Auswirkungen zeigten sich rund 20 Monate nach Beginn der Maßnahme, nach 28 bis 32 Monaten stieg der Effekt noch einmal deutlich an.

Frauen, die zuvor Hartz IV empfangen hatten, waren nach vier Jahren um bis zu 19 Prozent höher beschäftigt. Dieser Effekt wurde bei Männern mit 12 Prozent festgestellt.

Größer war der Effekt bei Frauen, die zuvor Arbeitslosengeld I bezogen, denn ihre Beschäftigungsquote lag vier Jahre nach Beginn der Weiterbildung um 20 Prozent höher. Bei Männern machte dies keinen Unterschied.

Der genannte Effekt ist allerdings branchen- und berufsabhängig und es gibt Berufe, in denen die Umschulung besonders ratsam ist und andere, bei denen sich kaum ein Effekt zeigt. Für Männer sind die folgenden Berufe für eine Umschulungsmaßnahme besonders zu empfehlen:

  • Gesundheitsberufe (24 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Verkehrsberufe (20 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Metallverarbeitung (16 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Industriemechaniker (15 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Elektroberufe (15 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Wach- und Personenschutz (13 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Installateure, Metall- und Anlagenbauer (13 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • IT-Kernberufe (12 Prozent höhere Beschäftigungsquote)

Für Frauen sind vor allem diese Berufe für eine Umschulung besonders lohnenswert:

  • Gesundheitsberufe (30 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Kaufmännische Berufe (14 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Verkehrsberufe (13 Prozent höhere Beschäftigungsquote)
  • Berufe in der Körperpflege (5 Prozent höhere Beschäftigungsquote)

(Quelle: IAB-Kurzbericht)

In diese zehn Berufe wird am häufigsten umgeschult

Die folgende Liste zeigt, welche Berufe am häufigsten für eine Umschulung infrage kamen, wobei hier der Zeitraum des letzten Jahres ausschlaggebend ist (der Einfachheit halber sind nur die männlichen Bezeichnungen genannt, die Liste gilt für Frauen in diesen Berufen ebenso):

  1. Altenpfleger
  2. Bürokaufmann/Sekretär
  3. Fachlagerist
  4. Altenpflegerhelfer
  5. Steuerfachangestellter
  6. Verkäufer
  7. Fachinformatiker
  8. Speditionskaufmann
  9. Mechatroniker
  10. Industriekaufmann

Video: Die Weiterbildungsindustrie

Umschulung Voraussetzung: Neue Jobs nur unter diesen Bedingungen

Leider reicht es nicht, einfach keine Lust mehr auf seinen Beruf zu haben, damit das Jobcenter eine Umschulung oder eine Maßnahme zur neuen Ausbildung bezahlt. Es müssen einige Voraussetzungen gegeben sein, damit eine neue Perspektive geschaffen wird. Der Antragsteller muss zum Beispiel mindestens 18 Jahre alt sein und seine ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse nachweisen können. Außerdem muss bereits eine Ausbildung in einem Beruf vorliegen, die wenigstens angefangen, besser noch abgeschlossen wurde. Wäre das nicht der Fall, würde es sich um die erste Ausbildung und nicht um eine Umschulung handeln.

Diese Gründe ermöglichen eine Förderung!

Das Jobcenter wird in der Umschulung nicht das Mittel der Wahl sehen, denn eine solche Maßnahme ist teuer und langwierig. Es geht jedoch darum, den Betreffenden möglichst schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen zu können bzw. es gar nicht erst zuzulassen, dass derjenige arbeitslos wird. Meist wird daher zuerst geprüft, ob eine einfache Weiterbildung nicht ausreichend ist oder ob der Betreffende in einen anderen Job vermittelt werden kann. Eine Umschulung ist immer eine Kann-Leistung, bei der der Sachbearbeiter im Jobcenter im Einzelfall entscheidet, ob eine erneute Ausbildung möglich oder nötig ist. Der Antragsteller hat kein Anrecht darauf! Die nachfolgenden Gründe sprechen dafür, dass die Förderung der Umschulung in Teilzeit oder Vollzeit wahrscheinlicher wird:

  • Gesundheitliche Gründe

    Kann der Antragsteller nicht mehr in seinem Beruf arbeiten, weil die körperliche Arbeit zu schwer geworden ist, oder kann er andere körperliche Einschränkungen nachweisen, ist eine Umschulung wahrscheinlicher. Das gilt auch bei Vorliegen einer Berufskrankheit oder bei psychischen Problemen.

  • Schlechte Zukunftsaussichten

    Viele Berufsbilder sind stark im Umbruch begriffen oder fallen gänzlich weg. Wer in Kürze arbeitslos zu werden droht, hat gute Karten, um eine Umschulung finanziert zu bekommen.

  • Neuer Beruf mit guten Zukunftschancen

    Wer sich auf eine vitale Branche konzentriert, hat gute Chancen, die Umschulungsmaßnahme finanziert zu bekommen. Geht es zum Beispiel um eine Maßnahme, die die Arbeit als Fachkraft in einer Branche, die unter einem starken Mangel an Experten leidet, ermöglicht, kann die Finanzierung in vielen Fällen übernommen werden. Vor allem der Gesundheits- und Pflegebereich wird von den Arbeitsagenturen derzeit gern gefördert. Eine Möglichkeit ergibt sich auch durch Jobs, die auch künftig nicht von Maschinen übernommen werden können. Wer in einen solchen Beruf umschulen möchte, kann mit seinem Finanzierungsantrag Glück haben.

Umschulung in Teilzeit: Unter diesen Voraussetzungen ist es möglich

Grundsätzlich ist die Umschulung in Teilzeit machbar, wobei dafür die wöchentliche Arbeitszeit gekürzt werden muss. Dies gilt zumindest dann, wenn es sich um eine Anstellung in Vollzeit handelt. Damit die wöchentliche Stundenhöchstgrenze nicht überschritten wird, muss die Arbeitszeit kürzer ausfallen. Die Berufsschule aber wird in Vollzeit besucht, lediglich die praktische Ausbildung findet in Teilzeit statt. Dieses Modell kommt vor allem bei Eltern gut an, die gleichzeitig Beruf und Familie unter einen Hut bekommen müssen.

Alternativ bietet sich der Fernunterricht an, auch ein Fernstudium kommt infrage. Allerdings kann nicht jede Umschulung auf diesem Wege stattfinden, außerdem dauert die Maßnahme oft länger als 24 Monate. Sie erfordert Zeit, weil sie meist berufsbegleitend ausgeübt wird, was bei einem Job in Vollzeit eine immense Belastung über einen langen Zeitraum bedeutet. Des Weiteren ist diese Art der Aus- und Weiterbildung privat zu finanzieren oder muss zumindest zum Teil privat finanziert werden.

Umschulung Finanzierung: Wer soll das bezahlen?

Infografik: Wer trägt die Kosten der Umschulung? Wie erfolgt die Finanzierung der Umschulung?

Infografik: Wer trägt die Kosten der Umschulung? Wie erfolgt die Finanzierung der Umschulung?

Die Frage der Finanzierung der Umschulung muss geklärt werden, ehe eine Anmeldung für die Umschulung oder Weiterbildung vorgenommen wird. Hier kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht:

  • Wer wenigstens für zwei Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt war und jetzt arbeitslos geworden ist, bezieht ALG I. Die Agentur für Arbeit ist zuständig und bietet verschiedene Umschulungsmaßnahmen an, die auch durch die Agentur finanziert werden.
  • Wer ALG II bezieht oder eine Aufstockung aufgrund des sehr niedrigen Einkommens aus diesem Topf erhält, fällt in die Verantwortung des Jobcenters. Es übernimmt die Kosten für die Umschulung.
  • Bei einer Umschulung im Betrieb wird ein Ausbildungsgehalt gezahlt, damit die anfallenden Kosten zumindest teilweise gedeckt werden können. Bei einer rein schulischen Maßnahme gibt es keinen Verdienst, was die Finanzierung schwieriger macht.
  • Wer die Voraussetzungen für eine Förderung erfüllt, bekommt durch den zuständigen Sachbearbeiter einen sogenannten Bildungsgutschein überreicht. Der Leistungsträger, der für die Maßnahme zuständig ist, übernimmt dann auch die Kosten dafür.

Dies sind die finanziellen Träger der Maßnahme

Darüber hinaus gibt es verschiedene weitere Möglichkeiten zur Finanzierung der Maßnahme sowie zur möglichen Unterstützung:

  • Krankenkasse oder Rentenversicherung

    Wer eine Berufsunfähigkeit diagnostiziert bekommen hat, kann Gefahr laufen, dass sich nun Krankenkasse und Rentenversicherung um die Zuständigkeit streiten. Sie sollten sich aktiv einbringen und die nötigen Unterlagen und Informationen rasch vorlegen, damit geklärt werden kann, wer die Finanzierung der Maßnahme übernehmen kann. Wichtig: Jegliche diesbezügliche Kommunikation sollte schriftlich erfolgen bzw. schriftlich bestätigt werden!

  • Bildungsprämie

    Wer bisher immer nur ein geringes Einkommen erhalten hat, kann eine Bildungsprämie in Anspruch nehmen. Dafür müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung nennt. Dieses ist auch zuständig für die Vergabe der Bildungsprämie.

  • Aufstiegs-BAföG

    Für eine Weiterbildung kann eventuell das Aufstiegs-BAföG in Anspruch genommen werden. Es richtet sich an Lehrgangsteilnehmer und Fachschüler, die eine Aus- und Weiterbildung mitmachen, um beruflich voranzukommen.

  • Weiterbildungsprämie

    Ist die Maßnahme abgeschlossen und hat der Betreffende Arbeit im neuen Beruf gefunden, kann eine Weiterbildungsprämie beantragt werden. Diese ist immer nur nachträglich zu beantragen und wird auch nur dann vergeben, wenn die Umschulung mit dem Bildungsgutschein gefördert wurde.

Diese Kosten können auch übernommen werden

Die genannten Stellen und Einrichtungen bieten die Kostenübernahme für die Umschulungsmaßnahme an. Des Weiteren können auch einzelne Fördermittel für bestimmte Dinge beantragt werden:

  • Lehrmittel

    Ein Lehrgang kostet nicht nur eine Teilnehmerpauschale, sondern es müssen auch weitere Kosten für Lehrmittel getragen werden. Teilweise fallen Prüfungsgebühren oder Arbeitskleidung an, die ebenfalls bezahlt werden müssen. Dafür kann bei den zuständigen Stellen eine finanzielle Förderung beantragt werden.

  • Fahrtkosten

    Die Fahrtkosten müssen erstattet werden, wobei hier der direkte Anfahrtsweg von der Wohnung zur Ausbildungsstätte gemeint ist. Ist mit der Maßnahme ein Wechsel des Wohnortes verbunden, übernimmt der Leistungsträger die einmalige Anreise und einmal monatlich die Rückreise in den Heimatort. Für Pendelfahrten werden monatlich bis zu 470 Euro gewährt. Die Kilometerpauschale kann aber auch im Rahmen der Steuererklärung geltend gemacht werden.

  • Verpflegung

    Eine Unterkunft am Ort der Maßnahme kann finanziert werden, falls ein tägliches Fahren nicht möglich oder unrentabel ist. Bis zu 340 Euro für die Miete und 136 Euro als Verpflegungspauschale werden gewährt.

  • Kinderbetreuung

    Bis zu 130 Euro pro Kind und Monat werden für Kinder unter 15 Jahren übernommen, wenn ansonsten die Umschulung nicht möglich wäre.

Auch wenn es viele Gründe für eine Umschulung gibt, stellt sich dennoch die Frage: "Lohnt sich diese Form der Ausbildung bzw. Weiterbildung überhaupt?" (Foto: Shutterstock- ESB Professional )

Auch wenn es viele Gründe für eine Umschulung gibt, stellt sich dennoch die Frage: „Lohnt sich diese Form der Ausbildung bzw. Weiterbildung überhaupt?“ (Foto: Shutterstock- ESB Professional )

Umschulung: So arbeiten Sie mit dem Jobcenter besser zusammen

Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff „Jobcenter“ etwas Negatives. Teilweise rührt das daher, weil eigene schlechte Erfahrungen vorliegen, teilweise aus Erzählungen anderer. Auch die Medien bringen gern einige Extremfälle zur Sprache, die so aber nicht alltäglich sind. Gerade bei Umschulungen sind die Informationen oft sehr unterschiedlich und die Suche nach diesbezüglichen Erfahrungswerten kann schier unglaubliche Dinge zutage bringen.

  • Tipp: Sie sollten unvoreingenommen in das Gespräch mit dem Sachbearbeiter gehen, wenn Sie auf der Suche nach Informationen sind. Suchen Sie gemeinsam nach Lösungen und gehen sie nicht davon aus, dass man Ihnen hier sowieso nichts Gutes tun möchte. Denn entgegen der allgemeinen Meinung ist es in der Realität nicht so, dass man Ihnen hier nicht helfen möchte.
  • Tipp 2: Machen Sie sich bereits im Vorfeld auf die Suche nach Informationen und recherchieren Sie verschiedene Optionen, sodass Sie mit dem Sachbearbeiter auf Augenhöhe diskutieren können. Wichtig ist, dass der Beruf, in den Sie wechseln wollen, eine wirkliche Perspektive auf Arbeit hat. Er sollte nicht so ausgelegt sein, dass er nur scheinbar optimal ist, aber bereits binnen kürzester Zeit die gleichen Probleme verursacht, vor denen Sie jetzt auch stehen. Nennen Sie Gründe, warum ausgerechnet Sie für die Maßnahme infrage kommen.
  • Tipp 3: Der Sachbearbeiter sollte niemals vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Er legt in der Regel großen Wert darauf, mit Ihnen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen und wird sich übergangen fühlen, wenn Sie bereits alles geklärt haben. Behalten Sie Ihr Wissen anfangs für sich und haben Sie immer vor Augen, dass diese Person vor Ihnen über eine Finanzierung der Maßnahme entscheidet.

Berufswechsel: So wird die Umschulungsmaßnahme erfolgreich

Wichtigster Rat: Halten Sie alle Absprachen und vor allem Zusagen schriftlich fest! Mündliche Absprachen sind im Streitfall immer null und nichtig, wenn Sie nicht durch Zufall einen Zeugen beibringen können.

Die Finanzierung der Weiterbildung wird dann über den Bildungsgutschein vorgenommen werden, der die Kosten für Ausbildung und Fahrten sowie für Unterbringung und Verpflegung decken soll. Die Höhe der Förderung kann aber individuell unterschiedlich ausfallen.

11 Tipps für eine erfolgreiche Umschulung

Auch die folgenden Tipps sollen Ihnen helfen, Ihrem großen Ziel, der Weiterbildung über eine Umschulungsmaßnahme, näher zu rücken:

  • Aktive Auswahl treffen

    Überzeugen Sie durch Engagement! Sie sollten gegenüber dem Sachbearbeiter des Jobcenters schon sagen können, warum die angestrebte Arbeit für Sie genau richtig und warum eine neue Ausbildung unverzichtbar ist. Beschaffen Sie sich die nötigen Informationen zum angestrebten Job und finden Sie Gründe, warum genau der Job der richtige ist. Arbeitsagenturen und Rentenversicherer geben oft vor, welche Kurse infrage kommen. Wenn Sie aber Gründe dafür nennen können, warum ein Kurs, der nicht auf dieser Liste steht, für Sie die bessere Wahl ist, haben Sie bessere Chancen. Versuchen Sie alles, um selbst aktiven Einsatz zu zeigen und nicht nur alles hinnehmen zu müssen.

  • Umfangreiche Suche wichtig

    Bei der Suche nach dem passenden Kurs sollten Sie das Hauptaugenmerk darauf legen, wie die Chancen auf Arbeit nach der Maßnahme aussehen. Ist das auch der Bereich, der Sie begeistert? Machen Sie sich mit verschiedenen Berufsbildern, mit den Chancen auf dem Arbeitsmarkt und selbst mit Arbeitszeiten vertraut. Ist das ein Beruf, der üblicherweise in Vollzeit oder in der Regel nur in Teilzeit ausgeübt wird? Nutzen Sie für die Recherchen verschiedene Jobbörsen, diese geben umfassend Auskunft zum Berufsbild.

  • Stärken finden

    Definieren Sie Ihre eigenen Stärken und finden Sie Schwächen. Letztere sagen Ihnen, was gar nicht geht und in welchem Bereich Sie nicht arbeiten brauchen, weil es Ihnen keinen Spaß machen wird. Die Stärken hingegen sind maßgeblich für die Begründung gegenüber dem Leistungsträger: Warum sind Sie für die Förderung und Finanzierung prädestiniert?

  • Träger finden

    Meist sind Träger und Kurse vorgeschrieben. Es kann jedoch sinnvoll sein, sich auf die Suche zu begeben und andere Anbieter zu finden. Überlegen Sie sich außerdem Gründe dafür, warum diese Anbieter besser geeignet sind. Informationen dazu finden sich in der Regel auf den Internetseiten der Anbieter.

  • Eigeninitiative zeigen

    Ob bei der Vorbereitung des Gesprächs mit dem Sachbearbeiter oder bei der Teilnahme am Kurs: Zeigen Sie immer Eigeninitiative! Sie erleichtern sich selbst den Einstieg in das jeweilige Wissensgebiet, wenn Sie schon einige Dinge kennen. Außerdem hinterlassen Sie einen guten Eindruck.

  • Praxispartner finden

    Viele Umschulungen sind kombiniert aus theoretischem und praktischem Teil. Finden Sie einen Praxisträger, bei dem Sie das Praktikum absolvieren können, und finden Sie auch Gründe, warum Ihre Suche mit genau diesen Trägern als erfolgreich beendet zu sehen ist.

  • Netzwerkarbeit betreiben

    Umschulungsmaßnahmen sind nicht nur zum Zwecke der Ausbildung bzw. der Weiterbildung gedacht, sondern sie können die spätere Arbeit um einiges erleichtern. Das nämlich dann, wenn sich die Suche nach einem passenden Arbeitgeber nicht als schwierig gestalten muss, weil Sie bereits während der Maßnahme nach passenden Netzwerkpartnern gesucht haben. Knüpfen Sie neue Kontakte und pflegen Sie diese auch innerhalb Ihres Netzwerkes.

  • Zeitige Bewerbung

    Die Sache mit dem frühen Vogel, der den Wurm fängt, gilt auch bei Umschulungsmaßnahmen. Häufig werden die Träger mit Anträgen überschwemmt, wenn ganze Jahrgänge Bewerbungen schicken. Bewerben Sie sich daher frühzeitig und antizyklisch. Während sich andere noch bewerben, bekommen Sie vielleicht schon den Termin für das Vorstellungsgespräch.

  • Neue Branchen finden

    Konzentrieren Sie sich bei der Suche nach einem neuen Job nicht nur auf die neue Branche, sondern finden Sie eine Verbindung zu Ihrer früheren Branche. Dort ergeben sich manchmal interessante Kontakte, über die sich ein Job finden lässt.

  • Bewerbungen dokumentieren

    Schreiben Sie auf, wann Sie sich wo beworben haben. Ein Bewerbertagebuch ist genau die richtige Möglichkeit, um festzuhalten, welche Bewerbungen bereits erfolgt sind. So behalten Sie den Überblick.

  • Praxisphasen nutzen

    Versuchen Sie, unbedingt an die Praxiszeiten der Maßnahme anzuknüpfen. Teilweise ergibt sich in den Unternehmen die Chance, direkt übernommen zu werden.

Diese Informationen sollen Ihnen helfen, die Umschulungsmaßnahme erfolgreich zu meistern. Doch die Maßnahme selbst gibt natürlich keine Garantie auf einen Job, vor allem nicht direkt danach. Lassen Sie sich nicht entmutigen und arbeiten Sie mit dem Jobcenter zusammen. Finden Sie Bewerbungsstrategien oder weichen Sie von der gewohnten Strategie ab und versuchen Sie etwas ganz Neues. Sie bekommen von Ihrem zuständigen Sachbearbeiter immer wieder neue Stellenangebote, auf die eine Bewerbung lohnt. Sollten Sie sich noch in ungekündigter Stellung befinden, können Sie den Arbeitsmarkt natürlich selbst im Auge behalten und für sich interessante Stellen definieren sowie eine Bewerbung schreiben. Sollten Sie länger keine Bewerbung mehr geschrieben haben, informieren Sie sich über aktuelle Anforderungen an solche Schreiben.

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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