Mitarbeiterbindung: 5 kostengünstige Möglichkeiten, Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden

Wer sich als Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifiziert, leistet mehr und wird eher nicht über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Unternehmer grübeln schon immer, wie sie diesen Idealzustand eine Mitarbeiterbindung erreichen können. Groß ist der Spagat zwischen Motivation der Mitarbeiter und Kostenkontrolle.

Mitarbeiterbindung hat sich neu erfunden: Geld ist out, Wohlfühlen ist in

Wie kann ein Unternehmen Mitarbeiter motivieren und binden? Über Jahrzehnte dachten Unternehmer an dieser Stelle nur an „Geld, Geld, Geld!“. Gehaltserhöhungen und schwere Dienstwagen standen hier ganz oben auf der Wunschliste.

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Schon bei der Arbeitsplatzsuche orientieren sich Bewerber weniger an der Einkommensfrage.

  • Wie werde ich mich bei der Arbeit im Unternehmen fühlen?
  • Werde ich angenehme Arbeitskollegen haben?
  • Wird die Arbeit Spaß machen?
  • Wird meine Arbeit geschätzt?
  • Für welche Werte steht das Unternehmen?

Gerade bei den Werten kommt die Frage auf, ob hohe Profite oder das respektvolle Miteinander im Vordergrund stehen. Und das haben mittlerweile viele Unternehmer verstanden und sich umorientiert.

Für den Unternehmer ist es zudem überraschend und angenehm: viele der Möglichkeiten zur Mitarbeiterbindung sind wesentlich günstiger als es Gehaltserhöhung und Dienstwagen waren. Also ergibt sich hier ein Stückchen mehr Profit, von dem beiden Seiten etwas haben: Unternehmer wie Angestellter.

Video: Erklärvideo Mitarbeiterführung – so geht das heute.

5 einfache Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung

Nr.1 Mittagessen mit den Kollegen

Es gehört mit zur Achtsamkeit, auf eine gesunde Ernährung Wert zu legen. Ausreichend Zeit sollte man für die Mittagspause auch einplanen, damit Entspannung und Wohlbefinden Einzug halten können. Wer im Team arbeitet, wird die Mittagspause gerne mit den Kollegen verbringen und die Gespräche fortführen und all das bereden, was bei der Arbeit wenig Raum fand.

Wieso das gemeinsame Mittagessen die Produktivität steigert

Liebe geht durch den Magen und in diesem Fall tut es der Teamerfolgauch. Wer wohlgelaunt aus der Mittagspause zurückkehrt, dem geht die Arbeit nochmal so leicht von der Hand. Das ist einer der vielen Gründe, warum die Mittagessenskultur in den Unternehmen immer mehr an Gewicht gewinnt. Das betrifft nicht nur den einzelnen.

Gehen die Gruppenmitglieder gemeinsam essen, steigt die Team-Performance. Da macht es schon Sinn, über die Ausgestaltung der Art und Weise der Mittagspause nachzudenken. Und so wird das geförderte Mittagessen zu einer sich selbst finanzierenden Maßnahme der Mitarbeiterbindung.

Video: Steuern sparen ! Reisekosten und Verpflegungsmehraufwand aus Auswärtstätigkeit | Steuerklärung 2019

Mit Incentives die Mittagessenskultur gezielt fördern

Unternehmer fördern das Miteinander im Team mit einem Incentive, das sehr gerne angenommen wird: es nennt sich im Fachjargon „Sachbezug für Verpflegung“. Gemeint ist der Verpflegungszuschuss.

Anders als die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwand auf Dienstreisen ist dieser Sachbezug wesentlich freizügiger einsetzbar, als man annehmen würde.

Hier können Mahlzeiten für Mitarbeiter, die beruflich unterwegs sind, bezuschusst werden, aber auch alle übrigen Teammitglieder. Und es kann eben auch das Mittagessen sein, das hier gezielt gefördert wird. Wenn Mitarbeiter nicht gleichzeitig bereits Spesen beziehen, können sie diesen Verpflegungszuschuss bekommen.

Wer sich als Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifiziert, leistet mehr und wird eher nicht über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken.  ( Foto: Shutterstock-fizkes)

Wer sich als Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifiziert, leistet mehr und wird eher nicht über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken. ( Foto: Shutterstock-fizkes)

So wird aus Mittagessenkultur gleich Mitarbeiterbindung

Arbeitgeber sollten das Mittagessen aus mehreren Gründen bezuschussen.

  • Mit dem Verpflegungszuschuss zeigen Arbeitgeber, dass sie Wert auf eine erholsame und gesunde Mittagspause legen. Das stärkt das Arbeitgeberimage. Employer Branding ist hier das Zauberwort.
  • Mit gesunder Ernährung fördert der Arbeitgeber den Grad an Gesundheit in der Belegschaft. Das steigert nach den Worten der bayrischen IHK die Produktivität wie die Mitarbeiterbindung, reduziert die Kosten durch Arbeitsausfälle und senkt die Belastung der Mitarbeiter aus Krankheitsvertretungen.
  • Regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten führen nachweislich zu einem Mehr an Zusammenhalt im Team und lassen die Produktivität nachhaltig steigen.

Wieviel Verpflegungszuschuss ist drin?

Der Verpflegungszuschuss wird jährlich angepasst. Die Sachbezugswerte für Verpflegung orientieren sich dabei an den aktuell Verbraucherpreisen. Auch für die verschiedenen Mahlzeiten gibt es unterschiedliche Werte.

Es gibt unterschiedliche Werte für Frühstück, Mittag- und Abendessen. Die Beträge für das Jahr 2020: für das Frühstück: kann der Zuschuss 4,90 Euro betragen, für das Mittagessen und Abendessen jeweils 6,50 Euro.

Das Schöne daran: die Beträge sind für den Mitarbeiter zum Teil komplett steuer- und sozialabgabenfrei. Schön für den Arbeitgeber: die Kosten liegen niedriger als bei einer Lohnzahlung in gleicher Höhe.

Gehen die Gruppenmitglieder gemeinsam essen, steigt die Team-Performance.  ( Foto: Shutterstock-View Apart_)

Gehen die Gruppenmitglieder gemeinsam essen, steigt die Team-Performance. ( Foto: Shutterstock-View Apart_)

Nr.2 Gute Mitarbeiterführung

Kennen Sie den alten Personalerwitz Mitarbeiter kommen wegen des Jobs und gehen wegen des Chefs“? Wenn nicht so viel Wahrheit drin liegen würde, könnte man glatt darüber schmunzeln.

In einer Studie von Gallup steht zu lesen, dass 42% der Mitarbeiter mit nicht vorhandener Bindung wegen des Vorgesetzten eine berufliche Veränderung überlegen. 25% der Befragten hat bereits so gehandelt. Hier entsteht das Gegenteil von Mitarbeiterbindung.

Wer seine Mitarbeiter gut leiten kann, beherzigt oft diese 5 goldenen Regeln zur Mitarbeiterführung.

  • Goldene Regel 1: Kommunikation

    Der offene Dialog mit den Mitarbeitern ist die Grundlage. Erwartungen müssen klar kommuniziert werden, damit der Mitarbeiter auch folgen kann. Nur so lassen sich Ziele erreichen. Nur so kann man dem Mitarbeiter Wertschätzung vermitteln. Wer dies als Vorgesetzter nicht tut und verharrt, wirkt passiv und durchsetzungsschwach, er verliert zudem an Präsenz und Glaubwürdigkeit.

  • Goldene Regel 2: Respekt

    Gegenseitiger Respekt ist die Grundlage eines guten Führungsstils. Wer Respekt seiner Autorität erwartet, sollte den Mitarbeitern ebenfalls mit Respekt gegenübertreten. Dazu gehört auch, auf Mitarbeiter zuzugehen und auf deren Belange, Wünsche und Probleme einzugehen.

  • Goldene Regel 3: Motivation

    Wer Erfolg in der Gruppe will, der sollte die Mitarbeiter motivieren und auch bei Laune halten. Dabei ist es so einfach. Regelmäßiges konstruktives Feedback zur Zusammenarbeit und zu erzielten Ergebnissen nehmen Mitarbeiter dankbar auf. Das Feedback gibt schließlich die Möglichkeit, der eigenen Positionsbestimmung. Mitarbeitermotivation optimiert die Unternehmenskultur und wirkt sich direkt auf die Leistung der Abteilung aus. Feedback darf kritisch sein. Gute Führungskräfte achten jedoch darauf, dass im gleichen Maße wie die Kritik auch Anerkennung ausgesprochen wird. Wer auch mal Mittags ein Eis oder einen Burger für das Team spendiert, hat Motivation verstanden.

  • Goldene Regel 4: Fairness

    Geld ist nicht alles, aber die Gehälter der Mitarbeiter müssen deren Leistung widerspiegeln und auch die erzielte Wertschöpfung für das Unternehmen. Außergewöhnliche Leistungen sollten auch außergewöhnlich honoriert werden. Das muss kein Geld sein. Ein Gutschein für ein Abendessen oder Konzertkarten kommen hier wesentlich besser an und vermitteln Wertschätzung – was letztlich wieder zur Mitarbeiterbindung beiträgt.

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  • Goldene Regel 5: Konsequenz

    Regeln und Vereinbarungen im Betrieb müssen konsequent und für alle Personen einheitlich durchgesetzt werden. Nur so erhält sich ein Vorgesetzter den Respekt seiner Mitarbeiter. Bei Verfehlungen sollte auch berücksichtigt werden, wer gegenüber dem handelnden seine Kontrollfunktion vernachlässigt hat. Dies hat auch wieder etwas mit Fairness zu tun.

Der offene Dialog mit den Mitarbeitern ist die Grundlage. Erwartungen müssen klar kommuniziert werden, damit der Mitarbeiter auch folgen kann.  ( Foto: Shutterstock-Antonio Guillem)

Der offene Dialog mit den Mitarbeitern ist die Grundlage. Erwartungen müssen klar kommuniziert werden, damit der Mitarbeiter auch folgen kann. ( Foto: Shutterstock-Antonio Guillem)

Nr.3 Belebendes Arbeitsumfeld

Die Arbeit selbst muss Freude bereiten. Wer nur noch wegen der Belohnung und der Prämie willen arbeitet, hat sein Leben und das Miteinander im Unternehmen vernachlässigt. Wesentlich wichtiger als alles Geld sind die Arbeitsbedingungen, was man allgemein als Betriebsklima bezeichnet.

Wer sich bei der Arbeit kreativ entfalten kann, kommt gerne zur Arbeit, sieht diese als Mittel zur Selbstverwirklichung. Jeden Tag die gleiche Arbeit zu verrichten, wird eintönig und lässt die Freude an der Arbeit verlieren. Geben Sie daher den Mitarbeitern fordernde und abwechslungsreiche Aufgaben.

Das macht sie zufriedener und führt als angenehmer Nebeneffekt zu einem Mehr an Mitarbeiterbindung. Dazu gehört auch das Übertragen von Verantwortung, und sei es nur vorübergehend in einer kurzen Projektstrecke.

Zum Arbeitsumfeld gehören auch der firmeneigene Betriebskindergarten und andere Einrichtungen, welche es den Mitarbeitern erleichtern, Arbeit und Leben einfacher zu verzahnen. Bei Amerikas Hightech-Firmen Apple und Google geht das soweit, dass man auf dem Firmengelände Spiel-, Relax- und Fitnessbereiche und auch den Arzt, den Frisör und die Reinigung vorfindet.

So kann der Mitarbeiter viele Besorgungen zwischendurch auf dem Betriebsgelände erledigen. Möglicherweise geht das ein wenig über die Vorstellungskraft deutscher Unternehmer hinaus, aber es weist den Weg.

Das Unternehmen und die Arbeit darin wird zum Bestandteil des Lebens der Mitarbeiter. In diesem Fall wird aus Mitarbeiterbindung eher ein Verschmelzen mit dem Unternehmen – oder Identifikation, wie man es heute ausdrücken würde.

Video: Flexible Arbeitszeitmodelle von A-Z: Diese Arbeitszeitmodelle gibt es | Betriebsrat Video

Nr.4 Individuelle Arbeitszeitmodelle

Immer mehr Menschen möchten ihre eigenen Vorstellungen von der Zeitaufteilung ihres Tages oder der Woche umsetzen. Der Job steht nicht mehr fest mit „nine-to-five“, sondern soll sich zwischen all die anderen eigenen Vorhaben einfügen.

Früher erschöpften sich Arbeitszeitmodelle in der Wahl zwischen Vollzeit und Teilzeit. Die Einführung der gleitenden Arbeitszeit wurde dann bereits als große Innovation gefeiert.

Elternzeit

Die große Aufgabe der Erziehung brachte die Elternzeitmodelle für Männer wie für Frauen. Vielen ist es dabei wichtig, in der Elternzeit den Kontakt zu Kollegen und zum Unternehmen nicht zu verlieren, ihn zu halten.

Das hat eine soziale Komponente, weil eben in einem angenehmen Arbeitsumfeld die Kollegen zum festen Bestandteil des eigenen Lebens geworden sind. Es hat auch eine jobbezogene Komponente, denn man möchte nach der Elternzeit den Wiedereinstieg im Betrieb schaffen. Alleine das zeugt von erfolgreicher Mitarbeiterbindung.

Sabbatical & Co.

Die Lebensplanung ist heutzutage sehr individuell. Da gehören Sabbaticals, ausgedehnte Urlaube in Form von Weltreisen auch dazu. Natürlich ist es schade, einen verdienten Mitarbeiter im Sabbatical für lange Zeit entbehren zu müssen.

Doch wenn er nach der Zeit infolge der guten Mitarbeiterbindung freudig in den Betrieb zurückkehrt, bereichert er die Landschaft des Arbeitsumfeldes und trägt zur guten Stimmung in der Belegschaft bei – und bringt sein Wissen und seine Berufserfahrung umso lieber wieder ein.

Hier können Unternehmer zeigen, dass sie die Belange ihrer Mitarbeiter respektieren und auf diese eingehen. Dennoch können die Lösungen sehr individuell ausfallen und werden den Mitarbeiter auf jeden Fall emotional stark ans Unternehmen binden.

Zum Arbeitsumfeld gehören auch der firmeneigene Betriebskindergarten und andere Einrichtungen, welche es den Mitarbeitern erleichtern, Arbeit und Leben einfacher zu verzahnen.  ( Foto: Shutterstock-Africa Studio )

Zum Arbeitsumfeld gehören auch der firmeneigene Betriebskindergarten und andere Einrichtungen, welche es den Mitarbeitern erleichtern, Arbeit und Leben einfacher zu verzahnen. ( Foto: Shutterstock-Africa Studio )

Nr.5 Förderprogramme für Nachwuchstalente

Junge High Professionals wünschen sich andere Angebote als die langjährigen Mitarbeiter. Hier kann der Betrieb mit Weiterbildung punkten und das gleich doppelt. Weiterbildung befriedigt das Wissens und Förderbedürfnis des High Professionals und erhöht gleichzeitig den Wert des Mitarbeiters im Unternehmen.

Nachwuchstalente möchten sich weiterentwickeln und ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Nicht immer will man diese Möglichkeiten nutzen, aber man möchte sie sich erarbeiten.

Wer Nachwuchstalente in das Unternehmen holen will, muss diesem Trend Rechnung tragen, will er eine mittel- bis langfristige Mitarbeiterbindung erzielen. Kann sich ein High Potential im Unternehmen nicht mehr weiterentwickeln, wird er sein Glück bei einem anderen Unternehmen suchen.

Für das Unternehmen ist diese Maßnahme zur Mitarbeiterbindung sehr kostengünstig, da Weiterbildung in der Zeit der Digitalisierung ohnehin notwendig ist und in diesem Fall gleichzeitig auf das Konto Mitarbeiterbindung und Employer Branding einzahlt.

Ein zur Weiterbildung bereiter Mitarbeiter wird mehr und schneller lernen und nach der Weiterbildung auch mehr an Wissen in das Unternehmen einbringen. Gleichzeitig strahlt der geförderte Mitarbeiter auch nach außen. „Hier kann man sich weiterentwickeln!“ lautet seine Botschaft und zeigt potentiellen Bewerbern, dass man in diesem Unternehmen einen guten Arbeitslatz vorfindet.

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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