Führungsqualitäten sind nicht jedem Chef gegeben

Über welche Führungsqualitäten sollte ein Chef verfügen und wie kann man diese gezielt durch Weiterbildung verbessern?

Motivierte Mitarbeiter sind ein wichtiger Erfolgsfaktor, doch nicht jeder Vorgesetzte verfügt über die Führungsqualitäten, die nötig sind, um sein Team zu begeistern. Es stellt sich die Frage, wie sich Führungsstärke verbessern lässt.

Welche Führungsqualitäten sind unverzichtbar?

Immer mehr Unternehmen stehen vor dem Problem, in Zeiten des demografischen Wandels qualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren und dauerhaft an die Firma zu binden. Ob es gelingt, dem Fachkräftemangel zu begegnen, hängt ganz entscheidend von der Unternehmenskultur und den Führungsqualitäten des Managements ab.

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Führungsstile entwickelt, die immer ein Spiegelbild der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung waren. Führungsstile sind Verhaltensweisen, die der Vorgesetzte nutzt, um seine Mitarbeiter zu motivieren, die erwünschte Leistung zu erbringen.

War es vor fünfzig Jahren noch üblich, autoritär zu führen, wandelten sich die Führungsstile im Laufe der Zeit:

  • autoritär
  • patriarchalisch
  • beratend
  • kooperativ
  • partizipativ
  • demokratisch
Führungsstile sind Verhaltensweisen, die der Vorgesetzte nutzt, um seine Mitarbeiter zu motivieren, die erwünschte Leistung zu erbringen.

Führungsstile sind Verhaltensweisen, die der Vorgesetzte nutzt, um seine Mitarbeiter zu motivieren, die erwünschte Leistung zu erbringen. (#01)

Führungsstile im Wandel der Zeit

Heutzutage würden Mitarbeiter den autoritären Stil nicht mehr akzeptieren, denn es herrscht eine allgemein demokratische Orientierung vor und somit wird erwartet, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiter nicht von oben herab behandeln, sondern einbeziehen. Außerdem wird vorausgesetzt, dass eine Führungspersönlichkeit genug Menschenkenntnis besitzt, um individuell auf die verschiedenen Mitarbeitertypen einzugehen. Dieser Führungsstil wir als situativ bezeichnet, denn er bezieht den Kontext mit ein.

Dennoch gibt es sicher noch Firmen, in denen die Vorgesetzten die Position des autoritären Chefs einnehmen und ihre Untergebenen mit harschen Anweisungen führen. Doch diese Art der Führung, die alle Führungsqualitäten vermissen lässt, welche von den Mitarbeitern erwartet werden, ist mit Sicherheit ein Auslaufmodell. Ein Unternehmen, das die Herausforderungen der Digitalisierung und Globalisierung erfolgreich bewältigen will, benötigt motivierte Mitarbeiter.

Außerdem wird von den Firmen mehr und mehr Flexibilität verlangt und auch das hat einen Einfluss auf die geforderten Führungsqualitäten. Führungsstärke zeigt sich darin, Mitarbeiter zu eigenständigem Handeln zu motivieren und es ist absehbar, dass die Führungskräfte Karriere machen werden, denen es gelingt, diese Kompetenz aufzubauen.

Management-Tipps: Welche zehn Eigenschaften benötigt eine Führungspersönlichkeit?

Ob ein Unternehmen Erfolg hat, hängt davon ab, inwieweit es den Führungskräften gelingt, die Mitarbeiter optimal zu motivieren. Wer als Führungskraft Karriere machen möchte, benötigt mehr als fachliche Kompetenz, sondern muss sich besonders im Bereich der sogenannten Soft Skills von den Konkurrenten abheben. Nicht immer lässt sich eine Kompetenz erlernen, teilweise handelt es sich um Charakterzüge. Dazu gehört eine Art von Führungsstärke, die auf einer natürliche Autorität beruht und die unverzichtbar ist, um Menschen zu motivieren.

Neben einer allgemeinen Menschenkenntnis sollten Führungskräfte über folgende Führungsqualitäten verfügen:

  • Vorbildfunktion
  • Kreativität
  • Motivationstalent
  • Kommunikationsstärke
  • Fähigkeit zu Delegieren
  • Toleranz gegenüber Fehlern
  • Fähigkeit Potenziale zu erkennen und Teams zusammenzustellen
  • Authentizität
  • Selbstbewusstsein und Humor
  • Positive Grundeinstellung

Video: Neu als Führungskraft – 5 entscheidende Tipps für die Mitarbeiterführung als neuer Chef

Vorbildfunktion

Auch wenn generell ein demokratischer Führungsstil angestrebt werden sollte, ist die Stellung eines Vorgesetzten exponiert. Selbstverständlich beurteilen die Mitarbeiter das Verhalten ihres Chefs und hinterfragen, ob dieser leistungsorientiert und engagiert ist sowie über Führungsqualitäten verfügt. Besteht eine signifikante Differenz zwischen der erwarteten und der tatsächlich erbrachten Leistung, führt das dazu, dass Führungskräfte ihre Glaubwürdigkeit verlieren und somit nicht die Vorbildfunktion wahrnehmen können.

Kreativität

Um Entscheidungen zu treffen, benötigen Führungskräfte nicht nur Durchsetzungskraft, sondern auch ein hohes Maß an Kreativität. Manchmal müssen Alternativen schnell abgewogen und bewertet werden und manchmal ist eine unorthodoxe Entscheidung nötig, damit der Erfolg sichergestellt wird. Um zu entscheiden, wann welche Entscheidung sinnvoll ist und ob es auch andere Wege gibt, die Ziele des Unternehmens voranzutreiben, sollten Vorgesetzte in der Lage sein, kreativ ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu gehen.

Motivationstalent

Die Mitarbeiter zu motivieren, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die Führungskräfte erfüllen müssen. Dies gelingt nur, wenn sie in der Lage sind, Menschen zu begeistern und dafür bei unterschiedlichen Mitarbeitern individuelle Anreize zu setzen. Eng damit verbunden ist die Fähigkeit, eine Vision von der Zukunft der Firma zu entwickeln, diese mit den Angestellten zu teilen und sie dafür zu begeistern. Eine wichtige Voraussetzung ist die Bereitschaft des Vorgesetzten, Erfolge zu teilen und nicht nur als eigene Leistung darzustellen.

Motivierte Mitarbeiter sind einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, die darüber entscheiden, wie sich das Unternehmen in der Zukunft entwickeln wird und ob es sich am Markt behauptet. Dabei ist es ganz entscheidend, Mitarbeiter dafür zu begeistern, die Herausforderungen, die sich aus der Digitalisierung und dem globalen Wettbewerb ergeben, nicht negativ zu beurteilen, sondern die Chancen zu erkennen.

Die Mitarbeiter zu motivieren, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die Führungskräfte erfüllen müssen

Die Mitarbeiter zu motivieren, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die Führungskräfte erfüllen müssen. (#03)

Kommunikationsstärke

Mitarbeiterführung ist unverzichtbar damit verbunden, Aufgaben und Erwartungen klar zu formulieren. Darüber hinaus ist ein gewisses Talent nötig, Menschen zu begeistern, indem man Visionen und Ziele nicht nur präzise, sondern vor allem auch lebendig kommuniziert. Führungsstärke bedeutet, sein Team zu inspirieren und auf diese Weise zu optimalen Leistungen zu bewegen und nicht indem man Instrumente wie Macht und Zwang einsetzt, welche unweigerlich Reaktanz auslösen.

Außerdem ist die Kommunikationsfähigkeit nötig, um unpopuläre Maßnahmen zu verkünden und dafür Verständnis zu erzeugen sowie das Unternehmen adäquat nach außen zu repräsentieren. Eine oftmals vernachlässigte Seite der Kommunikationsfähigkeit ist das Verständnis dafür, dass auch Zuhören Teil einer erfolgreichen Kommunikation ist. Ein offenes Ohr für die Wünsche und Anregungen der Mitarbeiter zu haben, gehört somit ebenfalls zu den wichtigsten Führungsqualitäten.

Fähigkeit zu Delegieren

Der Arbeitsalltag einer Führungskraft ist komplex, sodass die Fähigkeit, Aufgaben zu delegieren, darüber entscheidet, ob Zeit und Energie bleiben, das Unternehmen voranzutreiben, anstatt im Alltagsgeschäft festzustecken. Besitzt ein Vorgesetzter die Kompetenz zu delegieren, steigert dies die Motivation der Mitarbeiter und trägt außerdem dazu bei, den eigenen Stresslevel auf einem Niveau zu halten, das Kreativität und letztlich auch die langfristige Gesundheit sicherstellt.

Werden Fehler nicht toleriert, hat das fatale Auswirkungen auf die Motivation

Werden Fehler nicht toleriert, hat das fatale Auswirkungen auf die Motivation. (#02)

Toleranz gegenüber Fehlern

Damit die Angestellten ihr Potenzial optimal entfalten können, benötigen sie die Gewissheit, dass eine entsprechende Fehlerkultur im Unternehmen vorherrscht. Werden Fehler nicht toleriert, hat das fatale Auswirkungen auf die Motivation und die Bereitschaft, sich mit neuen Ideen einzubringen. Die Folge ist der gefürchtete Dienst nach Vorschrift. bei dem die Leistungsbereitschaft sinkt.

Fähigkeit Potenziale zu erkennen und Teams zusammenzustellen

Diese Fähigkeit setzt eine gute Menschenkenntnis voraus. Eine Führungspersönlichkeit braucht ein Gespür dafür, welche Mitarbeiter für bestimmte Aufgaben geeignet sind, welche Zusammensetzung der Teams am sinnvollsten ist und wo verborgene Potenziale darauf warten, entdeckt zu werden. Es ist nicht immer einfach, die individuellen Stärken und Schwächen zu erkennen und noch schwieriger, die Mitarbeiter zu einem gut funktionierenden Team zusammenzustellen.

Authentizität

Mitarbeiter haben ein gutes Gespür dafür, ob Führungskräfte authentisch und ehrlich sind. Ein vertrauensvolles Betriebsklima kann nur entstehen, wenn die Angestellten das Gefühl haben, dass die Führungskräfte verlässlich sind und auch in Krisen gelassen und berechenbar bleiben. Darüber hinaus gehört zu einem authentischen Verhalten die Fähigkeit zur Selbstkritik und das nachvollziehbare Anstreben von Werten wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Selbstbewusstsein und Humor

Führungsstärke zeigt sich besonders in Krisen. Eine selbstbewusste Führungskraft reagiert nicht panisch, sondern besonnen und nimmt gerade in schwierigen Zeiten ihre Führungsfunktion wahr. Dadurch gelingt es, den Mitarbeitern die nötige Stabilität zu vermitteln, die unerlässlich ist, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Außerdem ist Selbstbewusstsein nötig, um Entscheidungen zu treffen. Vertraut die Führungskraft auf ihre Kompetenz und Erfahrung überträgt sich die zuversichtliche Selbstsicherheit auf die Mitarbeiter, sodass Krisen besser überwunden werden.

Auch Humor ist besonders in stressigen Phasen von Vorteil, denn dadurch wird die Atmosphäre locker und es treten weniger Spannungen auf, die oftmals zur Verschlimmerung von Situationen beitragen und Lösungen behindern. Allgemein ist eine humorvolle Führungskraft besser in der Lage, eine kreative Atmosphäre zu generieren, in der die Mitarbeiter gerne arbeiten.

Positives Denken fördert die Zusammenarbeit

Positives Denken fördert die Zusammenarbeit. (#04)

Positive Grundeinstellung

Eine positive Grundeinstellung ist nicht nur in schwierigen Phasen vorteilhaft, sondern trägt allgemein zu einem produktiven Betriebsklima bei. Positives Denken fördert die Zusammenarbeit, Kreativität und eine Atmosphäre, die auf Wachstum und die Wahrnehmung von Chancen setzt.

Management-Tipps: Wie kann man Führungsqualitäten fördern?

Es gibt Führungsqualitäten, die man als Persönlichkeitsmerkmal mitbringt, aber durch Weiterbildung kann man Mitarbeiter auch gezielt zur Führungspersönlichkeit entwickeln. Dafür stehen verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildung in Form von Coachings oder Seminaren zur Verfügung, mit denen Führungsqualitäten gezielt gefördert werden. Besonders erfolgversprechend sind systemische Fortbildungen, die Personalberatungen oder Coaching-Akademien anbieten.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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