Büroerkrankungen: Die häufigsten Erkrankungen und deren Vorbeugung

Gern wird abfällig über die Büroarbeitskräfte geredet, die nicht richtig arbeiten würden, weil ihre Tätigkeit körperlich deutlich weniger anstrengend ist als die eines Handwerkers. Doch auch die geistige Arbeit strengt an, außerdem ist der Körper Höchstbelastungen ausgesetzt, wenn auch auf andere Art und Weise.

Büroerkrankungen: Krank vom Sitzen?

Eigentlich ist der menschliche Körper darauf ausgelegt, aktiv zu sein. Früher einmal wurde zeitig aufgestanden, danach ging es zur Arbeit auf das Feld oder in den Stall – oder noch früher zur Jagd und zum Sammeln von Beeren, Pilzen und Früchten. Heute steht der Mensch auf, frühstückt und bleibt die kommenden acht bis zehn Stunden im Büro. Eine kleine Mittagspause, zwischendurch ein Gang in die Büroküche – mehr Bewegung gibt es nicht.

Viele Berufstätige sind abends viel zu müde, um sich noch zum Sport aufraffen zu können. Die Folge: Der Körper leidet unter einer chronischen Unterforderung, die Muskeln und das Skelett werden nicht mehr beansprucht bzw. im schlimmsten Fall noch in Mitleidenschaft gezogen, weil die Sitzhaltung falsch ist. Dafür jedoch bekommt das Hirn keine Pause, auch die Augen leiden unter dem ständigen Schauen auf den – wenn auch unmerklich – flackernden Bildschirm. Was sich ein Handwerker körperlich anstrengt, fehlt einem Büroarbeiter, mit der Folge, dass der Körper früher oder später Alarm schlägt und mit Krankheiten reagiert. Dabei können diese unter Einhaltung der Richtlinien zur Ausstattung eines Arbeitsplatzes im Büro verhindert oder zumindest das Risiko dafür reduziert werden.

Eigentlich ist der menschliche Körper darauf ausgelegt, aktiv zu sein. (#01)

Eigentlich ist der menschliche Körper darauf ausgelegt, aktiv zu sein. (#01)

Bildschirmarbeit: Was beugt Büroerkrankungen vor?

Es ist eine Tatsache: Die häufigsten Büroerkrankungen kommen von einem nicht angepassten Bildschirm, von einem nicht ergonomischen Stuhl oder Schreibtisch sowie von viel zu wenig Bewegung. Zumindest ein Teil dieser Probleme kann aber mit den geeigneten Maßnahmen verhindert werden! Folgende Tipps helfen, Büroerkrankungen zu vermeiden:

  1. Bildschirm einstellen
    Viele Menschen, die am PC arbeiten, haben den Bildschirm viel zu hell eingestellt. Die gängige Meinung: Je heller es ist, desto leichter haben es die Augen. Das stimmt allerdings nicht, denn die Helligkeit des Bildschirms muss immer in Verbindung mit der Umgebungshelligkeit betrachtet werden. Gerade in der Dämmerung oder nachts ist der Kontrast zwischen Bildschirm und Umgebung sehr stark, was die Augen schnell überanstrengt. Regeln Sie die Helligkeit daher in einem Maße, dass es gerade zum Arbeiten reicht. Ein Tipp: „f.lux“ ist ein Tool, mit dessen Hilfe sich die Bildschirmhelligkeit automatisch an die Tageszeit anpassen kann.
  2. Schriftarten beachten
    Word bietet eine Unmenge an verschiedenen Schriftarten und viele Menschen arbeiten mit einer verschnörkelten Schrift, weil sie diese schön finden. Die Augen finden das aber nicht – wählen Sie besser gerade und klare Schriftarten in Word. Hier muss sich das Auge nicht auf die oft verschwommenen Kanten konzentrieren, alles ist klarer und deutlicher. Hilfreich kann es auch sein, die Hintergrundfarbe anzupassen. Blau mit weißer Schrift ist für das Auge angenehm und strengt es deutlich weniger an als das übliche Weiß mit schwarzer Schrift.
  3. Licht anschalten
    Auch wenn der Monitor hell ist – eine zusätzliche Lichtquelle ist unverzichtbar. Wenn möglich, sollten Sie auf Tageslicht setzen. Ist dieses nicht in ausreichendem Maße vorhanden, benötigen Sie Kunstlicht, das flimmerfrei und nicht zu grell sein muss. Außerdem soll künstliches Licht so platziert werden, dass es nicht blenden kann und auch nicht als Lichtquelle auf dem Bildschirm sichtbar wird. Wichtig: Der Bildschirm muss sauber und frei von Flecken sein, ansonsten wird die Blendwirkung erhöht.
  4. Richtig sitzen
    Beide Füße sollen in rechtem Winkel auf dem Boden stehen, Sie selbst müssen aufrecht sitzen können. Die Arme fallen locker herab und bilden in den Ellenbogen einen rechten Winkel. Sitzen Sie so hoch, dass Sie leicht von oben auf den Bildschirm schauen können. Wichtig: Stehen Sie zwischendurch immer wieder auf, strecken Sie sich und dehnen Sie die verkrampfte Muskulatur. Verfügen Sie über einen Bürostuhl mit Lehne, platzieren Sie beim Sitzen Ihr Hinterteil direkt an der Lehne. Bei einem ergonomischen Bürohocker können Sie dessen Funktionen nutzen und bewegen sich seitlich, vor – zurück und schwingen ein wenig. Bringen Sie damit etwas Bewegung in den Alltag! Hilfreich ist hier auch ein Sitzball, der zu kreisenden Bewegungen anregt.
Die häufigsten Büroerkrankungen kommen von einem nicht angepassten Bildschirm, von einem nicht ergonomischen Stuhl oder Schreibtisch sowie von viel zu wenig Bewegung. (#02)

Die häufigsten Büroerkrankungen kommen von einem nicht angepassten Bildschirm, von einem nicht ergonomischen Stuhl oder Schreibtisch sowie von viel zu wenig Bewegung. (#02)

Überblick über die häufigsten Büroerkrankungen

Büroerkrankungen sind zahlreich und können den gesamten Körper betreffen. Vor allem die Augen leiden unter der dauerhaften Beanspruchung, doch auch die Muskeln werden einseitig benutzt. Während die Muskulatur des Rückens gedehnt wird, weil die Arme ständig nach vorn auf den Tisch reichen, verkürzt sich die Brustmuskulatur. Der folgende Überblick zeigt, welche typischen Bürokrankheiten vorkommen können:

Büroerkrankung Symptome Prophylaxe
Repetitive Strain Injury Syndrom Die Erkrankung zeigt sich mit Schmerzen am Bewegungsapparat, vor allem Gelenke, Muskeln und Sehnen des Arms sind betroffen (sog. Mausarm). Auch Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich sind üblich. Da der Grund in der Bewegungsmonotonie liegt, müssen mehr Bewegung und Abwechslung in den Büroalltag eingebracht werden. Hilfe bringt außerdem eine ergonomische Maus, die ergonomisch geformte Tastatur kann ebenfalls sinnvoll sein.
Karpaltunnelsyndrom Der Nerv des Mittelarms ist betroffen, was sich mit einem Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Fingern zeigt. Teilweise ist die ganze Hand betroffen. Vielschreiber brauchen alternative Eingabemöglichkeiten (Spracherkennung etc.)
Dauernde Müdigkeit und Gereiztheit Die Durchblutung des Kopfes ist durch die ungünstig gewinkelte Haltung des Sitzenden eingeschränkt, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche zeigen sich. Planen Sie regelmäßige Pausen ein, die Sie mit Bewegung an frischer Luft verbringen – die Raucherpause vor der Tür zählt hier nicht! Auch mehr Sport in der Freizeit hilft, den Bürotag besser zu überstehen.
Atemwegserkrankungen Ein schlechtes Raumklima und zu trockene Luft lässt die Schleimhäute austrocknen, Viren und andere Krankheitserreger breiten sich rascher aus. Schnupfen, Halsschmerzen und Husten sowie grippale Infekte sind die Folge. Dauerhaftes Arbeiten unter Einsatz der Klimaanlage kann Asthma begünstigen. Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit müssen angepasst werden, häufiges Lüften und der Einsatz von Raumbefeuchtern kann Abhilfe schaffen. Sport und Bewegung an der frischen Luft stärken das Immunsystem.
Kopfschmerzen Pochende oder stechende Schmerzen bis hin zu Migräneanfällen sind möglich. Schlechte Luft, ein trockenes Raumklima oder auch psychische Ursachen können die Folge sein. Die Gründe für Kopfschmerzen müssen gefunden und gezielt aus dem Weg geräumt werden.
Reizungen der Augen Die Augen werden dauerhaft überanstrengt, wenn hauptsächlich Bildschirmarbeit ansteht. Die Schleimhäute trocknen aus, was ein Trockenheitsgefühl, Juckreiz und Brennen zur Folge haben kann. Auch Bindehautentzündungen sind möglich. Ein gutes Raumklima mit genügend hoher Luftfeuchtigkeit muss geschaffen werden. Lüften Sie häufiger und achten Sie auf ein ausreichendes Blinzeln. Stellen Sie die Kontraste am Bildschirm nicht zu hoch ein und gönnen Sie den Augen regelmäßige Pausen. Blicken Sie vom Bildschirm in die Ferne und wenden Sie Augen-Yoga an.
Rückenschmerzen und Skelettprobleme Die monotone Arbeitshaltung sorgt für Probleme mit dem Rücken. Die Bandscheiben schmerzen, die Muskulatur ist verspannt. Rückenschmerzen können auch Kopfschmerzen auslösen und gehören zu den häufigsten Ursachen einer Krankschreibung von Angestellten. Wechselnde Arbeitshaltungen und die Anwendung der Richtlinien zum ergonomischen Sitzen sind die wichtigsten Vorbeugungsmaßnahmen. Bewegen Sie sich zwischendurch, treiben Sie in der Freizeit Sport. Vor allem Schwimmen und Radfahren sind ein guter Ausgleich für alle Büroarbeiter.
Rhizarthrose Das Daumensattelgelenk ist durch dauerhafte Entzündungen erkrankt, die wiederum aus der Bedienung von Tastatur und Maus rühren. Das Gelenk kann steif werden. Die Schmerzen beginnen im Ballen des Daumens und wandern bis zur Handwurzel. Teilweise geht die Griffkraft verloren. Fingergymnastik und spezielle Übungen für die Gelenke sollten vorbeugend angewendet werden. Außerdem helfen ergonomische Tastatur und Maus bei der Prophylaxe.
Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems Bewegungsmangel und Stress führen häufig zu Bluthochdruck und Problemen mit dem Herz-Kreislauf-System. Schwindel und Ohnmachtsanfälle, Herzrasen, Kopfschmerzen, Leistungsabfall und Konzentrationsschwäche können die Folge sein. Bringen Sie mehr Bewegung in den Büroalltag sowie in die Freizeit und lernen Sie, bewusst abzuschalten. Lassen Sie Stress im Büro, wenden Sie Yoga und andere Entspannungstechniken an, um Körper und Geist eine Pause zu gönnen.
Psychische Erkrankungen Depressionen, Reizbarkeit, Wutanfälle, Probleme mit der Verdauung, Burn-out – psychische Erkrankungen zeigen sich auf verschiedene Art und müssen individuell behandelt werden. Wichtig ist es, die Ursache zu finden und nicht nur, die Symptome zu bekämpfen. Nicht alles ist mit mehr Bewegung getan, auch wenn diese hilft, Stress abzubauen. Überdenken Sie immer wieder Ihre berufliche Situation und nehmen Sie ggf. Anpassungen der Arbeitszeit oder sogar der Arbeitsstelle vor.

Video: Schmerzfrei am PC – 3 Tipps für GESUNDES ARBEITEN am PC


Büroerkrankungen zeigen sich sehr vielschichtig und oft werden organische Probleme hinter den Beschwerden vermutet. Eine genaue Untersuchung zeigt dann jedoch meist, dass die Organe völlig gesund arbeiten und dass sich lediglich Stress und Bewegungsmangel derartig ausdrücken. Häufig sind es psychische Probleme durch zu viel Druck oder Mobbing am Arbeitsplatz, die für körperliche Beschwerden sorgen. Auch hier gilt es, diese gezielt anzugehen.

Das Phänomen, dass sich körperliche „echte“ Erkrankungen aus einer Depression entwickeln können, ist leider bewiesen. So kann ein Herz tatsächlich erkranken (vor allem die Herzkranzgefäße), wenn jemand dauerhaft einem zu hohen Arbeitspensum ausgesetzt ist. Regelmäßige Auszeiten sind daher wichtig, um dem Körper immer wieder genügend Zeit zur Erholung zu geben und schweren Erkrankungen vorzubeugen. Dabei darf das gute Betriebsklima nicht unterschätzt werden – wer sich wohlfühlt, bleibt länger gesund!


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: Samo Trebizan, #01: panco, #02: Jeanette Dietl

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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