Auch bei ungeplanten Störungen darf die Einbindung einer Fremdfirma nicht ohne strukturierte Sicherheitsprüfung erfolgen. VdL und BG RCI empfehlen, aktuelle Gefährdungen unmittelbar vor Ort zu bewerten und geeignete Maßnahmen verbindlich festzulegen. Eine kurzfristige Risikoprüfung unterstützt Verantwortliche bei zeitkritischen Einsätzen. Der Auftraggeber informiert über betriebliche Besonderheiten, während die Beteiligten Arbeitsbereiche und Abläufe abstimmen. Freigaben sowie Lockout Tagout ergänzen diese Planung, indem sie gefährliche Tätigkeiten kontrollieren und Energien vor Arbeitsbeginn sicher beherrschen.
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Gefahrstoffe und Energiequellen erfordern konsequent sichere Abstimmung aller Beteiligten
Fremdfirmen führen an industriellen Anlagen häufig Arbeiten aus, die tief in bestehende Produktions- und Sicherheitsabläufe eingreifen. Gerade in der Lack- und Druckfarbenherstellung treffen sie auf Gefahrstoffe, automatisierte Maschinen, Drucksysteme und potenziell explosionsgefährdete Bereiche. Ohne abgestimmte Planung können Überschneidungen mit dem Betriebspersonal zu Fehlhandlungen führen. Der Auftraggeber und der verantwortliche Vertreter der Fremdfirma müssen deshalb Gefährdungen gemeinsam ermitteln, Arbeitsorte sichern, Informationen austauschen und die Verantwortung für Schutzmaßnahmen eindeutig regeln und dokumentieren.
Koordinierende Person bündelt Abläufe, Verantwortlichkeiten und Schutzmaßnahmen aller Beteiligten
Eine wirksame Zusammenarbeit mit Fremdfirmen beginnt mit einer präzisen Unterrichtung durch den auftraggebenden Betrieb. Dieser erklärt die Bedingungen am Standort, weist auf besondere Betriebsgefahren hin und beschreibt Alarmwege, Rettungsmittel sowie Verhaltensregeln für definierte Arbeitsbereiche. Die DGUV Information 215-830 unterstützt bei der Gestaltung dieser Prozesse. Ein Koordinator führt die beteiligten Unternehmen zusammen, stimmt Arbeitsabläufe ab, löst Schnittstellenfragen und achtet auf die eindeutige Zuweisung aller sicherheitsrelevanten Aufgaben vor Beginn der jeweiligen Tätigkeit.
Ungeplante Reparaturen erfordern wirksame Risikoprüfung und festgelegte Schutzmaßnahmen
Bei ungeplanten Arbeiten reicht eine allgemeine Gefährdungsbeurteilung häufig nicht aus, weil sich die Bedingungen am Einsatzort kurzfristig verändert haben können. Deshalb bewertet der Verantwortliche vor Beginn der Störungsbeseitigung die aktuelle Lage erneut. Das LMRA erfasst insbesondere den Zustand der Anlage, angrenzende Tätigkeiten, vorhandene Energien und mögliche Gefährdungen durch Stoffe oder Umgebungseinflüsse. Daraus leitet er wirksame Schutzmaßnahmen ab. Die dokumentierte Kurzprüfung verbessert die Entscheidungsgrundlage und gewährleistet, dass dringende Arbeiten sicher starten.
Elektrische Arbeiten dürfen nur nach eindeutiger Freigabe begonnen werden
Erlaubnispflichtige Tätigkeiten erfordern eine dokumentierte Prüfung, bevor sie im Betrieb aufgenommen werden. Der Freigabeschein stellt hierfür die maßgebliche Dokumentation bereit. Er enthält Angaben zur Art der Arbeit, zum Arbeitsort, zum vorgesehenen Zeitraum, zu den eingesetzten Mitarbeitern und zu den Schutzmaßnahmen. Damit lassen sich Gefährdungen gezielt beherrschen und Schnittstellen zwischen Beteiligten transparent koordinieren. Der Schein ist insbesondere bei Heißarbeiten, elektrischen Tätigkeiten, Behälterarbeiten, Arbeiten in engen Räumen, Absturzgefahren und Gefahrstoffarbeiten grundsätzlich erforderlich.
Ein erstellter Freigabeschein verbindet organisatorische und Sicherheitsmaßnahmen in einem nachvollziehbaren Ablauf. Er legt fest, welche Bereiche gesichert, welche Lüftung eingerichtet und welche persönliche Schutzausrüstung getragen werden muss. Zusätzlich wird geprüft, ob die Anlage abgeschaltet, drucklos, entleert oder anderweitig in einen sicheren Zustand versetzt wurde. Erst die Freigabe berechtigt zur Arbeitsaufnahme. Der Verantwortliche unterweist alle ausführenden Mitarbeiter vor Ort. Nach Beendigung bestätigen diese den Abschluss und melden Abweichungen, damit Folgemaßnahmen veranlasst werden.
Kennzeichnung dokumentiert Sperrgrund und verantwortlichen Mitarbeiter bei LOTO-Maßnahmen eindeutig
Lockout/Tagout ist eine Schutzmaßnahme für Arbeiten an Maschinen, Rohrleitungen und technischen Einrichtungen. Ziel ist die zuverlässige Kontrolle aller Energien, die Personen während der Instandsetzung gefährden könnten. Der Mitarbeiter schaltet Energiequellen ab, trennt sie von der Anlage und sichert die Trennstellen durch individuelle Verriegelungen. Zusätzliche Kennzeichnungen weisen auf die laufenden Arbeiten hin und ordnen die Sperrung einem Verantwortlichen zu. Vor Beginn muss geprüft werden, ob keine gefährliche Restenergie mehr vorhanden ist.
Das Verfahren schützt Beschäftigte von Fremdfirmen davor, dass Maschinen während der Instandsetzung unerwartet anlaufen oder gespeicherte Energie freisetzen. Vor Beginn der Tätigkeit werden relevanten Versorgungen, beispielsweise Strom, Druckluft, Hydraulik und Dampf, isoliert. Jede Isolierung wird verriegelt und markiert. Danach wird geprüft, ob die Anlage spannungs-, druck- und bewegungsfrei ist. Die Arbeitsfreigabe darf erst nach Nachweis erteilt werden. Das Kurz& Bündig-Merkblatt KB035 der BG RCI erläutert die Anwendung des Lockout/Tagout-Verfahrens.
Digitaler Download erleichtert Sicherheitsunterweisungen in Lack und Druckfarbenbetrieben deutlich
Mitgliedsunternehmen können den VdL Informationsordner als Baustein für eine wirksame Präventionsarbeit einsetzen. Die Publikation vermittelt Grundlagen für sicheres Verhalten in Produktionsbereichen der Lack und Druckfarbenindustrie. Sie ist auf der VdL Mitgliederplattform elektronisch verfügbar und wird auf Anfrage auch kostenlos durch die Geschäftsstelle bereitgestellt. Der Ordner unterstützt Verantwortliche dabei, Mitarbeiter über betriebliche Risiken und erforderliche Schutzmaßnahmen zu informieren. So werden Sicherheitsregeln nicht nur vermittelt, sondern durch Anwendung im Arbeitsalltag verlässlich verankert.
Wirksame Fremdfirmenkoordination verbindet Arbeitsschutz mit einer planbaren Instandhaltungsorganisation. Sie beginnt mit der Auswahl geeigneter Auftragnehmer und setzt sich durch Einweisung, Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsfreigabe fort. Der Betrieb beschreibt anlagenspezifische Risiken und legt fest, welche Schutzmaßnahmen vor Ort gelten. Besonders bei Heißarbeiten, Arbeiten in engen Räumen oder elektrischen Eingriffen sind eindeutige Genehmigungen notwendig. LOTO verhindert, dass gespeicherte oder zugeführte Energie Mitarbeiter gefährdet. Einheitliche Abläufe reduzieren Verzögerungen, verbessern die Nachvollziehbarkeit und sichern den Betrieb.

