Rekrutierung unter 18: Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Bundeswehr hat Personalsorgen und wirbt deshalb auch Minderjährige an. Die Rekrutierung unter 18 Jahren ist ein Erfolgsmodell und beschert dem Militär viele neue Soldaten. Wie aber sind die Auswirkungen auf den regulären Arbeitsmarkt?

Rekrutierung unter 18: Ein neuer Höchststand minderjähriger Soldaten

Fast jeder zehnte neue Soldat ist erst 17 Jahre alt. So die aktuellen von der Tageszeitung WELT veröffentlichten Zahlen. 2017 lag deren Zahl bereits bei 2126. Tendenz steigend. Die Truppe wird also immer jünger und die Einberufung junger Männer und Frauen nach einer Musterung gehört inzwischen zum Alltag.

Positive oder negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt?

Die wichtige Frage lautet: Was sind in Zeiten des Fachkräftemangels die Konsequenzen für unsere Wirtschaft?

Antwort: Es gibt gute Gründe für und gegen den Einsatz minderjähriger Menschen beim Militär.

Die Wirtschaft benötigt natürlich stets frischen und gut ausgebildeten Nachwuchs. Insbesondere weil in Zukunft aufgrund niedriger Geburtenraten immer weniger Bewerber zur Verfügung stehen. Wenn sich junge Männer und Frauen für eine Karriere beim Bund entscheiden, könnte sich der Fachkräftemangel verschärfen.

Eine Lösung ist in einer engeren Kooperation von Militär und Wirtschaft zu sehen. Hinsichtlich einer sinnvollen Qualifizierung in der Truppe nach der Meldung und Einberufung bei der Bundeswehr. Und für den Fall, dass der Dienst bei der Truppe endet. Es gibt aber generelle Vorteile, auch 17-jährige nach einer Truppenaushebung einzuberufen.

Rekrutierung unter 18: PRO-Argumente für minderjährige Soldaten

Die Bundeswehr ist ein guter Job-Motor in strukturschwachen Regionen. Auch deshalb sollte man nicht darauf verzichten, auch Minderjährige gezielt für einen Dienst beim Militär anzusprechen und nach der Musterung zu beschäftigen. Jedenfalls, solange der Gesundheits-Check-Up positiv ausfällt und der Bewerber geeignet ist.

Gerade in Gegenden mit höherer Arbeitslosigkeit wie Vorpommern oder der Westpfalz kann ein umfassendes Recruiting auch Minderjähriger positive Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und deren Arbeitsmarkt erzielen. Direkt und als Folge der Militär-Präsenz. Denn zunächst einmal erhalten die Soldaten ihren Sold, den sie ausgeben können.

Arbeitsplätze beim Bund schaffen damit auch immer Jobs im Arbeitsmarkt der jeweiligen Region. Denn jeder Bewohner, ob unter 18 Jahren oder darüber, ist eben auch Konsument und fördert die Wirtschaftsleistung. Beim Einkaufen von Gütern des täglichen Bedarfs oder bei Freizeitaktivitäten aller Art.

Kein Abitur? Drohende Arbeitslosigkeit junger Menschen verhindern

Die Rekrutierung unter 18 kann je nach Region auch helfen, Arbeitslosigkeit zu verhindern. (#1)

Die Rekrutierung unter 18 kann je nach Region auch helfen, Arbeitslosigkeit zu verhindern. (#1)

Eine Rekrutierung unter 18 bietet zudem jungen Frauen und Männern, die vielleicht keinen höheren Schulabschluss haben, gute Perspektiven nach ihrem Realschulabschluss. Vor allem in den erwähnten Gebieten, in denen es wenig gute Jobs gibt. Es reicht aber natürlich nicht, eben einen Gesundheits-Check-Up durchführen zu lassen und dann nach der freiwilligen Einberufung – Zwangsrekrutierung gibt es ja nicht mehr – die Zeit bei der Bundeswehr abzusitzen.

Lebenslanges Lernen ist immer gefragt. Auch beim Militär. Auch für Leute ohne Abitur. Aber in der wichtigen Phase der Berufsfindung kann eine Meldung bei der Truppe die nötige Orientierung vermitteln. Ob dann später das komplette Berufsleben bei der Bundeswehr stattfindet, ist gar nicht unbedingt entscheidend.

Als 17-jähriger zum Bund? In diesen Fällen eine sinnvolle Entscheidung

  • wenn man über eine reife verantwortungsbewusste Persönlichkeit verfügt
  • wenn man physisch und psychisch normal veranlagt ist
  • wenn man auch Perspektiven für ein normales Ausbildungsverhältnis besitzt
  • wenn man also auch als Fachkraft in der freien Wirtschaft Karriere machen kann
  • wenn man wirklich den Willen mitbringt, auch bei der Bundeswehr weiterzukommen

Rekrutierung unter 18: Disziplin lernen, um in der freien Wirtschaft zu bestehen

Eine Ausbildung bei der Bundeswehr sollte jungen Menschen auch die notwendige Disziplin und Ordnung vermitteln, die für ein erfolgreiches Berufsleben unverzichtbar sind. Davon kann gerade die freie Wirtschaft nur profitieren.

Pünktlich aufstehen zur gleichen Zeit, ein geregelter Tagesablauf und das korrekte Umgehen mit Vorgesetzten: Da kann und sollte die Bundeswehr Werte vermitteln, die „normale“ Ausbildungsbetriebe oft vermissen lassen.

Ein Königsweg kann in einer guten Ausbildung bei der Truppe liegen: Wenn die Rekrutierung unter 18 Jahren dazu führt, dass die jungen Männer und Frauen bei der Bundeswehr fachlich gut ausgebildet werden, profitieren in letzter Konsequenz beide Seiten.

Die Bundeswehr bekommt qualifiziertes Personal, das weiterkommen will im Leben. Und die Wirt-schaft erhält gute Facharbeiter, wenn sich zum Beispiel Soldaten nach ein paar Jahren Dienst an der Truppe für ein Leben ohne Uniform entscheiden. Im Idealfall eine Win-Win-Situation.

Rekrutierung unter 18 hat weitere Aspekte.  Neben der Möglichkeit der Ausbildung trägt der Dienst auch zur Formung der eigenen Persönlichkeit bei. Das Erlernen von Disziplin bedeutet nicht nur die Unterordnung in der Gruppe. Es gehört auch zum Handwerkszeug für eine erfolgreiche Lebensführung. (#2)

Rekrutierung unter 18 hat weitere Aspekte. Neben der Möglichkeit der Ausbildung trägt der Dienst auch zur Formung der eigenen Persönlichkeit bei. Das Erlernen von Disziplin bedeutet nicht nur die Unterordnung in der Gruppe. Es gehört auch zum Handwerkszeug für eine erfolgreiche Lebensführung. (#2)

Politischer Aspekt: Die Bundeswehr als NATO-Partner ist auf Soldaten angewiesen

Wer als Politiker die NATO-Mitgliedschaft im westlichen Verteidigungsbündnis ernst nimmt, sollte die Bundeswehr als Arbeitgeber so attraktiv wie möglich machen. Denn eine ausreichende Truppenstärke ist absolut notwendig, um im Ernstfall das Land zu verteidigen.

Deshalb sollten alle Möglichkeiten überprüft werden, auch Soldaten für die Rekrutierung unter 18 Jahren für einen Dienst beim Militär zu gewinnen. Hierzu genutzt werden immer stärker auch digitale Kanäle wie soziale Netzwerke. Man holt die jungen Leute also dort ab, wo sie häufig ihre Zeit verbringen.

Um fürs Recruiting im Rahmen einer Truppenaushebung neue Männer und Frauen anzuwerben, sollte nichts dagegen sprechen, auch junge Menschen unter 18 zu kontaktieren. Je nach politischem Standpunkt bewerten Volksvertreter dies freilich unterschiedlich.

Die Kontra-Argumente zur Rekrutierung unter 18 Jahren kommen vorwiegend aus dem politisch linken Lager. Vordegründig auf das Wohl der unter-18-jährigen ausgerichtet, zielen sie doch mehr auf eine Schwächung der Verteidigungsbereitschaft Deutschlands. (#3)

Die Kontra-Argumente zur Rekrutierung unter 18 Jahren kommen vorwiegend aus dem politisch linken Lager. Vordegründig auf das Wohl der unter-18-jährigen ausgerichtet, zielen sie doch mehr auf eine Schwächung der Verteidigungsbereitschaft Deutschlands. (#3)

Rekrutierung unter 18: CONTRA-Argumente gegen minderjährige Soldaten

Was spricht gegen eine Rekrutierung unter 18 Jahren? Ein gutes Argument dagegen ist, junge Leute in der wichtigsten Altersphase schon aus dem regulären Ausbildungsrhythmus herauszunehmen. Viele beginnen eben mit 16 oder 17 Jahren ihre Ausbildung und haben die Möglichkeit, sich in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln. Bis zum Meister oder einer sonstigen gehobenen Position.

Wer jetzt zur Bundeswehr geht, unterbricht diesen Rhythmus. Das kann schlecht für die persönliche Entwicklung sein, aber auch negative Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt haben. Weil die jungen Leute nicht als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und weil sie beim Militär oft nicht die adäquate Ausbildung erhalten, um später im Berufsleben einen guten Job zu bekommen.

Hohe Abbrecherquoten als Problem

Denn gerade bei der Rekrutierung unter 18 Jahren beobachtet man eine hohe Abbrecherquote. Jeder Zehnte widerruft nach neuesten Zahlen der Bundeswehr schon innerhalb der ersten sechs Monate seine Verpflichtungserklärung. Die Folge: Junge Leute beenden ihre Zeit bei der Bundes-wehr ohne relevante Abschlüsse oder Weiterbildungen.

Oft geraten diese Menschen in einen Teufelskreis. Ein Abbruch ist schlecht fürs Selbstbewusst-sein und damit auch negativ für einen Start in die freie Wirtschaft. Zumal diese jungen Leute in der Regel ohnehin nicht zu den besten Schülern ihres Jahrgangs zählen. Auf dem Arbeitsmarkt haben diese es dann doppelt schwer.

Forderung: Rekrutierung unter 18 Jahren stoppen

Auch deshalb sprechen sich Politiker vornehmlich aus dem linken Spektrum für einen Stopp bei der Truppenaushebung für so junge Menschen aus. Der Bundeswehr wird vorgeworfen, mit den 17-jährigen schlicht überfordert zu sein. Und so fordern diese ein Ende der Anwerbungspraxis.

Politische Gründe hinsichtlich einer befürchteten Militarisierung spielen eine weitere Rolle. So unterzeichnete Deutschland im Jahre 2004 ein sogenanntes Fakultativprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention, welches besagt, das fürs Militär eigentlich ein Mindestalter von 18 Jahren zu beachten sei. Die Bundeswehr nutzt hier allerdings wie andere Vertragsstaaten eine Ausnahmeregelung, wonach 17-jährige auf freiwilliger Basis ausgebildet werden dürfen.

Erst Ausbildung beenden und dann über Einberufung entscheiden

Das Verfahren soll nach Ansicht der linken Opposition gestoppt werden und die jungen Leute sollen in dieser wichtigen Altersphase Zeit bekommen, sich über ihre berufliche Zukunft Gedanken zu machen. Für die Wirtschaft bedeutet das, potentiell mehr zukünftige Mitarbeiter zu bekommen und diese im Idealfall zu wertvollen Arbeitskräften zu formen. Zukünftige Mitarbeiter, die das Unternehmen voranbringen, gute Steuerzahler werden und zumindest ihre Ausbildung in der üblichen Zeit erfolgreich abschließen können.

Dann können sie immer noch entscheiden, ob nach einem positiven Gesundheits-Check-Up die Einberufung und Meldung zur Truppe die beste Lösung für ihr weiteres Berufsleben ist. Der Vorteil für die Firmen und Betriebe wäre in jedem Fall eine bessere Planung und Besetzung von Ausbildungsplätzen. Und damit die Chance, mehr Aufträge anzunehmen, am Markt erfolgreich zu bleiben und ins-gesamt den Fachkräftemangel besser zu bekämpfen.

Fazit: Schon mit 17 Jahren bei der Bundeswehr zu sein, ist eine Herausforderung, die manche gut verkraften. Andere eher nicht. Bei einem Scheitern dürfen Auswirkungen auf die Psyche der jun-gen Rekruten nicht unterschätzt werden. Ob zum Beispiel Abbrecher uneingeschränkt für den Arbeitsmarkt geeignet sind, darf zu Recht bezweifelt werden.

Eine Lösung beim Problem der Rekrutierung unter 18 Jahren kann sein, dass auch die Bundes-wehr Möglichkeiten zur Qualifizierung und Weiterbildung schafft. Die gute Ausbildung bei der Truppe sollte dann auch nach dem Militärdienst Perspektiven für ehemalige Soldaten bieten. Ist dies nicht möglich, kann eine Rekrutierung in so jungem Alter dazu führen, dass in der wichtigsten Ausbildungsphase Heranwachsende wertvolle Jahre verschenken und sich damit auch eigene Zukunftsaussichten verbauen. Das generelle Ziel sollte sein: Sich Wissen aneignen, das auch später noch erfolgreich eingesetzt werden kann. Das ist wirklich Gold wert. Egal ob man sich für eine Karriere bei der Bundeswehr entscheidet oder ein paar Jahre später in die freie Wirtschaft wechselt. Diesen Grundsatz im Leben sollten alle jungen Leute in ihrer Ausbildungsphase beherzigen.


Bildnachweis: © Shutterstock – Titelbild Sergey Kohl, #1 NavinTar, #2 Jesus Fernandez, #3 Sementsova Lesia

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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