Immer mehr Arbeitgeber setzen auf Weiterbildung

Das Statistische Bundesamt hat festgestellt, dass drei von vier Unternehmen auf die Weiterbildung der Mitarbeiter setzen. Vor allem geht es dabei um externe Lehrgänge und die Rotation innerhalb des eigenen Unternehmens.

Weiterbildung nimmt zu

Der Anteil der weiterbildenden Unternehmen liegt derzeit bei rund 75 Prozent, wobei die hauptsächlichen Weiterbildungsarten in der Jobrotation liegen sowie in der Weiterbildung durch externe Lehrgänge. Auch die Methoden des E-Learnings wissen zu überzeugen und so nutzen rund zwei Drittel aller Firmen die drei genannten Weiterbildungswege.

Allerdings lässt sich ein Unterschied feststellen, wenn die Größe des Unternehmens mit einbezogen wird. Große Firmen, also solche, die mindestens 1000 Mitarbeiter beschäftigen, setzen zu 94 Prozent auf Weiterbildung. Kleine Unternehmen mit zehn bis 19 Mitarbeitern hingegen sind nur zu 56 Prozent bei den weiterbildenden Firmen vertreten. Sicherlich liegt es zum einen daran, dass in kleinen Unternehmen der Ausfall eines Mitarbeiters, der zur Weiterbildung geschickt wird, extreme Auswirkungen auf das Tagesgeschäft hat.

Hier denken die Firmen zu kurz und sehen den Nutzen des neu erworbenen Fachwissens nicht in ausreichendem Maße. Doch nicht nur das Tagesgeschäft spielt eine Rolle, denn auch die Lohnausfallkosten müssen als negative Auswirkung genannt werden. Diese kommen auf gut die Hälfte der Personalausfallkosten für die Teilnahme an der Weiterbildung.

Video: Berufliche Weiterbildung – Rechte und Pflichten von Mitarbeitern

Gute Chancen im Bereich SAP

Nun stellt sich die Frage, in welchem Bereich eine Weiterbildung denn besonders gewinnbringend ist. Denn nicht jeder Fachbereich ist für jeden Mitarbeiter gut geeignet, weil er nicht die nötigen Vorkenntnisse mitbringt oder auch bei seiner künftigen Tätigkeit nichts mit dem jeweiligen Fachbereich zu tun haben wird. Ohne Einschränkungen zu empfehlen ist eine Weiterbildung im Bereich SAP, denn SAP-Anwender sind heute gefragter denn je. Mit der entsprechenden Qualifizierung erwerben sich die Teilnehmer nicht nur Fachkenntnisse, sondern haben die Chance, die Karriereleiter hochzuklettern.

Weiterbildungen im SAP-Bereich sind sogar für Neulinge und Quereinsteiger sinnvoll, die sich damit Chancen in einem lukrativen Jobangebot sichern. Dabei sind die Offerten vielfältig und so warten Personalwesen und Finanzberufe, Logistik und Controlling gleichermaßen auf gut ausgebildete SAPler. Der Grund: SAP hat sich zum Branchenprimus entwickelt und ist aus dem ERP-Segment nicht mehr wegzudenken.

Leider stehen in den Unternehmen derzeit noch zu wenige kompetente Mitarbeiter bereit, die sich mit dem Thema Ressourcenplanung auskennen und SAP sicher anwenden können. Effiziente Daten werden gebraucht, doch niemand kann sie bereitstellen. Ein gefundenes Fressen für alle diejenigen, die sich zu einer Weiterbildung im SAP-Bereich entschließen und auf gut bezahlte Jobs mit Zukunftsaussichten hoffen.

Neun von zehn Unternehmen finden Fernlehrgänge als Möglichkeit zur Weiterbildung der Mitarbeiter toll. (#01)

Neun von zehn Unternehmen finden Fernlehrgänge als Möglichkeit zur Weiterbildung der Mitarbeiter toll. (#01)

Fernlehrgänge sind gefragt

Neun von zehn Unternehmen finden Fernlehrgänge als Möglichkeit zur Weiterbildung der Mitarbeiter toll. Damit ließe sich das Know-how der Fachkräfte sichern und die Stellen im Unternehmen könnten langfristig mit gut ausgebildeten Angestellten besetzt werden, die sich zum einen mit den Firmeninterna auskennen, zum anderen nebenbei neue Kenntnisse erwerben. Und hier liegt auch der größte Vorteil der Fernlehrgänge für ein Unternehmen: Die Weiterbildung passiert neben der Arbeit! Somit entstehen keine Personalausfallzeiten oder Lohnkosten, für die es keine Gegenleistung durch erbrachte Arbeit gibt.

Vom neuen Fachwissen profitiert das Unternehmen dennoch und hat damit praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Rund 68 Prozent der Unternehmen, die im Rahmen einer Forsa-Umfrage diesbezüglich befragt wurden, sehen den Vorteil der Fernlehrgänge vor allem darin, dass die Präsenzzeiten während der Weiterbildung sehr begrenzt sind. Außerdem lassen sich die Kenntnisse direkt im Job anwenden, zumindest dann, wenn die momentan durch den Mitarbeiter besetzte Stelle zum Thema der Fortbildung passt.

Weiterbildung als Plus für das Unternehmen

Jedes Unternehmen profitiert davon, wenn seine Mitarbeiter gut ausgebildet sind und alle Winkelzüge ihres Jobs kennen. Darüber hinaus bleibt die Firma vom Fachkräftemangel verschont, denn es zieht sich die Fachkräfte einfach selbst heran.

Unternehmen können aber auch folgende Aspekte als positiv verbuchen:

  • Durch die Möglichkeit zur Weiterbildung steigt die Motivation der Mitarbeiter.
  • Wer seinen Mitarbeitern eine Fortbildung ermöglicht, stellt auch Aufstiegschancen in Aussicht.
  • Die Mitarbeiter werden besser an das Unternehmen gebunden.
  • Durch Freistellungen für die Weiterbildung zeugt das Unternehmen von Flexibilität und wird damit als Arbeitgeber attraktiver.
  • Das Unternehmen zeigt gegenüber seinen Mitarbeitern Verantwortung und bekommt ein Image-Plus.

Wenn sich ein Angestellter privat weiterbilden möchte und dazu ein Fernstudium wählt, sollte er mit dem Arbeitgeber darüber sprechen. Zum einen können durch Präsenzzeiten Ausfälle nötig werden, zum anderen wird das private Engagement zur Weiterbildung gern gesehen.

Im Rahmen der geplanten Personalentwicklung sind teilweise sogar Boni oder Gehaltserhöhungen vorgesehen, wenn sich jemand auf eigene Initiative hin weiterbildet. Manche Arbeitgeber übernehmen auch die Studiengebühren, bieten zusätzliche Urlaubstage an oder zahlen einen Bonus, wenn der Abschluss erreicht worden ist.

Wer mit seinem Wunsch zur Weiterbildung an den Chef herantritt, sollte davon ausgehen, dass dieser vielleicht nicht ganz so euphorisch reagiert wie gedacht. (#02)

Wer mit seinem Wunsch zur Weiterbildung an den Chef herantritt, sollte davon ausgehen, dass dieser vielleicht nicht ganz so euphorisch reagiert wie gedacht. (#02)

Wie überzeuge ich den Chef?

Wie kann nun ein Mitarbeiter den Chef von der Notwendigkeit zur Weiterbildung überzeugen? Das wichtigste Argument dürfte dabei sein, dass nicht nur der Mitarbeiter selbst, sondern vor allem das Unternehmen davon profitiert und neue Einblicke, Ausblicke und Strategien nutzen kann.

Wer mit seinem Wunsch zur Weiterbildung an den Chef herantritt, sollte davon ausgehen, dass dieser vielleicht nicht ganz so euphorisch reagiert wie gedacht. Er muss mit Ausfallzeiten oder einer Verkürzung der Arbeitszeit rechnen. Vielleicht geht er auch davon aus, dass am Ende der Zeit eine Kündigung des Arbeitnehmers droht und das, wo doch so viel in ihn investiert worden ist! Nicht wenige Arbeitgeber gehen davon aus, dass der Arbeitnehmer nicht nur einfach eine Weiterbildung möchte, sondern dass er sich bereits auf dem Absprung befindet. Sollte das der Fall sein, sollten Sie die Qualifizierung aber lieber abends durchführen und ohne den Arbeitgeber davon in Kenntnis zu setzen.

Denn: Wenn der Arbeitgeber weder finanzielle noch zeitliche Zugeständnisse machen muss, kann er nicht darauf bestehen, über die Fortbildung informiert zu werden. Er muss diese nicht genehmigen! Was Sie in Ihrer Freizeit machen, geht den Chef nichts an.

Dennoch ist teilweise ein hohes Maß an Überzeugungsmaß nötig, auch wenn Sie die Firma nicht verlassen wollen. Machen Sie Ihrem Chef klar, dass Sie nicht gehen wollen und dass Sie Ihr Wissen zum Wohle der Firma einsetzen werden. Sie erwerben neue Kompetenzen, mit denen Sie zum Erreichen des Unternehmensziels beitragen können. Die ganze Firma wird davon profitieren! Diese Punkt muss der Chef allerdings erst einmal vor Augen geführt bekommen.

Ebenfalls ein wichtiges Argument: Durch eine Weiterbildung können firmeninterne Lücken geschlossen werden. Idealerweise haben Sie sich eine Weiterbildung ausgesucht, die ein Fachgebiet betrifft, das momentan innerhalb des Unternehmens von einem externen Dienstleister ausgeführt werden muss. Oder es geht darum, neue Märkte zu erschließen: Mit der entsprechenden Fortbildung können Sie sich darauf vorbereiten und einen entsprechenden Anteil daran leisten.

Video: Das Recht auf Weiterbildung für Arbeitnehmer muss kommen!

Zuschüsse vom Arbeitgeber

Auch wenn viele Unternehmen auf die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter achten, so müssen sie doch in den meisten Fällen Zuschüsse leisten. Freistellungen oder die Übernahme der Studiengebühren sind nur zwei mögliche Beispiele für die Zugeständnisse, die von der Firma gefordert werden. Auch hier gilt wieder dass derjenige bessere Chancen hat, der seinen Arbeitgeber von der Notwendigkeit der Weiterbildung überzeugen kann. Machen Sie dem Chef klar, dass sich die Investitionen in Sie bezahlt machen werden.

Tipp: Vereinbaren Sie vorab ein Gespräch mit dem Betriebs- oder Personalrat. Teilweise sind die Konditionen für eine Weiterbildung firmenintern geregelt. Das ist gut zu wissen, wenn Sie ein Gespräch mit dem Chef planen und ihn um Zuschüsse bitten möchten.
Arbeitnehmer haben allerdings keine festen Ansprüche auf einen finanziellen Zuschuss. Das heißt, es hängt immer vom guten Willen des Arbeitgebers (und von Ihrer Überzeugungskraft) ab, ob Sie eine Unterstützung bekommen. Teilweise wird der Vorgesetzte fordern, dass Sie sich im Gegenzug für die finanziellen Zugeständnisse seitens des Unternehmens für eine feste Zeit an dieses binden.

Als Faustregel ist hier von einem Monat Weiterbildung gegen ein halbes Jahr Arbeit im Unternehmen auszugehen. Diese Bindung an das Unternehmen steigt aber nicht exponentiell mit der Dauer der Weiterbildung, denn lange Fortbildungszeiten (wie bei einem Studium) würden sonst zu einer ungerechtfertigten Benachteiligung Ihrerseits führen. Halten Sie eine solche Regelung aber unbedingt vertraglich fest, damit es im Falle einer Streitigkeit nicht zu ungerechtfertigten Vorwürfen kommen kann.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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