Der Gang in die Selbständigkeit ist nicht leicht, er erfordert mindestens Mut und einen konkreten Plan, heutzutage aber nicht mehr zwangsläufig ein hohes Startkapital. Möglich machen das digitale Geschäftsmodelle, die einerseits als zukunftsfähig gelten, andererseits oftmals keine großen Anfangsinvestitionen voraussetzen. Je nach Branche sind in der Anfangsphase mitunter sogar die laufenden Kosten überschaubar. In Deutschland nahmen Neugründungen vielleicht auch deshalb zuletzt wieder zu. Auffällig ist zudem, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 22 % aller Neugründungen dem Digitalgewerbe verordnet.
Warum digitale Geschäftsmodelle die Selbständigkeit so attraktiv machen
Laut dem Deutschen Startup-Monitor setzen mittlerweile rund zwei Drittel aller Startups auf digitale Geschäftsmodelle, wie beispielsweise eigens betriebene und monetarisierte Plattformen, Software-as-a-Service und/oder eigene Apps. Neugründer könnten sich daran orientieren, den Weg in die Selbständigkeit alternativ aber auch als klassischer Dienstleister wie Grafiker, Copywriter, Webdesigner oder Berater einzuschlagen.
Gemeinsam haben sie die relativ niedrigen Einstiegshürden. Das zeigt ein direkter Vergleich mit beispielsweise dem stationären Handel oder der Gastronomie. Dort fallen, noch bevor die Geschäftstätigkeit überhaupt aufgenommen wird oder ein einzelner Euro Umsatz erzielt wurde, bereits erhebliche Kosten an – für Miete, Ausstattung, Warenwirtschafts- und Kassensysteme und alles andere, was im operativen Alltag unverzichtbar ist. Im digitalen Raum verhält es sich anders: Viele Tools und Plattformen stehen für kleines Geld oder sogar kostenlos zur Verfügung. Nicht wenige Geschäftsmodelle haben ihre Anfänge in einer ganz rudimentären Ausstattung: Internetverbindung, Smartphone und Laptop – das reicht oftmals schon.
Attraktiv ist diese Art der Selbständigkeit auch deshalb, weil sie im Idealfall mehr Flexibilität als ein klassischer Arbeitnehmerjob mitbringt. Wer digital selbständig arbeitet, kann das normalerweise orts- und zeitunabhängig. Arbeitszeiten werden eigenmächtig bestimmt, ein Büro ist meistens gar nicht notwendig, stattdessen genügen schon ein Home-Office oder eine kleine Schreibtischecke im heimischen Wohnzimmer. Auch hier zeigt sich wieder der bereits genannte Vorteil: Laptop, Desktop-PC, Internetanschluss und Co. sind sowieso schon vorhanden, zumindest an dieser Stelle entstehen also zunächst keine Mehrkosten.
Skalierbar sind digitale Geschäftsmodelle ebenfalls. Ein kleiner Laden in der Innenstadt ist dahingehend beschränkt: Er erreicht eben nur jene Leute, die zufällig an seinem Schaufenster kurz Pause machen. Wer digitale Produkte erstellt und vermarktet, erreicht hingegen, im weitesten Sinne, die ganze Welt. Nicht grundlos gibt es so viele Onlinekurse, E-Books und Apps: Sind die erst einmal erstellt, können sie immer und immer wieder verkauft werden und so fortlaufende, sogar mitunter gänzlich passive Umsätze generieren. Solch eine digitale Selbständigkeit ist im bundesweiten Vergleich zwar noch die Ausnahme, aber in der Summe keine Seltenheit.
Für viele Arbeitnehmenden dürfte abseits der wirtschaftlichen Aspekte auch die neu erlangte Flexibilität ausschlaggebend sein. Wer sich aktuell noch in einem Arbeitnehmerverhältnis befindet, muss unter dieses nicht sofort einen Schlussstrich ziehen. Anfänglich könnte man sich das digitale Business schlichtweg nebenher, geführt als Klein- oder Nebengewerbe, Schritt für Schritt aufbauen. So lässt sich zunächst feststellen, ob aus der Theorie tatsächlich eine erfolgreiche Praxis wird, von der man den eigenen Lebensunterhalt bestreiten kann.
Welche digitalen Geschäftsmodelle sind aktuell besonders gefragt?
Der digitale Raum ist vielfältig, trotzdem lassen sich drei Businesskonzepte identifizieren, die besonders häufig für Neugründungen herangezogen werden: Onlineshops/E-Commerce, digitale Dienstleistungen und plattformbasierte Angebote. Ergänzend dazu können Gründer Onlinekurse und Beratertätigkeiten monetarisieren oder digitale Inhalte anbieten.
Zwischen diesen einzelnen Businessmodellen gibt es natürlich Unterschiede. Ein Onlineshop beispielsweise kann heute mit Shopify und Co. binnen weniger Minuten erstellt und anfänglich mit relativ überschaubaren laufenden Kosten betrieben werden. Der Wareneinkauf verlangt anfänglich aber ein gewisses Startkapital ab – oder Gründer entscheiden sich für Dropshipping-Modelle, dann fällt sogar diese Kostenposition weitgehend weg. Zudem können im E-Commerce-Sektor alternativ eigens erstellte Produkte verkauft werden. Populär sind solche Neugründungen auch deshalb, weil Ziel und Kalkulation klar definiert werden können.
Selbiges gilt für digitale Dienstleistungen, die rein wirtschaftlich sogar ein noch geringeres Risiko als E-Commerce-Gründungen mitbringen, da kein Wareneinkauf nötig ist. Digital können Gründer ihre eigens geschriebenen Texte anbieten, ebenso aber auch Programmierungen, Marketingleistungen und Designs. Vorteilhaft ist dabei, wer bereits ein Netzwerk hat, das in der Anfangszeit unterstützt. Denn in diesem Fall ist man hauptsächlich darauf angewiesen, dass Unternehmen als Auftraggeber die eigens benötigten Aufgaben an einen selbst auslagern. Leistet man gute Arbeit, hat zufriedene Kunden und kontinuierlich weitere Referenzen, fällt fortan auch die Neukundenakquise leichter.
Diese beiden Beispiele verdeutlichen vor allem, dass die Flexibilität in jeder Phase der Neugründung gegeben ist. Niemand muss seinen Job aufgeben, um selbst auf die Probe zu stellen, ob die Selbständigkeit funktionieren würde. Aber man muss sich natürlich auf etwas mehr Arbeit einstellen, sofern der Vollzeitjob parallel dazu weitergeführt wird. Gründer sollten aber relativ zügig bemerken, ob das Solo- und Digitalbusiness praktisch funktioniert – dann könnte man immer noch über Teilzeit oder eben eine hundertprozentige Selbständigkeit nachdenken.
Erfolgreich starten: Warum Struktur, Professionalität und rechtliche Grundlagen entscheidend sind
Sofern sich das alles womöglich als etwas zu gut oder zu einfach anhört, ist das nicht unbedingt ein Trugschluss. Eine digitale Selbständigkeit ist attraktiv, aber es gibt weder eine Erfolgsgarantie noch ist das Unterfangen ein Selbstläufer. Eine gute Idee allein genügt nämlich nicht. Ideen haben die meisten Menschen, aber damit aus einer Idee eine erfolgreiche wirtschaftliche Praxis heranwächst, ist zunächst ein nicht zu unterschätzender Weg zu gehen.
Digitale Geschäftsmodelle setzen ebenso wie solche im Offline-Raum klare Strukturen, verlässliche und effiziente Prozesse, ein professionelles Auftreten sowie rechtliche Sicherheit voraus. Das eigene Angebot, das sich aus der ursprünglichen Idee ergibt, ist dafür genau zu definieren. Welche Probleme damit gelöst werden, wer damit erreicht werden soll, wie ein Nutzen verständlich kommuniziert und gewonnene Kunden langfristig gebunden werden – das sind Aspekte, die früh geklärt werden müssen. Ebenso die damit verbundenen Rahmenbedingungen, beispielsweise was die Vermarktung anbelangt.
Im digitalen Raum gibt es reichlich Vermarktungsmöglichkeiten, aber nicht alle erfüllen einen identischen Zweck. Sich selbst und das Business kostengünstig über Social Media zu vermarkten ist absolut möglich – aber ein viraler Erfolg ist alles andere als garantiert. Wer nicht viral geht, hat indes kaum einen Nutzen von Social Media. Zudem gibt es mit der Suchmaschinenoptimierung (SEO) noch einen Klassiker: Der erzielt traditionell aber nicht über Nacht messbare Erfolge. An E-Mail-Marketing und Kooperationen ist ebenfalls zu denken, beides setzt aber ein gewisses Fundament an Kunden, Interessenten und Partnern voraus.
Struktur ist zugleich deshalb essentiell, weil rechtliche Vorgaben und bürokratische Notwendigkeiten strikt einzuhalten sind. Das gilt noch mehr im E-Commerce-Gewerbe, wo in Deutschland sehr engmaschige Vorgaben existieren. Werden diese nicht eingehalten, könnte es früh zu Abmahnungen kommen, die speziell in der Gründungsphase finanziell eine erhebliche Belastung darstellen. Fast noch schlimmer: Verletzungen geltenden Rechts können Neugründungen über längere Zeit verfolgen, Vertrauen zerstören und den Ruf schädigen. Speziell dann, wenn diese zu unzufriedenen oder enttäuschten Kunden führten.
Grundsätzlich müssen Gründer ihr neues Gewerbe natürlich anmelden. Damit ist zugleich an weitere Vorgaben zu denken, beispielsweise was fristgerecht eingereichte Umsatzsteuererklärungen betrifft. Einmal jährlich ist all das dann noch in der Einkommensteuererklärung und beim Gewerbe im Jahresabschluss zu dokumentieren. Diese würde sich, sofern Arbeitnehmerstelle und Gründung parallel verlaufen, in nicht unerheblichem Maße verkomplizieren.
Auf der Webseite beziehungsweise dem Online-Shop selbst gibt es ebenfalls viele Vorgaben. Sie betreffen die Impressumspflicht, korrekte Datenschutzerklärungen, rechtsgültige allgemeine Geschäftsbedingungen, Widerrufsrechte und transparente, valide Bepreisungen der Produkte. Gerade hier kommen häufig auch extern geprüfte Rechtstexte für Onlineshops zum Einsatz, um rechtliche Risiken zu minimieren und Abmahnungen vorzubeugen. Wer sich selbst damit nicht auskennt oder schlichtweg sicherstellen möchte, dass alles korrekt ist, sollte die Webseite daher zwangsläufig prüfen lassen.
Digitale Geschäftsmodelle sind attraktiv – aber Attraktivität allein ersetzt keine gründliche Planung
Zweifellos ist es aufgrund des digitalen Raums heute einfacher in die Selbständigkeit einzutreten als noch vor zwei oder drei Jahrzehnten. Flexibilität, niedrige oder gar keine Anfangsinvestitionen sowie eine zumindest theoretisch globale Reichweite: All das ist attraktiv. Das Potenzial dessen lässt sich aber nur entschlüsseln, wenn neben dem Mut, der Idee und der Vision auch noch die Struktur, Effizienz, Professionalität und Rechtssicherheit berücksichtigt werden. Dieses Fundament ist vom allerersten Tag an zu legen.

