Telearbeitsplatz: Was Arbeitnehmer wissen sollten

Beim Telearbeitsplatz befindet sich der Arbeitsort ganz oder teilweise in der eigenen Wohnung. Für viele eine Traumvorstellung. Alles was Arbeitnehmer zur Telearbeit wissen müssen und welche Rechte und Pflichten es gibt.

Telearbeitsplatz: Der Begriff

Telearbeit – was bedeutet das eigentlich genau? Ganz allgemein befindet sich bei einem Telearbeitsplatz die Arbeitsstätte – ganz oder teilweise – außerhalb der Räumlichkeiten des Arbeitgebers. Der Begriff „Telearbeitsplätze“ wurde im Dezember 2016 neu in die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) aufgenommen. Laut dieser Verordnung ist ein solcher Arbeitsplatz ein vom Arbeitgeber fest eingerichteter Bildschirmarbeitsplatz „im Privatbereich der Beschäftigten“. Der Arbeitsplatz befindet sich im Haus oder der Wohnung des Mitarbeiters.

Von einem Telearbeitsarbeitsplatz kann zudem erst dann gesprochen werden

  • wenn eine klar geregelte wöchentliche Arbeitszeit vereinbart wurde
  • wenn die Dauer der Einrichtung (also der Arbeitsplatz zu Hause mit allen
    notwendigen Kommunikationskanälen und Arbeitsmitteln) festgelegt ist
  • wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Bedingungen genau festgelegt haben – arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung

Wie bei der Tätigkeit im Büro gilt auch hier: Der Arbeitgeber muss dafür Sorge tragen, dass die Räume angemessen ausgestattet sind. Der Arbeitnehmer ist zu Beginn einer Unterweisung unterworfen.

Telearbeit – was bedeutet das eigentlich genau? Ganz allgemein befindet sich bei einem Telearbeitsplatz die Arbeitsstätte – ganz oder teilweise – außerhalb der Räumlichkeiten des Arbeitgebers. (#01)

Telearbeit – was bedeutet das eigentlich genau? Ganz allgemein befindet sich bei einem Telearbeitsplatz die Arbeitsstätte – ganz oder teilweise – außerhalb der Räumlichkeiten des Arbeitgebers. (#01)

Viele Arbeitnehmer wünschen sich Telearbeitsplatz

Laut einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) vom Sommer 2017, ist die Telearbeit für viele deutsche Beschäftigte längst kein Wunschdenken mehr. Denn fast 30 Prozent aller Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern bereits einen Telearbeitsplatz an. Entweder komplett zu Hause oder zumindest stunden- bzw. teilweise in den eigenen vier Wänden. Eine hohe Zahl, die Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren noch steigen wird: Fast 45 Prozent der befragten Firmen rechnen damit, dass in fünf bis zehn Jahren deutlich mehr Beschäftigte zu Hause arbeiten werden als bisher.

Kein Wunder eigentlich, wenn man bedenkt, wie viele Beschäftigte sich eine solche Form des Arbeitens wünschen. 70 Prozent aller Beschäftigten hierzulande hätten gerne einen Telearbeitsplatz und 35 Prozent der Befragten sind für die Möglichkeit eines Telearbeitsplatzes sogar bereit, den Arbeitgeber zu wechseln.

Teleheimarbeit: der Mitarbeiter verfügt über einen reinen Telearbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. Das Arbeiten erfolgt nur von zu Hause aus (#02)

Teleheimarbeit: Der Mitarbeiter verfügt über einen reinen Telearbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. Das Arbeiten erfolgt nur von zu Hause aus. (#02)

Telearbeitsplatz: Verschiedene Arten von Telearbeit

Die Entwicklung immer neuer, moderner Kommunikationsmittel und Programme wie Skype, Cloud Computing und Co. sowie immer schnellere Online-Verbindungen, ließen den Telearbeitsplatz seit dem letzten Jahrzehnt für immer mehr Menschen zur Realität werden. Skype oder What’s App ermöglichen Echtzeit-Kommunikation, auf wichtige Online-Dokumente kann jederzeit zugegriffen werden. Es ist nicht mehr notwendig, dass die Belegschaft im selben Raum sitzt. Theoretisch müssen sich Arbeitskollegen nicht einmal mehr im selben Land aufhalten. Der Arbeitsplatz ist praktisch frei wählbar – wenn die nötigen Technologien und Arbeitsmittel vorhanden sind.

Man unterscheidet vier Arten der Telearbeit:

  • alternierende Telearbeit: die häufigste Form, bei der der Mitarbeiter mal vor Ort im Büro ist, mal von zu Hause aus arbeitet
  • Teleheimarbeit: der Mitarbeiter verfügt über einen reinen Telearbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. Das Arbeiten erfolgt nur von zu Hause aus
  • Telearbeitszentren: die Telearbeiter arbeiten in eigens angemieteten (Satelliten-) Büros oder Verwaltungsgebäuden
  • mobile Telearbeit: vor allem Außendienstler nutzen diese Möglichkeit. Der Name ist Programm: der Telearbeitsplatz befindet sich an dem Ort, an dem sich der Telearbeiter aufhält, also z.B. am jeweiligen Einsatzort (etwa bei Reportern), im Hotel oder im Zug

Video: Was ist eigentlich… Telearbeit

Flexibilität und Zeitersparnis: Vorteile

Vor allem für den Arbeitnehmer bietet z.B. die Arbeit von zu Hause aus enorm viele Vorteile. Einer der größten: Die Flexibilität. Man kann die Arbeitszeiten an den individuellen (Lebens-) Rhythmus und Alltag anpassen. Und das Arbeiten so besser mit dem Familienleben vereinbaren.

Zwischendurch mal kurz zur Apotheke oder zum Einkaufen und den Wohnort freier wählen können – das alles ermöglicht der Telearbeitsplatz. Hinzu kommen ganz praktische Vorteile der Arbeit von zu Hause aus. Man spart sich z.B. die Zeit (und Kosten) für den täglichen Weg zur Arbeit. Meist viele Minuten am Tag, die sonst im Stau und Pendlerverkehr verschwendet werden, kann man nun für die Familie nutzen.

Auch die Möglichkeit eines ergiebigeren, konzentrierteren Arbeitens stellt für viele ein Vorteil dar. Wer seine Arbeit in Ruhe daheim erledigt anstatt z.B. im Großraumbüro von klingelnden Telefonen und sich unterhaltenden Kollegen umgeben zu sein, arbeitet konzentrierter.

 Der Name ist Programm: der Telearbeitsplatz befindet sich an dem Ort, an dem sich der Telearbeiter aufhält, also z.B. am jeweiligen Einsatzort. (#03)

Der Name ist Programm: der Telearbeitsplatz befindet sich an dem Ort, an dem sich der Telearbeiter aufhält, also z.B. am jeweiligen Einsatzort. (#03)

Datenschutz, Disziplin und Co.: Nachteile und Gefahren

Aber es gibt nicht nur Vorteile. Die Sache mit der Disziplin ist nicht zu unterschätzen. Daheim arbeiten kann nur, wer dem heimischen Bett, Fernseher, Sofa etc. widerstehen kann. Die Fähigkeit zum Selbstmanagement und zur Selbstbeherrschung ist enorm wichtig. Desweiteren kann sich die Arbeit vom heimischen PC negativ auf die Kontakte und das Sozialleben auswirken. Vor allem natürlich in Bezug auf den Kontakt zu anderen Mitarbeitern. Einige Telearbeiter, die alleine von Daheim aus arbeiten, leiden daher an der ausbleibenden sozialen Bindung. Die Einbindung fällt schwerer, ebenso die Integration in (Projekt-) Teams und Abteilungen.

Wichtig zu wissen ist auch, dass sich der heimische Telearbeitsplatz aus gesundheitlichen Gründen bei weitem nicht für alle Arbeitnehmer eignet. Die Trennung von Arbeit und Privatleben ist nicht einfach, schnell kommt es da zu – unbezahlten – Überstunden bzw. einer Mehrarbeit, von denen die Kollegen oder der Chef nichts mitbekommen. Über 40 Prozent aller Telearbeiter leiden unter Stress, ebenso viele über Schlafstörungen.

Unter Beschäftigten mit Präsenzpflicht klagt nur jeder vierte unter diesen Begleiterscheinungen. Auch die Datenschutz-Problematik ist ein wichtiger Punkt. Konkrete Gefahren sind z.B. das Eindringen in Firmen- und Kommunikationsnetze, der Klau sensibler Daten und Firmen-Interna sowie der Missbrauch von Arbeitsmitteln durch Unbefugte. Datenschutz ist essentiell, weshalb am Telearbeitsplatz keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden sollten.

Video: Gesund am Arbeitsplatz – die RICHTIGE HALTUNG finden

Telearbeitsplatz: Arbeitsrechtliches

Wichtig zu wissen: Ein Rechtsanspruch auf einen Telearbeitsplatz existiert in Deutschland nicht. Kein Arbeitgeber ist hierzulande gesetzlich verpflichtet, seinen Mitarbeitern das Recht auf Heimarbeit einzuräumen. Haben Arbeitnehmer aber die Möglichkeit etwa zur mobilen Telearbeit, hat ein Betriebsrat das Recht auf Mitbestimmung zur Ausgestaltung dieser Tätigkeit (§87 BetrVG). Wer nur gelegentlich von Daheim aus arbeitet (alternierend), für den findet die Arbeitsstättenverordnung für Teleheimarbeit keine Anwendung.

Sie gilt nur für die reine Arbeit vom heimischen Arbeitsplatz aus. Doch egal ob alternierend oder Tele-heimarbeit: Der Arbeitgeber muss die notwendige Infrastruktur bereitstellen, ebenso alle erforderlichen Arbeitsmittel und die benötigte IT (Novellierung der Arbeitsstättenverordnung vom November 2016).

Bei der Telearbeit gelten immer die Rahmenbedingungen und Vorgaben des Arbeits-zeitgesetzes (ArbZG), vor allem zu

  • den täglichen Höchstarbeitszeiten
  • den Ruhepausen
  • der Aufzeichnung der Arbeitszeit
 Obwohl die Arbeit von zu Hause aus auch bei uns die letzten Jahre immer beliebter wurde, hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten noch deutlich hinterher. (#04)

Obwohl die Arbeit von zu Hause aus auch bei uns die letzten Jahre immer beliebter wurde, hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten noch deutlich hinterher. (#04)

Situation in anderen Ländern

Ob und in welchem Umfang die Telearbeit gewährt wird, ist von Land zu Land unterschiedlich. Obwohl die Arbeit von zu Hause aus auch bei uns die letzten Jahre immer beliebter wurde, hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten noch deutlich hinterher. Nicht einmal 15 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland gehen der Telearbeit nach.

In Frankreich und Großbritannien arbeitet jeder fünfte Beschäftigte auch mal von zu Hause. In Island ist es sogar fast jeder dritte sozialversicherungspflichtig Angestellte. Auch in Schweden sind es 32 Prozent der Angestellten und in den Niederlanden wurde das Recht auf Heimarbeit 2015 sogar im Gesetz verankert.

In Deutschland gibt es auch deshalb noch Potenzial nach oben, da sich rund 40 Prozent der Jobs bei uns für die Heimarbeit eignen. Das sind vor allem Tätigkeiten aus den Bereichen Redaktion, Buchhaltung, Personalplanung, Controlling, Kalkulation, Antragbearbeitung sowie Dokumentation.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Roman Samborskyi -#01: fizkes- #02: Africa Studio -#03: Khosro- #04: Antonio Guillem

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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