Tarifvertrag IG Metall: Gehaltstabelle 2018/2019

Der Tarifvertrag IG Metall für die Jahre 2018 bis 2020 steht. Die neue Gehaltstabelle zeigt, was die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie erwartet. Wichtige Infos zum neuen Tarif und eine Prognose, wie es mit den Löhnen weitergehen könnte.

Tarifvertrag IG Metall: Erstaunliches Ergebnis

Die Tarifgespräche 2018 endeten mit einem positiven Resultat für die Arbeitnehmer. So steigt deren Lohn ab April diesen Jahres um 4,3 Prozent. Vereinbart wurde zudem eine Einmalzahlung von 100 Euro für die ersten drei Monate 2018. Außerdem: Es wird flexibler in der Metall- und Elektroindustrie. Arbeitszeiten können freier gestaltet werden, so dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sich verbessert. Der Tarifvertrag der IG Metall hat eine Laufzeit von 27 Monaten und er gilt vom Januar 2018 bis Ende März 2019.

Hohes Gehaltsplus für die Beschäftigten

Es gibt noch mehr positives zu berichten: Als Plus erhalten die Mitarbeiter ab dem nächsten Jahr einen festen Betrag von 400 Euro sowie ein tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent ihres monatlichen Gehaltes. Dabei haben sie die Wahl: Wenn Arbeitnehmer Kinder erziehen oder ihre Eltern pflegen sowie in Schichtdienst tätig sind, gibt es auf Wunsch alternativ zum Zusatzgeld acht freie Tage zusätzlich, von denen der Arbeitgeber zwei voll übernimmt.

Generell wird flexibler gearbeitet, wenn es der Mitarbeiter wünscht. Es wurde eine Arbeitszeitverkürzung durchgesetzt, die erstmal auf zwei Jahre befristet ist und auf 28 Stunden reduziert werden kann. Auf Wunsch können die Beschäftigten nach Ablauf dieser Frist wieder Vollzeit arbeiten. Wichtig: Das ist eine Verpflichtung der Arbeitgeber und keine unverbindliche Verabredung.

Auch immer mehr Frauen arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie und sind vom Tarifabschluss betroffen. (#1)

Auch immer mehr Frauen arbeiten in der Metall- und Elektroindustrie und sind vom Tarifabschluss betroffen. (#1)

Tarifvertrag IG Metall: Wichtigstes Ergebnis ist mehr Flexibilität und bessere Vereinbarkeit von Familie und Job

Die Lösungen sind großzügig für die Angestellten und Arbeiter, die Bewertung vom Tarifvertrag IG Metall fällt dementsprechend positiv durch die Gewerkschaft aus. Ab sofort ist Flexibilität auch für die Arbeitnehmer verstärkt möglich. Wer also weniger arbeiten möchte, hat das Recht dazu und gönnt sich mehr Freizeit. Wobei es auch dazu gedacht ist, in der Pflege oder in der Erziehung der Kinder seine zusätzliche Zeit zu nutzen. Aber das entscheidet erstmal jeder Beschäftigte selbst.

Video: Entgelt in der Tarifrunde M&E 2018

Arbeitgeber froh, dass die Warnstreiks Anfang des Jahres zu Ende sind

Auch die Arbeitgeber von „Gesamtmetall“ begrüßen die Einigung. Nach ersten Warnstreiks Anfang des Jahres sind diese froh, dass der Abschluss über die Bühne gebracht wurde, ohne dass es zu größeren Verwerfungen und umfassenden Streiks in der Industrie gekommen ist. Vor allem im Norden zeigten Arbeitnehmer ihre Muskeln. 48000 Beschäftigte legten dort für einen Tag ihre Arbeit nieder, es wurde als „Warnstreik“ bezeichnet und sollte ihren Forderungen Nachdruck verleihen.

Tarifvertrag IG Metall:Welche Branchen gehören eigentlich zur IG Metall?

Weit mehr als nur Metall: Die mächtige Industriegewerkschaft mit ihren fast 2,3 Millionen Mitgliedern betreut unterschiedliche und zum Teil überraschende Branchen. Hier eine Liste der zur IG Metall gehörenden Industrien:

  • Eisen und Stahl als ein wichtiger und kostenintensiver Teil der Zulieferindustrie (Autos, Maschinenbau)
  • Handwerk mit Elektrohandwerk und Kfz-Handwerk, stark abhängig von Fremdfinanzierungen
  • Holz und Kunststoff mit der boomenden Möbelindustrie, bedroht durch Abwanderung in östliche EU-Länder
  • Metall- und Elektroindustrie ist eine der ältesten Branchen der IG Metall mit Maschinenbau als Premiumsegment
  • Textile Branchen ist eine Industrie mit geringer Tarifbindung und geprägt durch niedriges Lohnniveau

Entgeltgruppen und Löhne für den Tarifbezirk Bayern ab 1.4.2018

Stufe A Stufe B Stufe C
EG 01 2.399,00
EG 02 2.446,00 2.487,00
EG 03 2.568,00 2.647,00
EG 04 2.727,00 2.807,00 2.985,00
EG 05 3.060,00 3.135,00
EG 06 3.249,00 3.362,00
EG 07 3.504,00 3.646,00
EG 08 3.800,00 3.960,00
EG 09 4.163,00 4.367,00
EG 10 4.604,00 4.837,00
EG 11 5.090,00 5.341,00
EG 12 5.581,00 5.819,00

 

Beispielhaft für den IG Metall Tarifbezirk Bayern das Entgelt ab 1.4.2018 für den Bereich Metall + Elektro. Jeweils unterteilt in die verschiedenen Entgeltgruppen und Stufen.

Tarifvertrag IG Metall: Die Reaktion aus dem akademischen Milieu

Fast schon überschwänglich begrüßen Experten wie Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin die Vereinbarungen. Für sie geht es laut „igmetall.de“ um weit mehr als „nur“ die größere Flexibilität für die Lohnabhängigen. Die Fachfrau ist spezialisiert darauf, wie in der Zukunft gearbeitet wird. Sie erwartet, dass in der Folge sich auch das Geschlechterverständnis wandeln wird. Waren in den 50er Jahren nur die Einführung der 5-Tage Woche das Ziel, gehen die Beschlüsse des aktuellen Tarifvertrags der IG Metall weit darüber hinaus.

Der Grund: Die Arbeitgeber lassen den vor allem männlichen Beschäftigten viel mehr Spielraum durch flexible Arbeitszeiten. Das bedeutet, sie können sich viel intensiver um die Kindererziehung oder generelle Tätigkeiten im Haushalt oder die Pflege der nächsten Angehörigen kümmern. Frauen hingegen können dank dieser Regelungen viel öfter selbst einen Job annehmen und im Beruf Verwirklichung finden. Werden diese Vereinbarungen auf andere Branchen übertragen, könnte es zu starken Veränderungen in den Arbeitsbeziehungen der Geschlechter kommen.

Viele Mitarbeiter warten auf die Ergebnisse der Tarifgespräche und hoffen auf ein fettes Lohnplus. (#2)

Viele Mitarbeiter warten auf die Ergebnisse der Tarifgespräche und hoffen auf ein fettes Lohnplus. (#2)

Eine hohe gesellschaftliche Bedeutung fürs Arbeiten in der Zukunft

Frauen sind dann also mehr als nur die Zuarbeiter für den Mann. Der Tarifvertrag IG Metall hat also eine gesellschaftspolitisch hohe Relevanz, so die Forscherin in einem Resümee. Es sollte auch eine Steigerung der Produktivität möglich sein, wenn Menschen zum Beispiel nur 28 statt 40 Stunden tätig sind. Und die Stigmatisierung der Teilzeit könnte durch die Regelung gestoppt werden. Männer gelten nicht mehr als Weicheier, Frauen mit Kindern nicht mehr als Rabenmütter.

Tarifvertrag IG Metall: Potential kann sich stärker entfalten

Die im Tarifvertrag der IG Metall geplante kurze Vollzeit scheint besser anzukommen als reine Teilzeitlösungen. Menschen könnten, so die Forscherin Allmendinger, viel stärker ihr Potential entfalten und auch Führungsaufgaben übernehmen als Beschäftigte, die ausschließlich in Teilzeit arbeiten. Denn eines ist klar: Auf Wunsch können die Arbeitnehmer nach den zwei Jahren wieder ihre normale Vollzeit-Stelle antreten und von den positiven Erfahrungen der „kurzen Vollzeit“ von 28 Stunden profitieren.

Es dürfte auch zu Auswirkungen in der Politik kommen. So dürfte der Versuch gestartet werden, Arbeitgeber in anderen Branchen der Wirtschaft zu bewegen, diese großzügigen Regelungen zur Arbeitszeitflexibilität zu übernehmen. Ob es dazu kommen wird, bleibt abzuwarten und hängt sicher auch von den wirtschaftlichen Bedingungen in den anderen Branchen ab. Pauschal lassen sich die Arbeitgeber sicher nicht auf Experimente dieser Art ein. Hierzu zählen auch die automatischen Regelungen, dass auf Wunsch jeder Arbeitnehmer das Recht hat, auf die Vollzeit-Stelle zurückzukehren. Das dürfte sicher zu Organisationskosten führen, die nur wenige Wirtschaftszweige bereit sind zu tragen.

Tarifvertrag IG Metall: Regelung gilt bis 2020. Wie geht es vermutlich weiter?

Es wird vermutlich spannend werden, was nach diesem aktuellen Tarifabschluss kommt. Denn es geht auch darum, ob diese besondere flexible Regelung der Arbeitszeit ihre Fortführung findet. Das hängt wohl auch mit der weiteren konjunkturellen Entwicklung ab, ob also die starke Nachfrage nach deutschen Produkten in dieser Branche anhält. Hierbei geht es auch darum, ob die geplanten US-Strafzölle auch wirklich umgesetzt werden. Käme es zu einem weltweiten Handelsstreit, hätte dieser bestimmt auch indirekte Auswirkungen auf Tarifgespräche und einen neuen Tarifvertrag der IG Metall und den Arbeitgebern.

Tarifvertrag IG Metall: Ausblick ab 2020 und darüber hinaus

Es ist zu wünschen, dass sich die Wirtschaftspartner der Europäischen Union und den USA einigen und eine sinnvolle Vereinbarung finden. Fast noch bedeutsamer dürfte die Frage sein, ob die im jetzigen Tarifvertrag vereinbarten Regelungen zur Flexibilisierung der ARbeitszeit weiter Gültigkeit besitzen. Auch interessant ist die Frage, wie viele der Beschäftigten gerne weiter 28 Stunden arbeiten möchten. Weil es ist durchaus möglich, diese Regelungen zu verlängern. Sie laufen zwar zunächst automatisch nach 2 Jahren aus, können aber nach Antrag verlängert werden. Es ist aber anzunehmen, dass diese Entscheidung auch mit der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung zu tun hat.

Denn wenn diese einbricht und eventuell Arbeitsplätze in Gefahr sind, werden wohl viele Mitarbeiter lieber wieder in Vollzeit arbeiten. Man möchte schließlich den Eindruck vermeiden, am liebsten so wenig wie möglich für das jeweilige Unternehmen tätig zu sein. Aber genug der Spekulationen: Der Tarifvertrag der IG Metall hat gesellschaftliche Konsequenzen, war aber aufgrund der positiven wirtschaftlichen Situation nicht so überraschend.

Der Boom in der deutschen Metall- und Elektroindustrie

Der Tarifvertrag der IG Metall wurde eben in einer aktuell sehr guten Konjunktur abgeschlossen. Laut dem Portal „iwd“ vom April 2018 werden die Dimensionen deutlich: So erzielte die deutsche M+E-Industrie in allen Segmenten beeindruckende Ergebnisse: So wuchs die Produktion um 3,6 Prozent, der Auftragseingang erhöhte sich um 5,3 Prozent. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 6 Prozent auf riesige 1,16 Billionen (!) Euro, und auch die Ausfuhren ins Ausland betrugen insgesamt 745,6 Milliarden. Zu guter Letzt erhöhte sich auch die Zahl der Mitarbeiter: Diese wuchsen um 85500 Beschäftigte in 2017, im Jahr davor waren es auch schon 30000 neue Kollegen. 513000 neue Mitarbeiter wurden alleine seit der Krise 2008/2009 geschaffen. Alles sehr positive Resultate, die auch bei Gewerkschaften Begehrlichkeiten geweckt hat.

Tarifvertrag IG Metall: Arbeitgeber unter Druck, den Arbeitnehmern einen guten Tarifabschluss zu ermöglichen

Insgesamt hat die Elektro- und Metallindustrie die Krise vor 10 Jahren überwunden. In allen Bereichen ist positives zu vermelden. Das betrifft den Fahrzeugbau oder die Metallerzeugnisse genauso wie die Elektronikindustrie. Auch das Ausland kauft fleißig deutsche Produkte. Gut also, wenn der Streit mit den USA über die Zölle glimpflich erledigt wird und die Wirtschaft weiter ohne Hemmnisse exportieren kann. Das Ergebnis der positiven Entwicklung: Höhere Löhne im aktuellen Tarifvertrag der IG Metall sowie die schon erwähnten attraktiven Flexibilisierungen in Sachen Arbeitszeit. In diese guten Stimmung wurden auch die Gespräche nach dem Abschluss beendet.

Der erstaunliche Tarifvertrag der IG Metall mit den Arbeitgebern

Aufgrund der guten ökonomischen Lage ist es auch gar nicht so überraschend, dass die Arbeitgeber viele Zugeständnisse gemacht haben für einen der wohl bemerkenswertesten Tarifabschlüsse der deutschen Historie. Ob er sich dieser Form auch bei anderen Zweigen der Wirtschaft wiederholt, ist eher zweifelhaft, weil die wirtschaftlichen Bedingungen so positiv waren. Es wird spannend sein, ob sich das bei den zukünftigen Gesprächen ab 2020 in dieser Form wiederholt. Bald beginnt das Spiel von neuem, im Moment freuen sich viele Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie immer noch am schönen Ergebnis. Hinter den Kulissen überlegen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber sicher jetzt schon, mit welcher Strategie sie in die neuen Tarifverhandlungen gehen werden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: A Lot Of People -#1: sirtravelalot -#2: Iakov Filimonov

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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