Ohne Weiterentwicklung schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt?

Wer Angestellte sucht, verbucht ein breites Fachwissen ebenso als Pluspunkt wie eine stetige Weiterentwicklung. Ohne Evolution im Job kommt es zum Stillstand. Flexibilität ist insbesondere in der digitalen Arbeitswelt gefragt wie nie.

Der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt erfordert Aufmerksamkeit

Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem grundlegenden, teilweise strukturellen Wandel. Im Vergleich zum Beginn des Jahrtausends haben sich die Arbeitslosenzahlen stark vermindert. Was auf dem Papier gut aussieht, ging aber oft zu Lasten nachhaltiger Jobs. In vielen Bereichen kamen Minijobs und Niedriglohnbezieher zwar wieder in Beschäftigungsverhältnisse, doch von dort aus wieder in den eigentlichen Hauptarbeitsmarkt zu kommen, ist ohne Weiterentwicklung und entsprechende Qualifikationen kaum möglich.

Dabei fehlt es an allen Ecken und Enden an Fachkräften. Theoretisch müssten sich gerade Fachkräfte also gar keine Sorgen machen, wenn sie auf Jobsuche sind, denn mittlerweile bewerben sich Firmen um Arbeitskräfte – und nicht mehr umgekehrt. Auch bei den Ausbildungsberufen ist eine bemerkenswerte Entwicklung zu verzeichnen, denn erstmals seit vielen Jahrzehnten gibt es nachhaltig mehr Ausbildungsplätze als Bewerber, wodurch die Jugendarbeitslosigkeit prinzipiell als beseitigt gilt. Doch wer weiß schon, was die Zukunft bringt?

Leider versäumen viele Arbeitnehmer (aber auch Arbeitgeber und Führungskräfte), die Weiterentwicklung in Angriff zu nehmen und zu fördern. Solange etwas einigermaßen läuft, sehen viele keinen Grund, sich anzupassen.

Leider versäumen viele Arbeitnehmer (aber auch Arbeitgeber und Führungskräfte), die Weiterentwicklung in Angriff zu nehmen und zu fördern. Solange etwas einigermaßen läuft, sehen viele keinen Grund, sich anzupassen.(#01)

Weiterentwicklung betrifft Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen

Speziell im Bereich der digitalen Wirtschaft bringen Innovationen für viele kleine Unternehmen und Startups den Durchbruch. Diese Chancen gab es früher in dieser Form nicht. Wer heute eine gute Idee hat, kann sie mit etwas Glück und Durchhaltevermögen in der Regel an den Mann und an die Frau bringen. Digitale Startups boomen wie verrückt. Gleichzeitig ist aber gerade die digitale Branche einer stetigen Evolution unterworfen. Nichts ist so alt wie die Innovation von gestern. Kenntnisse, die vor wenigen Jahren noch notwendiges Fachwissen waren, können morgen bereits veraltet und überflüssig sein.

Leider versäumen viele Arbeitnehmer (aber auch Arbeitgeber und Führungskräfte), die Weiterentwicklung in Angriff zu nehmen und zu fördern. Solange etwas einigermaßen läuft, sehen viele keinen Grund, sich anzupassen. Die Gefahr dabei liegt auf der Hand: Ist ein Wechsel in Sicht oder ist man gezwungen, einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, kommt die Frage nach der Weiterqualifikation auf den Tisch.

Denn auch, wenn im Moment die Arbeitgeber händeringend nach Fachkräften suchen, sind diejenigen, die einer stetigen Evolution gegenüber offen sind, am Arbeitsmarkt klar im Vorteil. Das gilt für viele Branchen, aber für keine so sehr wie für die digitalen Arbeitsplätze der IT-Branche, die sich permanent einem Entwicklungsprozess unterziehen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Denn eine Innovation bleibt natürlich nicht unbegrenzt innovativ. Vor Fehleinschätzungen und Fehlentwicklungen sind dabei nicht einmal die großen Firmen gefeit. Galt Nokia früher als der führende Hersteller von Mobiltelefonen, spielt das finnische Unternehmen nicht zuletzt aufgrund versäumter Chancen zur Entwicklung heute keine Rolle mehr auf dem Markt. Umgekehrt könnte es den derzeitigen Marktführern Samsung und Apple ähnlich gehen, wenn sie aufhören, echte Innovationen voranzubringen. Tatsächlich fragen sich viele, was seit dem Tod von Steve Jobs bei Apple wirklich noch innovativ war.

Was ist für Unternehmen in Zukunft wichtig?

Man muss aber gar nicht in die Welt der Großkonzerne gehen, um diese Entwicklungen nachvollziehen zu können. Sogenannte Soft Skills und allgemeine Kenntnisse in der IT sind in fast allen Branchen gefragt und werden vorausgesetzt. Wer da den Anschluss verliert, kann früher noch so innovativ gewesen sein. Das Statistische Bundesamt hat hierzu Zahlen einer europäischen Studie zur beruflichen Weiterqualifikation veröffentlicht.

Dabei wurde nach den wichtigsten Qualifikationen gefragt, die für die künftige Entwicklung eines Unternehmens von Bedeutung sind. Die Ergebnisse sind eindeutig.

Von den befragten Unternehmen nannten:

  • 52 % technische, praktische oder arbeitsplatzspezifische Fertigkeiten
  • 50 % Kundenorientierung
  • 43 % Teamfähigkeit
  • 35 % allgemeine IT-Kenntnisse
  • 30 % Problemlösungskompetenz

als wichtigste Qualifikationen, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Aber das ist noch nicht alles. Die kleinen Unternehmen mit besonderem Ideenreichtum und Innovationen werden für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Bereits im Jahr 2010 waren 61 % der innovativen Unternehmen Deutschlands kleine und kleinste Unternehmen. Um dieses Innovationspotenzial zu erhalten und zu fördern, sind neben der Grundbildung auch Fortbildung für Arbeitnehmer sowie intensives Führungskräftetraining erforderlich (Quelle: destatis.de).

Das Statistische Bundesamt hat hierzu Zahlen einer europäischen Studie zur beruflichen Weiterqualifikation veröffentlicht: 43 % Teamfähigkeit

Das Statistische Bundesamt hat hierzu Zahlen einer europäischen Studie zur beruflichen Weiterqualifikation veröffentlicht: 43 % Teamfähigkeit (#02)

Wie können Gründer die Weiterentwicklung richtig managen?

Insbesondere Gründer stehen vor dem Problem, nach dem ersten innovativen Schritt rasch den nächsten folgen lassen zu müssen. In der digitalen Branche kommt die technische Weiterentwicklung hinzu. Eine spezifische Weiterqualifikation ist also generell zu empfehlen. In Bremen hat sich die Conblu GmbH genau dieser Problematik gewidmet. Das Unternehmen betreut neue Projekte und junge Startups dabei, die richtigen Schritte ins Wachstum zu machen. Ali Altun und Sebastian Hirt, die Conblu gegründet haben, sehen dabei Wachstum und Weiterbildung als zwei Seiten der gleichen Medaille, die allerdings auf unterschiedlichen Ebenen ablaufen.

Einerseits muss die Grundkonstruktion eines Unternehmens stimmen, die man dann weiterentwickeln kann. Aber jede Firma besteht aus Individuen, die ihrerseits Schritt mit der Entwicklung halten müssen. Erfahrungen, die jeder Mitarbeiter oft über Jahre und Jahrzehnte hinweg gesammelt hat und ins Unternehmen einbringt, können das Unternehmen entscheidend weiterbringen, so die Überzeugung der Conblu-Gründer Hirt und Altun. Sie haben daher ein tragfähiges Konzept entwickelt, mit dem sich Unternehmen der Weiterentwicklung von Firma und Mitarbeitern widmen können – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Denn selbst, wenn ein Mitarbeiter irgendwann das Unternehmen verlässt, profitiert er am Arbeitsmarkt natürlich vom Pluspunkt der Bildungsangebote, die er „mitnehmen“ kann. Auf der anderen Seite profitiert der Arbeitgeber davon, wenn seine Mitarbeiter immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung sind. Neben der Grundbildung spielt das Führungskräftetraining eine Rolle. War ein Führungsseminar am Samstag früher eher etwas für DAX-notierte Großunternehmen, ist dies inzwischen durchaus auch für kleinere Unternehmen ein echter Gewinn.

Hinsichtlich der persönlichen Weiterentwicklung z.B. bei den Geschäftsführern Ali Altun und Sebastian Hirt aus Bremen"stellt die langjährige Erfahrung ein großes Plus dar.

Hinsichtlich der persönlichen Weiterentwicklung z.B. bei den Geschäftsführern Ali Altun und Sebastian Hirt aus Bremen“stellt die langjährige Erfahrung ein großes Plus dar.(#03)

Langjährige Erfahrungen unterliegen einem Evolutionsprozess

Hinsichtlich der persönlichen Weiterentwicklung z.B. bei den Geschäftsführern Ali Altun und Sebastian Hirt aus Bremen“stellt die langjährige Erfahrung ein großes Plus dar. Andererseits darf darüber nicht vergessen werden, dass manches nach einigen Jahren oder gar Jahrzehnten anders aussieht als früher. Das gilt nicht nur für Änderungen im Berufsbild, sondern insbesondere auch für die persönliche Entwicklung des Mitarbeiters.

Neben der reinen Anhäufung von Wissen und Erfahrung macht nämlich jeder Mensch zwangsläufig Änderungen in der eigenen Persönlichkeit durch. Kein Wunder: Wer denkt im Alter von 35 noch so, wie er mit 15 gedacht hat?

Trotzdem basiert der berufliche Werdegang häufig auf Entscheidungen, die in diesem jungen Lebensalter getroffen wurden. Eine späte Änderung der Fachrichtung kann beispielsweise durchaus Sinn machen, wenn sich dadurch eine konsequente Weiterentwicklung erzielen lässt. Dabei sollte außerdem im Blick behalten werden, dass auch die verbleibenden Jahrzehnte im Berufsleben einem Evolutionsprozess unterworfen sein werden. Speziell die vielen Startups sind heute oft schon bei der Gründung auf eine Weiterentwicklung ausgerichtet, wissen aber nicht genau, wie sie es umsetzen sollen.

Eine eigene Unternehmensphilosophie gehört heute zum guten Ton – und das hat seinen Grund. Die Erweiterung des persönlichen Wissensstandes trägt dazu bei, der Firma entsprechende Vorteile auf dem Markt zu verschaffen. Den Horizont zu erweitern, ist dabei ein sehr wichtiger Aspekt. Oft bedarf es keiner großen Maßnahmen. Bildungsangebote gibt es überall – ob Kursprogramm im Firmenseminar oder ein Mitarbeitergespräch zur Motivation und Erörterung der gegenwärtigen Lage; Input gibt es allenthalben.

Oft hilft es schon, Fachliteratur zu einem bestimmten Thema zu befragen, um neue Ansätze für die Lösung einer Problemstellung zu finden. Ob in Form eines Buches, eines Tutorials auf YouTube oder als Kursprogramm: Man lernt nie aus und sollte dies zum Bestandteil der Unternehmensphilosophie erheben.

Wichtige Maßnahmen für die Weiterentwicklung:

  • Einbeziehung von Fachliteratur
  • regelmäßiges Studieren der Entwicklung bei anderen Unternehmen
  • Nutzung des Internets für Schulungszwecke
  • Führungsseminar und andere Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter
  • Förderung der Inanspruchnahme von Bildungsurlaub und anderen Maßnahmen
  • gutes Arbeitsumfeld mit angenehmer Arbeitsatmosphäre schaffen
  • auf Mitarbeiter hören, die sich aktiv einbringen möchten
Regelmäßige Coachings, Seminare und die innovative Gestaltung des modernen Arbeitsumfeldes sind weitere Bestandteile einer stetigen Weiterentwicklung.

Regelmäßige Coachings, Seminare und die innovative Gestaltung des modernen Arbeitsumfeldes sind weitere Bestandteile einer stetigen Weiterentwicklung.(#04)

Ist Weiterentwicklung nur für Karriereristen interessant?

Das Thema Fortbildung hat aus früheren Zeiten den Ruf, nur etwas für Menschen zu sein, die alles daran setzen, ihre Karriere voranzubringen und diesem Willen alles andere unterordnen.  Geschäftsführer Ali Altun und Sebastian Hirt von Conblu, aus Bremen zeigen“dass es für alle Arbeitnehmer (insbesondere in den digitalen Branchen) von Vorteil ist, seinen Horizont nachhaltig zu erweitern.

Die Angebote für die weitere Ausbildung sind im Übrigen sehr viel breiter gefasst als früher. Das kann beispielsweise der wenig genutzte Ansatz eines Bildungsurlaubs sein, der vom Staat und Arbeitgeber bezuschusst wird. Aber auch ein spezielles Führungskräftetraining am Samstag oder ein regelmäßiges Mitarbeitergespräch, in dem alle Themen, Sorgen und Ideen besprochen werden können, führen zum Ziel.

Wichtig ist, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf allen Ebenen im Gespräch bleiben und somit ihre Kenntnisse und Fertigkeiten weiter ausbauen bzw. voll in den Dienst der Sache stellen – also in den Erfolg des Unternehmens. Wie üblich, ist man auf der anderen Seite des Atlantiks beim Thema Innovationen oft schon weiter als in Europa und insbesondere in Deutschland.

In den USA gilt die Weiterentwicklung in jeglicher Form als Grundbedingung, aber auch als Chance für viele Arbeitsplätze in innovativen Branchen. Dort wird beispielsweise in der Regel nicht lange überlegt, wenn man für einen Job einen Umzug über mehrere tausend Kilometer hinweg in Kauf nehmen muss.

Regelmäßige Coachings, Seminare und die innovative Gestaltung des modernen Arbeitsumfeldes sind weitere Bestandteile einer stetigen Weiterentwicklung. Die Unternehmen in den USA begrüßen und fördern die Bildungsangebote, weil sie von den qualifizierten Mitarbeitern langfristig profitieren – sie sehen es geradezu als eine Investition an, wenn ein Mitarbeiter über längere Zeiträume hinweg immer auf dem aktuellen Wissensstand bleibt und gleichzeitig seine langjährige Erfahrung in das Unternehmen einbringen kann.

Erfolgreiche Unternehmen gehen manchmal auch ungewöhnliche Wege, an die man in Deutschland nicht immer sofort denkt. So verabschiedet man sich in den USA vielerorts von den festen Büroarbeitsplätzen und schafft gemeinsame Räume, in denen unabhängig vom eigenen Schreibtisch im Team gearbeitet wird.

Fazit

Auf der Höhe der Zeit zu bleiben ist etwas, das jeder anstrebt – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. Das Unternehmen profitiert von langjähriger Erfahrung bei gleichzeitiger Evolution des Beschäftigten und der Arbeitnehmer kann bei einem Wechsel sein Wissen in einen neuen Karriereabschnitt gewinnbringend einbringen.

Der aktuelle Fachkräftemangel hat vor allem auch damit zu tun, dass viele Unternehmen die Weiterbildungsangebote in der Vergangenheit nicht ernst genommen haben. Um Fehler zu vermeiden, kann die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die sich auf die Erarbeitung von Weiterbildungskonzepten verstehen, Sinn machen. Eine Investition, die sich am Ende für alle auszahlt.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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