Arbeitsmarkt Schweiz: Darauf müssen deutsche Bewerber achten

Schweizer locken mit attraktiven Löhnen und Stellen. Doch was sollte man als Deutscher auf dem Arbeitsmarkt in der Schweiz beachten? Einige Erfolgstipps.

Arbeitsmarkt: Schweiz lockt mit Angeboten

Besonders für Deutsche symbolisiert der Arbeitsmarkt der Schweiz ein Paradies. Warum eigentlich?

Neben Lichtenstein und Monaco ist die Schweiz eines der Länder, in das man sich auf die besten Löhne der Welt freuen kann. Das geht aus einer Studie von eglitis-media hervor. Außerdem hat man verbunden mit der guten Bezahlung auch Chance auf eine gute Position.

Besonders gefragt sind aktuell Stellen in folgenden Bereichen:

  • Gastronomie und Service
  • Medizin und Forschung
  • IT und Elektronik
Neben Lichtenstein und Monaco ist die Schweiz eines der Länder, in das man sich auf die besten Löhne der Welt freuen kann. (#01)

Neben Lichtenstein und Monaco ist die Schweiz eines der Länder, in das man sich auf die besten Löhne der Welt freuen kann. (#01)

Arbeitsmarkt der Schweiz: Nähe zur Heimat

Weiterer Vorteil, sein Glück in der Schweiz zu suchen, ist die Nähe zu Deutschland. Wenn man ein neues Heim nahe der Grenze findet, ist es leicht, Kontakt zu Freunden und Familie zu halten. Der Umzug verlangt also weniger Überwindung, verglichen mit einem Neuanfang mit weiterer Distanz oder gar auf einem neuen Kontinent. Das Zuhause ist immer noch in Reichweite, was ein wichtiger Grund für viele Deutsche ist, die bessere Berufsmöglichkeiten außerhalb suchen.

Erleichternd kommt hinzu, dass sich EU-Bürger pro zwei Quartalen für 90 Tage in der Schweiz aufhalten dürfen. Und das sogar ohne Visum.

Video: Schweiz: Arbeitsmarkt mit Magnetwirkung

Arbeitsmarkt der Schweiz: Hohe Werte

Die Schweiz punktet mit ihrer Ordentlichkeit und Sauberkeit. Zugleich nimmt sie die Bürokratie auf die leichtere Schulter, verglichen mit dem deutschen Nachbarn. Bewerbungsprozesse und Abkommen, etwa beim Wohnen oder Versicherung, sind erheblich kürzer und unkomplizierter als in Deutschland, aber trotzdem akkurat und gerecht.

Schweizer halten vor allem ihre ethischen Werte sehr hoch. Menschlichkeit und zwischenmenschlicher Kontakt ist das, was zählt. Deshalb ist das Land auch eines der wenigen, die sich im weltweiten Vergleich besonders dafür einsetzen, Tier, Umwelt mit der Wirtschaft in Balance zu bringen.. Diese Mentalität und Mitgefühl schimmert auch vor allem in Bewerbungsgesprächen durch.

Schweizer halten vor allem ihre ethischen Werte sehr hoch. Menschlichkeit und zwischenmenschlicher Kontakt ist das, was zählt. (#02)

Schweizer halten vor allem ihre ethischen Werte sehr hoch. Menschlichkeit und zwischenmenschlicher Kontakt ist das, was zählt. (#02)

Arbeitsmarkt Schweiz: Lieber Tourist, als Nachbar?

Generell ist man gastfreundlich, “gegenüber Einwanderern sind die Schweizer aber meist reserviert und kühl”, sagt Christina Lenz. Sie ist nach Zürich gezogen, wollte mitten in ihren Dreißigern einen Neustart wagen. “Umso wichtiger ist, dass man sich um’s Schwyzerdütsch bemüht”, rät sie. Die Schweizer würden nicht gerne vom fremden, hochdeutschen Dialekt überfallen werden. “Am besten recherchiert man im Vorfeld ein bisschen was zu Sitten und Sozialem.” Das würden aber die meisten deutschen Zuwanderer eh schon sehr gut machen, findet sie.

Schweizer würden prinzipiell Touristen mehr mögen, als neue Nachbarn “doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen”, sagt die Mediengestalterin. Lenz lebt nun schon seit vier Jahren nun aber nahe Zürichs.

Vier Sprachen, ein Arbeitsmarkt (Schweiz)

Achtung: Wer Arbeit in der Schweiz sucht, sollte Jobs vor allem entlang der bevorzugten Sprache wählen. Die Schweiz ist sehr vielfältig.

Insgesamt zählen zu den anerkannten Landessprachen:

  • Deutsch
  • Italienisch
  • Französisch
  • Rätoromanisch

Sprechen und Kommunikation machen allgemein etwa 80 Prozent der Leistung in Jobs aus und sollte ausführlich bedacht und bei Bedarf gelernt werden. Die bevorzugte Sprache in einer Position sollte jene sein, mit der sich der Bewerber identifizieren und wohlfühlen kann.

Sprechen und Kommunikation machen allgemein etwa 80 Prozent der Leistung in Jobs aus und sollte ausführlich bedacht und bei Bedarf gelernt werden. (#03)

Sprechen und Kommunikation machen allgemein etwa 80 Prozent der Leistung in Jobs aus und sollte ausführlich bedacht und bei Bedarf gelernt werden. (#03)

Arbeitsmarkt der Schweiz: Im Rahmen des Möglichen

Sprache sollte also im Bereich des Möglichen liegen, wenn man Jobs in der Schweiz sucht. Dazu zählt aber auch, eigene Leistungen und Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Bestimmte Positionen sind für Deutsche prinzipiell schwerer zu bewältigen. Beispiel: “Im Personalbereich fehlt die Erfahrung im Schweizer Arbeitsrecht”, sagt Beraterin Michèle Weinhold.

Im neuen Land muss man klein anfangen. Was nicht heißt, dass man keine Karriere machen kann. Den Ursprungswert der eigenen Ausbildung in Deutschland kann man online beim zeitgenössischen Bundesamt für Berufsausbildung und Technologie mit Schweizer Abschlüssen vergleichen. Vor allem ist es der Eidgenössische Fachausweis, bei Ausbildung und Stellen auf dem Arbeitsmarkt in der Schweiz zählt. Jedoch ist der nicht immer das, was den Bewerbungsprozess endgültig entscheidet.

 

Im neuen Land muss man klein anfangen. Was nicht heißt, dass man keine Karriere machen kann. (#04)

Im neuen Land muss man klein anfangen. Was nicht heißt, dass man keine Karriere machen kann. (#04)

Bewerbung: Was auf dem Arbeitsmarkt (Schweiz) zählt

Dresscode und Formalitäten im Lebenslauf unterscheiden sich kaum von den deutschen Bräuchen. “Bewerbungen aus Deutschland sind in punkto Übersichtlichkeit, Aufbau und Design sehr professionell und solide gestaltet.” Laut Weinhold seien deutsche Bewerber den Schweizern meist sogar voraus: Nämlich im “professionellen Bewerberbild, das Seriosität vermittelt”, so die Personalberaterin.

In Authentizität könnten sich Deutsche aber etwas von den Nachbarn abschauen. Auf dem Arbeitsmarkt in der Schweiz zählen Menschlichkeit, Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen mehr als selbstsicheres Auftreten. “Schweizer sind von Natur aus locker”, ergänzt Christina Lenz. “Wenn Deutsche auf Natürlichkeit setzen, haben sie hier beste Chancen.” Außerdem sollte man darauf gefasst sein, gelassen über persönlichere Themen sprechen zu können.

Arbeitsmarkt Schweiz: Höher, jünger, schneller

Die Lockerheit der Schweiz darf man aber nicht pauschal auf die Lohnvergabe übertragen. Man redet nicht gerne über’s Geld, stattdessen sind Verhandlungen geläufiger. Laut dem Kaufmännlichen Verband Schweiz ist es Brauch, “jährlich ein Lohngespräch mit dem Vorgesetzten (zu) führen.” Der Verband bietet auch umfassende Informationen zur Gehaltsorientierung, angepasst an Position, Alter und Region.

Von der Bewerbung, über Gespräch bis hin zur Einstellung dauert es in der Regel zwei Wochen, ist verglichen mit Deutschland also relativ schnell. Sich währenddessen über den Fortschritt zu erkundigen, ist legitim.

Der Wettbewerb innerhalb der verschiedenen Altersgruppen verschärfe sich besonders in höheren Führungspositionen, sagt Christina Lenz. “Meine Erfahrung lehrte mich: Je höher, desto jünger sollte man sein.”

Arbeitsmarkt der Schweiz und Versicherung

EU-Bürger erhalten eine Arbeitsgenehmigung für die Schweiz, sobald sie eine Stelle gefunden haben. (#05)

EU-Bürger erhalten eine Arbeitsgenehmigung für die Schweiz, sobald sie eine Stelle gefunden haben. (#05)

EU-Bürger erhalten eine Arbeitsgenehmigung für die Schweiz, sobald sie eine Stelle gefunden haben. Dann erhalten sie auch einen AHV-Ausweis vom Unternehmen. Diesen Ausweis könnte man mit dem deutschen Sozialversicherungsausweis vergleichen. Der Arbeitgeber übernimmt aber keine Versicherungskosten.

Krankenkassen stehen im freien Wettbewerb zueinander. Deshalb können die Preise drastisch variieren. Trotz allem sind sie verglichen mit deutschen Verhältnissen aber überschaubar. Sie liegen monatlich zwischen 290 CHF (umgerechnet etwa 250 Euro) und 367 CHF (317 Euro). Krankenversicherung ist in der Schweiz eine freiwillige Angelegenheit. Man kann ebenso zwischen privaten und staatlichen Institutionen wählen.

Arbeitsmarkt der Schweiz: Zu guter Letzt

Es ist ein Balanceakt. Worauf deutsche Bewerber in der Schweiz schließlich achten müssen, sind vier Hauptthemen, die voneinander abgewogen werden müssen. Es gilt, zu entscheiden, was im Einzelfall mehr zählt.

    1. Die Krankenkassen sind günstiger.
      ABER: Versicherung wird nicht vom Arbeitgeber übernommen, das Preis-Leistungsverhältnis kann wegen dem Wettbewerb der Wirtschaft drastisch schwanken.
    2. Die Steuerbelastung ist geringer.
      ABER: Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind, vor allem in Knotenpunkten und großen Städten wie Zürich, prinzipiell höher.

Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: gorillaimages – #01: Peter Stein – #02: TravelGretl – #03: the_lazy_pigeon – #04: CssAndDesign – #05: Macrovector

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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