Arbeitsmarkt Österreich: Diese Jobs sind gesucht

Der Arbeitsmarkt in Österreich ist auch für deutsche Arbeitnehmer interessant. Daten zur aktuellen Lage, welche Unterschiede es zwischen dem Arbeitsmarkt Österreich und dem in Deutschland gibt, inwieweit Berufs- und Studienabschlüsse anerkannt werden und nicht zuletzt, welche Jobs in der Alpenrepublik besonders gefragt sind.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Was klingt wie ein urbanes Märchen ist dank der Freizügigkeit in der Europäischen Union problemlos möglich. Die gestattet es nämlich, dass deutsche Arbeitnehmer im Nachbarland in den Alpen jederzeit eine Stelle antreten können. Welche sind davon besonders gefragt?

Arbeitsmarkt Österreich: Die aktuelle Situation

Zunächst widmen wir uns der Frage wie der Arbeitsmarkt Österreich aktuell bestellt ist. Wieviele Menschen stehen in Lohn und Brot? Wie hoch ist die Arbeitslosenquote?

Monat für Monat veröffentlicht das Österreichische Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz in Wien die aktuellen Daten zum Arbeitsmarkt. Laut österreichischem Arbeitsmarktservice (kurz AMS) beträgt die Arbeitslosenquote 5,6 Prozent. Bei Jugendlichen unter 25 Jahren vergleichsweise etwas höhere 10,2 Prozent. Nur in der Hauptstadt Wien sind laut AMS die Quoten zweistellig.

Insgesamt ist die Quote leicht rückläufig. Eine Delle bei der Arbeitslosenquote im Sommer ist in einem stark vom Winter abhängigen Land allerdings normal, so dass viele Handwerker in der kalten Jahreszeit beschäftigungslos sind.

Die unselbständig Beschäftigten machen den größten Teil der am Arbeitsmarkt Österreich teilhabenden Personen aus. Von den etwa vier Millionen Arbeitskräften machen sie etwa 93 Prozent aus. Circa 335.000 sind davon geringfügig Beschäftigte. Etwa 481.000 macht die Gruppe der Selbständigen aus.

Die unselbständig Beschäftigten machen den größten Teil der am Arbeitsmarkt Österreich teilhabenden Personen aus. (#01)

Die unselbständig Beschäftigten machen den größten Teil der am Arbeitsmarkt Österreich teilhabenden Personen aus. (#01)

Der Arbeitsmarkt Österreich in der Entwicklung und im europäischen Vergleich

Wie aber hat sich der Arbeitsmarkt zuletzt entwickelt und wie fällt ein Vergleich zwischen dem Arbeitsmarkt Österreich und dem Rest der Europäischen Union aus?

Nachdem die Arbeitslosenquoten in den vergangenen Jahren auf Grund wenig unternehmensfreundlicher Arbeitsmarktpolitik, starker Zuwanderung und einer insgesamt schwächelnden Konjunktur gestiegen waren, herrscht Aufbruchsstimmung. Zwar stieg zwischenzeitlich auch die Zahl der Beschäftigten an, aber selbst Ökonomen taten sich schwer, die Zahlen zu erklären. Höchstwahrscheinlich ist die Verschiebung von Vollzeit- hin zu Teilzeitjobs ein Grund dafür.

So stiegen vor allem seit 2011 die Arbeitslosigkeits-Zahlen konsequent an und erreichten ihr Hoch im Jahr 2016. Seitdem stehen die Zeichen wieder auf Erfolg und die Quote ist steil im Sinkflug.

Auch im EU-weiten Vergleich steht Österreich damit wieder besser da. Die Top-Platzierung mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit hält im Moment Tschechien inne. Die Quote beträgt dort lediglich 2,6 Prozent. Dicht gefolgt von Deutschland mit 3,6 Prozent. Österreich landet auf dem neunten Platz und liegt damit über dem Durchschnitt der Europäischen Union (7,6 Prozent). Vor allem durch Griechenland (21,2 Prozent Arbeitslosigkeit) und Spanien (17,1 Prozent) wird die durchschnittliche EU-Arbeitslosenquote allerdings in die Höhe getrieben.

Die Unterschiede zwischen dem Arbeitsmarkt Österreich und Deutschland

Erwähnenswert sind ein paar grundlegende Unterschiede zwischen deutschem und dem Arbeitsmarkt in Österreich. Abschreckend mag sein, dass in Österreich die durchschnittlichen Jahresarbeitsstunden höher sind als in Deutschland. Etwa 170 Stunden mehr werden in Österreich gearbeitet. Nicht unwesentlich, immerhin entspricht das in etwa der Mehrarbeit von einem Monat.

Auch mit den Urlaubstagen ist man in Österreich etwas knausriger. Während Arbeitnehmer in Deutschland im Schnitt etwa 30 Tage Urlaub im Jahr haben, sind es in Österreich lediglich 25 Tage. Im Alpenland profitieren die Arbeitnehmer dafür von zwei zusätzlichen gesetzlichen Feiertagen.

Beim Lohn sieht es auf den ersten Blick ebenfalls wenig verlockend aus, sein berufliches Standbein nach Österreich zu verlagern. Das täuscht jedoch, denn ein 13. und 14. Gehalt sind nicht wie in Deutschland eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, sondern gesetzlich verpflichtend. Das geht sogar soweit, dass selbst kurzfristig Beschäftigte, die zum Beispiel nur ein paar Monate als Saisonkräfte arbeiten, einen Anspruch auf ein anteiliges 13. und 14. Monatsgehalt haben.

Arbeitnehmer haben es im Arbeitsmarkt Österreich im Vergleich gar nicht so schlecht, wie es vermuten lässt. (#02)

Arbeitnehmer haben es im Arbeitsmarkt Österreich im Vergleich gar nicht so schlecht, wie es vermuten lässt. (#02)

Qualifikationen für den Arbeitsmarkt Österreich

Wichtigste Voraussetzung, einen neuen Job im Land von Kaiserschmarrn und Germknödeln antreten zu können, ist eine entsprechende Qualifizierung in Form einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder eines abgeschlossenen Studiums.

Bei einigen Ausbildungen und Berufsgruppen muss allerdings eine für Österreich gesonderte Anerkennung vorgenommen werden. Einige Berufe dürfen sogar gar nicht ausgeübt werden. So wird sich beispielsweise eine in Deutschland ausgebildete Hebamme schwer tun, eine Anerkennung zu bekommen, da die Hebammenausbildung in Österreich aus einem Bachelor-Studiengang besteht. Ähnlich ist es bei Heilpraktikern. Die gibt es in Österreich nämlich nicht, sind sogar verboten. Am Arbeitsmarkt Österreich sind medizinische Berufe ausschließlich Ärzten vorbehalten.

Inwieweit ein deutscher Studienabschluss anerkannt wird, muss der Bewerber für einen Job in Österreich beim Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Wien erfragen. Sollte der Abschluss von einer anerkannten Universität oder gleichwertigen ausländischen Bildungseinrichtung stammen, dürfte dem selten etwas im Wege stehen. EU-weit und in der Schweiz erlangte akademische Grade können in der Regel problemlos geführt und auch in Urkunden eingetragen werden. An dessen Stelle darf allerdings nicht der vergleichbare österreichische Titel getragen werden.

Arbeitsmarkt Österreich: In diesen Branchen gibt es Jobs

Die wichtigste Branche in Österreich ist das Handwerk und das Gewerbe. Erstaunlicherweise zählt der Tourismus nur zur viertstärksten Branche. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn letztlich sind auch viele Handwerks- und Gewerbebetriebe sowie Handel, Transport und Verkehr zumindest mittelbar vom Tourismus abhängig. Aber auch die Industrie stellt einen gewichtigen Anteil der Unternehmen und Beschäftigten in Österreich dar.

Die wichtigste Branche im Arbeitsmarkt Österreich ist das Handwerk und das Gewerbe. (#03)

Die wichtigste Branche im Arbeitsmarkt Österreich ist das Handwerk und das Gewerbe. (#03)

Zu den gefragtesten Jobs in Österreich zählen unter anderem folgende:

Spezialisten aus dem IT-Bereich haben am Arbeitsmarkt Österreich fast schon freie Wahl. Die sind weiterhin sehr gefragt. Ebenfalls gute Perspektiven haben Marketing- und Kommunikationsmanager, die sowohl in Tourismusverbänden als auch bei Hotels, Agenturen, aber auch in der Industrie gut unterkommen.

Ebenfalls gute Chancen haben Unternehmensberater und Projektmanager, die bereits berufliche Erfahrungen sammeln konnten und die ihren Horizont im Ausland erweitern möchten. Ähnlich wie in Deutschland sind Ärzte begehrt, vor allem auf dem Land mussten in den letzten Jahren mehr und mehr Hausarztpraxen unbesetzt bleiben, nachdem sich die jeweiligen Ärzte in den Ruhestand verabschiedet haben. Physikern wie Mathematikern bieten sich außerdem gute Chancen, nicht nur in der Industrie.

Arbeiten im Tourismus

Immer ein Thema sind zudem Arbeitsplätze in der Gastronomie, im Hotelgewerbe und im Handel. Das können Köche sein, Rezeptionisten und Reinigungskräfte im Hotel, Mitarbeiter für den Skiverleih oder sogar Skilehrer in Bergschulen. Das Angebot an offenen Stellen für Saisonkräfte ist ellenlang.

Wo im Sommer auf den Alpenvereinshütten dringend Personal gesucht wird, so ist es im Winter in den Hotels und Skigebieten der Fall. Hier macht das Wintergeschäft dank der Wintersportbegeisterung von Deutschen, Holländern, Engländern und so weiter immer noch den Großteil des Jahresumsatzes aus. In dem Bereich gibt es auch viele Jobs, die ohne größere Qualifikationen ausgeübt werden können.

Oft profitieren Saisonarbeitskräfte von Unterkünften, die von den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, so dass sich die tatsächlichen Kosten vor Ort dadurch schon einmal sehr reduzieren. Diese Jobs sind vor allem bei Studenten beliebt, die sich in den Semesterferien ein wenig Geld für längere Urlaubsreisen oder größere Anschaffungen ansparen wollen. Allerdings sind die Arbeitszeiten entsprechend lang und die zu erbringende Leistung durchaus fordernd.

Immer ein Thema am Arbeitsmarkt Österreich sind zudem Arbeitsplätze in der Gastronomie, im Hotelgewerbe und im Handel. (#04)

Immer ein Thema am Arbeitsmarkt Österreich sind zudem Arbeitsplätze in der Gastronomie, im Hotelgewerbe und im Handel. (#04)

Das sind die beliebstesten Arbeitgeber in Österreich

Wem ein hervorragendes Arbeitsklima besonders wichtig ist, der findet vielleicht hier den passenden neuen Job. Die Top Drei der beliebtesten Arbeitgeber in Österreich:

  1. Red Bull:
    Jeder kennt das Getränk, aber Red Bull ist nicht nur das. Mittlerweile ist Red Bull ein riesiges Medienunternehmen, das Sportevents veranstaltet und eigene Magazine und TV-Formate auf dem Markt hat.
  2. Google:
    Der Suchmaschinengigant gilt weltweit als beliebtester Arbeitgeber. In Österreich muss man aber einer heimischen Marke den Vortritt lassen.
  3. Die Österreichische Nationalbank:
    Nach überwundener Finanzkrise ein sicherer und beliebter Arbeitgeber.

Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: xtock, #01 & #02: g-stockstudio, #03: haveseen, #04: Kamil Macniak

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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