Null-Runde ist Minus-Runde

07.01.2003 | Berlin
Dr. Thomas: "Zusammenbruch der ambulanten Versorgung offenbar regierungsamtlich gewollt!"

"Budgetbedingt bekommen niedergelassene Ärzte seit Jahren etwa ein Drittel der von ihnen erbrachten Leistungen nicht bezahlt, für vier Monate im Jahr erhalten sie von den Krankenkassen keinen Cent." Vor diesem Hintergrund ist für Dr. med. Hans-Jürgen Thomas, den Vorsitzenden des Hartmannbundes, die vor wenigen Tagen in Kraft gesetzte "Null-Runde" für Ärzte und Zahnärzte eine "Unverschämtheit, die an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist und erneut den ärztlichen Berufsstand in unerträglicher Weise diffamiert."

Tatsächlich sei die "regierungsamtliche Null-Runde" für den Vertragsarzt eine Minus-Runde in der Größe von wenigstens 8 %, rechnete Dr. Thomas vor: "Seit Jahren schon tragen die Vertragsärzte die Hauptlast der Kostendämpfungen, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass der Ausgabenanteil der Vertragsärzte am Ausgabenvolumen der gesetzlichen Krankenversicherung auf nur noch 15,7 % abgesunken ist."

Mit diesen neuen finanziellen Drosselungs-Mechanismen werde der "Wirtschaftsbetrieb Arztpraxis" vor erhebliche Probleme gestellt, auf die der Arzt als Freiberufler eben dann auch wie jeder Unternehmer reagieren müsse: "Er muss weiter Kosten senken, dies bringt unmittelbar Leistungseinschränkungen mit sich, die dann auch die Patienten spüren. Weiter wird er intensiv über die Personalausstattung seiner Praxis nachdenken - Arbeitsplatzverluste in dem an sich boomenden Wachstumsmarkt Gesundheitswesen sind die Folge."

Für den Hartmannbund-Vorsitzenden ist somit klar, dass Sprechstundenzeiten drastisch reduziert werden müssen - "bis hin zu passageren Praxis-Schließungen!" - und dass der hohe technische Standard in den Arztpraxen wegen fehlender finanzieller Mittel im bisherigen Umfang nicht aufrechterhalten werden kann. Die einstmals auch von Politiker-Seite hochgelobte flächendeckende ambulante Versorgung stehe "offenbar regierungsamtlich gewollt vor dem Zusammenbruch" - kritisierte Dr. Thomas heftig die Tatsache, dass die Bundesgesundheitsministerin gerade in diesem Zusammenhang auf Expertokraten und "sogenannte Gutachter" höre, "die zwar Mediziner sind, nie jedoch ärztlich tätig gewesen sind, gleichwohl aber seit Jahren ein angebliches Überangebot an vertragsärztlich erbrachten Leistungen meinen diagnostizieren zu müssen."

Quelle: Pressemeldung Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.

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