Mit einem Aufstiegsstipendium vom Straßenbauer zum Ingenieur
Einen eindrucksvollen Start haben die vor einem Jahr vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eingeführten "Aufstiegsstipendien" hingelegt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte dazu am Mittwoch: "Ich freue mich sehr, dass die Bundesregierung mit den neuen Hochschulstipendien bereits vielen talentierten Fachkräften zusätzliche Aufstiegschancen geben konnte. Das Interesse an den Aufstiegsstipendien hat alle Erwartungen deutlich übertroffen." Innerhalb eines Jahres wurden bereits 6.035 Bewerbungen eingereicht. Aufgrund der großen Nachfrage werden bis Ende dieses Jahres 1.494 Stipendien vergeben. Das sind 50 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Von allen beruflich qualifizierten Studienanfängern ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung erhält damit jeder achte ein Aufstiegsstipendium.
Das Programm ist ein Kernelement der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung "Aufstieg durch Bildung." Schavan: "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es von hoher Bedeutung, dass beruflich Qualifizierte zusätzliche Entwicklungsperspektiven angeboten bekommen. Ein Hochschulstudium ist die Basis für weitere Aufstiege. Ich bin davon überzeugt, dass beruflich qualifizierte Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit ihrem starken Praxisbezug und ihrer hohen Zielstrebigkeit von Unternehmen als Top-Arbeitskräfte stark nachgefragt sein werden. Der erfolgreiche Programmstart der Aufstiegsstipendien macht das hohe Interesse von Fachkräften an wissenschaftlicher Weiterbildung deutlich."
Die Bundesregierung will mit der Förderung der Aufstiegsstipendien zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung beitragen. Schavan: "Es ist besonders erfreulich, dass die meisten Länder nun den Hochschulzugang von beruflich qualifizierten Bewerbern deutlich erleichtert haben. Ich möchte die Hochschulen ausdrücklich dazu ermuntern, sich stärker auf Studienbewerber mit Berufserfahrung einzustellen."
Erste Auswertungen zum Bedarf an Aufstiegsstipendien zeigen, dass die Zielgruppen erreicht wurden: Nur ein Drittel der Stipendiatinnen und Stipendiaten hat ein klassisches Abitur. Die Hälfte, also 500 Geförderte in einem Studienjahr, erhält dagegen die Hochschulzugangsberechtigung durch ihre spezifische Berufserfahrung beziehungsweise durch eine Begabtenprüfung. Zum Vergleich: Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2007 insgesamt 3.940 Studienanfängerinnen und -anfänger als "nicht traditionelle" Studierende erfasst. Rund 80 Prozent der Stipendiatinnen und Stipendiaten sind älter als 25 Jahre. Jeweils die Hälfte studiert in Vollzeit oder in einem berufsbegleitenden Studiengang. Ein Drittel der Stipendiatinnen und Stipendiaten belegt dabei ein Studium im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). So beispielsweise ein 24-jähriger Straßenbauer aus Niedersachsen, der mit Hauptschulabschluss und seinem Meistertitel den Zugang an die Fachhochschule bekam und nun den Abschluss als Bauingenieur im Tiefbau anstrebt. Lebensmitteltechnologie ist der Studiengang, den eine 27-jährige Milchwirtschaftliche Labormeisterin aus Bayern belegt hat. Das Berufsziel der Erziehungsleitung strebt eine 29-jährige Heimerzieherin aus Baden-Württemberg an, die ebenfalls durch ihre Berufserfahrung die Hochschulzugangsberechtigung erhält.
Das Programm "Aufstiegsstipendium" wird von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) durchgeführt, die in den vergangenen Wochen in der dritten Auswahlrunde des Programms erneut 510 Stipendiatinnen und Stipendiaten ausgewählt hat. Insgesamt wurden bislang von 112 Jurorinnen und Juroren bereits mehr als 1.900 Auswahlgespräche geführt. Das nächste Bewerbungsverfahren wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres starten. Für Studierende im Vollzeitstudium beträgt das Aufstiegsstipendium 650 Euro sowie 80 Euro Büchergeld. Zusätzlich gibt es eine Kinderbetreuungspauschale von 113 Euro für das erste Kind und jeweils 85 Euro für jedes weitere. Stipendiatinnen und Stipendiaten, die in einem berufsbegleitenden Studiengang studieren, erhalten jährlich 1.700 Euro für Maßnahmekosten.
Quelle: Pressemeldung Bundesministerium für Bildung und Forschung
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