Fachkräftemangel: Lösungen auf Grundlage eines breiten gesellschaftlichen Konsens nötig

15.07.2010 | Mainz
Zur Bewältigung des demografischen Wandels ist nach Ansicht von Karl Josef Wirges, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz, ein breiter Konsens zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erforderlich. Um nachhaltige Lösungen zu finden, seien all diese Bereiche gleichermaßen gefordert.

Bildungs- und Familienpolitik müssten hier eng ineinander greifen. Es sei nicht allein Aufgabe der Schule, die jungen Menschen in das Berufsleben hinüberzuleiten und nicht Aufgabe der Betriebe, fehlende soziale Kompetenzen und mangelnde Kenntnisse auszubügeln. Hier müssten Eltern verstärkt in die Pflicht genommen werden. Es müsse eine stärkere Vernetzung der Partner geben, die die jungen Menschen während ihrer verschiedenen Lebens- und damit auch schulischen und beruflichen Stationen begleiten.

Sowohl aus gesellschaftlichen als auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus müsse verhindert werden, dass es künftig noch mehr offene Ausbildungsplätze, gleichzeitig aber unversorgte Jugendliche gebe. Auf der einen Seite würden händeringend Fachkräfte gesucht, auf der anderen Seite fänden junge Frauen und Männer nicht den Weg in ein erfolgreiches Berufsleben. Jeder Ausbildungsplatz, der nicht besetzt werden könne, vergrößere den Fachkräftemangel. Fachkräfte aber seien für das Wachstum der Wirtschaft unerlässlich. Und dieses wiederum werde zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte gebraucht.

Für Wirges bleibt deshalb auch eine frühzeitige Berufsorientierung als fester Bestandteil in allen Schulformen ein wesentliches Kriterium. Gute, umfassende und neben der theoretischen Information auch praktische Erfahrung sorge nicht nur dafür, dass die Jugendlichen die Vielfalt der Berufe erfahren, die ihnen offen stehen, sondern sie tragen auch entscheidend zur richtigen Einschätzung von Anforderungen und Erwartungen in einer Ausbildung bei. Somit könne hier ein zusätzlicher Beitrag geleistet werden, um Ausbildungsabbrüche zu verhindern.

Der Kammerpräsident begrüßte es, dass in dieser Frage zwischen Landesregierung und Wirtschaft große Übereinstimmung bestehe, wie die Vereinbarung zur frühzeitigen Berufsorientierung und die Fortschreibung des Ausbildungspaktes unter dem Gesichtspunkt der Fachkräftesicherung dokumentierten.

Ziel müsse es sein, einerseits den leistungsstarken Jugendlichen die Flexibilität und Perspektiven einer dualen Berufsausbildung als "Ausbildung plus" nahe zu bringen, weil sie alle Aufstiegschancen beinhalte, einschließlich eines Studiums und andererseits die leistungsschwächeren Jugendlichen noch besser zu integrieren und ihnen zu helfen, ohne Warteschleifen zu einem Berufsabschluss zu kommen.

Investitionen in die Bildung seien deshalb auch bei angespannter Haushaltslage immer sinnvolle Investitionen, sofern sie zielgerichtet eingesetzt würden.

Quelle: Pressemeldung Handwerkskammer Rheinhessen

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