+++ Exklusive Vorabmeldungen aus auto motor und sport Heft 25/2008 +++
Mercedes: Im Werk Sindelfingen drohen schon im Januar Arbeitszeitverkürzungen oder Kurzarbeit
Zeitkonten in Sindelfingen im Januar ausgereizt - Betriebsratschef Klemm drängt auf schnelle Ergebnisse bis zum 8. Dezember
Stuttgart. Im Mercedes-Werk Sindelfingen droht den Beschäftigten bereits nach der Weihnachtspause weitere Produktionskürzungen und sogar Kurzarbeit. "Der erste Schritt ist eine weitere Nutzung der Zeitkonten. Dabei gibt es derzeit noch Luft. Die Regelungen im Geschäftsfeld im Pkw-Bereich bewegen sich zwischen minus 150 und minus 200 Stunden. Erst wenn all dies nicht mehr ausreicht, kämen wir zu einem dritten Schritt, der auch in der Zukunftssicherung vereinbart ist: Kurzarbeit", sagte eine Konzernsprecherin dem Magazin.
Wie auto motor und sport jedoch aus Betriebsratskreisen erfuhr, könnte im Werk Sindelfingen dieser dritte Schritt bereits im Januar notwendig werden. Das Werk sei bereits seit Sommer nicht mehr ausgelastet. Nach der ausgedehnten Weihnachtspause haben die Mitarbeiter dort voraussichtlich bereits die rund 200 Stunden, die sie noch abarbeiten müssen, auf den Konten. Das Mittel Zeitkonto sei ausgereizt, heißt es beim Betriebsrat. Dem Werk drohen deshalb Arbeitszeitverkürzungen oder Kurzarbeit. Bei Kurzarbeit müssten die Mitarbeiter schätzungsweise mit Lohneinbußen von rund drei Prozent rechnen.
Kommt es, wie im Rahmen des Zukunftssicherungsvertrages möglich, zu einer Reduzierung der Arbeitszeit, bedeute dies eine Kürzung der Gehälter um rund zehn Prozent, so die Konzernsprecherin gegenüber auto motor und sport. In diesem Fall würde die Arbeitszeit um fünf Stunden pro Woche gekürzt. Nach Angaben aus dem Betriebsrat gibt es bei Mercedes zudem kaum noch Leiharbeiter, so dass nun die Mercedes-Mitarbeiter weitere Einschränkungen hinnehmen müssen. Betriebsbedingte Kündigungen der Stammbelegschaft sind bis Ende 2011 jedoch vertraglich ausgeschlossen.
Wie auto motor und sport aus Unternehmenskreisen erfahren hat, stehen die Verhandlungen von Daimler-Personalvorstand Günther Fleig mit Betriebsratschef Erich Klemm über eine Verkürzung der Arbeitszeiten in mehreren Werken unmittelbar bevor. Betriebsratschef Klemm soll auf rasche Ergebnisse der Gespräche drängen, damit bis zur Betriebsversammlung am 8. Dezember Klarheit herrscht und die Beschäftigten ab dem 11. Dezember nicht ohne Ansage in die Weihnachtspause gehen.
Ford-Chef Mattes: Werke zu 100 % ausgelastet
Keine Entlassungen, wachsende Marktanteile - Entscheidung über Motorenwerk-Zukunft im Dezember - neuer Kleinwagen aus Rumänien
Köln. Trotz der Krise der Konzernmutter in den USA und der einbrechenden Absatzmärkte in Europa müssen sich die 23.600 Mitarbeiter der Fordwerke in Köln und Saarlouis nicht auf
Entlassungen oder Kurzarbeit einstellen. Nach Aussagen von Fordwerke-Chef Bernhard Mattes sind beide Werke voll ausgelastet, der Hersteller hält zudem an seinem Ziel fest, seine Marktanteile in Deutschland und Europa zu steigern. "Die beiden deutschen Werke sind jeweils auf eine Produktionskapazität von 400.000 Fahrzeugen pro Jahr ausgerichtet. Wir sind derzeit zu 100 Prozent ausgelastet - im Dreischichtbetrieb", so Mattes im Gespräch mit auto motor und sport. In diesem Jahr habe man die Produktion lediglich um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert und deshalb 200 zum Jahresende auslaufende Zeitverträge nicht verlängert. "Weitere Anpassungen sind derzeit nicht geplant. Betriebsbedingte Kündigungen bei der Stammbelegschaft wird es wie vertraglich vereinbart bis 2011 nicht geben." Im Gegenteil: Ford wolle sogar 100 Ingenieure für die Entwicklung "zum nächstmöglichen Termin" einstellen.
Die Krise der US-Mutter wird sich laut Mattes nicht - wie bei Opel - auf die deutschen Werke auswirken, etwa durch Kapitalabzug oder Sanierungspläne: "Ein Abzug von Geldern aus Europa in die USA steht nicht zur Diskussion." Auch die Verschiebung von Investitionen oder neuer Produkte sei nicht geplant. "Wir werden an unseren Zukunftsplänen keine Änderungen vornehmen und unsere produktgetriebene Strategie planmäßig fortsetzen." Zufrieden ist Mattes, dass Ford in Deutschland und Europa gegen den Trend zulegen konnte. "Per Oktober haben wir in Deutschland 182.400 Neuzulassungen und damit einen Marktanteil von 6,9 Prozent verbucht. Damit lagen wir bei einem Plus von 4,5 Prozent zum Vorjahresvergleich. In Europa konnte Ford den Marktanteil in den Kernmärkten im Oktober auf 8,4 Prozent steigern." Mattes ist sogar optimistisch, den Marktanteil in Deutschland bis zum Jahresende weiter auf mehr als sieben Prozent erhöhen zu können. "Ja, wir sind hier auf einem guten Wege und halten an diesem Ziel fest."
Die Zukunft des Motorenwerkes in Köln, das vorrangig großvolumige Motoren für den US-Markt produziert, wird sich nach Angaben von Mattes noch in diesem Jahr entscheiden. "Zur Zukunft des Motorenwerks sind wir derzeit noch in Gesprächen mit dem Betriebsrat. Ich erwarte, dass wir bis Ende des Jahres ein Ergebnis haben werden." Unabhängig von der Entscheidung müssen jedoch die Beschäftigten nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten. "Die 750 Arbeitsplätze sind ebenfalls bis 2011 gesichert dank der Investitionssicherungsvereinbarung. Das heißt, auch hier wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Bislang haben wir den Nachfragerückgang bei den Motoren damit kompensiert, dass wir Mitarbeiter aus dem Motorenwerk in andere Bereiche versetzt haben."
Als Spekulation bezeichnet Mattes, dass die Produktion des Ford Fusion von Köln nach Rumänien verlagert wird. "Das sind reine Spekulationen. Der Fusion wird bis zum Ende des Lebenszyklus 2010 in Köln gefertigt. In Rumänien wird ab 2009 der Ford Transit Connect und ein white space product, nicht der Fiesta, gefertigt. Das Modell wird eine komplett neue
Nische in unserem Produktportfolio besetzen, und frühestens ab 2010 verkauft werden." Das Interview mit Fordwerke-Chef Bernhard Mattes lesen Sie auf www.auto-motor-und-sport.de
Toyota: "Wir haben den Boden noch nicht erreicht"
Europa-Chef Arashima rechnet mit Einbußen von 30.000 Fahrzeugen in Deutschland - Gewinn geht "spürbar" zurück - Produktion sinkt um 10 %
Köln. Toyota-Europa-Chef Tadashi Arashima glaubt, dass sich die Einbrüche auf dem europäischen Automarkt weiter fortsetzen werden und der Tiefpunkt in den großen
Absatzmärkten noch nicht erreicht ist. Im Gespräch mit auto motor und sport sagte Arashima: "Ich befürchte, dass wir in einigen Ländern noch nicht den Boden gesehen haben, etwa in Deutschland, UK und Frankreich. Hoffentlich wird es hier nicht so schlimm wie in anderen Ländern wie Spanien." Toyota sei von den Absatzrückgängen besonders betroffen wegen fehlender Neuerscheinungen. "Toyota hat in vergangenen 19 Monaten keine neuen Modelle eingeführt, deswegen trifft uns die Krise momentan härter als andere Hersteller", so Arashima.
Bis zum Jahresende erwartet Toyota beim Absatz in Europa einen "leichten Rückgang" im Vergleich zu 2007. "Unser Absatz in Europa wird dieses Jahr knapp bei 1,20 Millionen Einheiten liegen - nach 1,24 Millionen im vergangenen Jahr. Es ist momentan schwierig die Märkte einzuschätzen. Der russische Markt wird dieses Jahr voraussichtlich um mehr als 20 Prozent wachsen, in Westeuropa erwarten wir einen Rückgang um einige Prozentpunkte."
In Deutschland sieht Arashima mit einem Minus von 30.000 einen Einbruch auf Toyota zukommen. "Deutschland ist ein harter Markt. Wir werden wohl rund 100.000 Neuzulassungen erreichen, nach 130.000 im Vorjahr. Denn wir wollen einfach sauber ins neue Jahr starten, ohne unseren Händlern dieses Jahr noch die Höfe mit Autos vollzustellen, die dann nur mit großen Rabatten verkauft werden können."
Die Absatzrückgänge werden laut Arashima "spürbar" den Gewinn drücken. "Der Gewinn wird niedriger sein als im vorigen Geschäftsjahr, und zwar spürbar. Details kann ich Ihnen
nicht nennen. Wir spüren einfach, dass wir auch die Produktion in unseren vier europäischen Werken dieses Jahr um mehr als zehn Prozent drosseln müssen."
Etwas optimistischer ist der Europa-Chef für das kommende Jahr. "Die ersten Märkte werden sich Anfang 2009 stabilisieren, nicht zuletzt dank der Banken-Rettungspakete, welche die einzelnen Staaten herausgeben." Außerdem erhofft sich Arashima eine Belebung durch zahlreiche Neuheiten, unter anderem den Kleinwagen IQ, den Avensis und den Urban Cruiser. "Alle neuen Modelle werden noch bessere Verbrauchs- und damit CO2-Werte haben. Deswegen sind wir guter Hoffnung, unseren Marktanteil Monat für Monat steigern zu können." Das Interview mit Toyota-Chef Tadashi Arashima lesen Sie auf www.auto-motor-und-sport.de
Mini will trotz Absatzkrise zweistellig wachsen
Mittelfristig 300.000 Fahrzeuge - Oxford-Kapazität noch gesteigert
München. Die BMW-Tochter Mini will ungeachtet der Absatzkrise deutlich mehr Fahrzeuge verkaufen als im Vorjahr. Nach Angaben von Mini-Chef Wolfgang Armbrecht gegenüber auto motor und sport wächst die Marke "in vielen Märkten entgegen dem jeweiligen Marktrend weiter". Deshalb hält Armbrecht an seinem Absatzziel fest. "In den ersten neun Monaten haben wir 185.000 Autos weltweit verkauft, ein Plus von zwölf Prozent im Vorjahresvergleich. Und wir setzen alles daran, das vergleichbare Zuwächse auch für das Gesamtjahr gelten." Im vergangenen Jahr hatte Mini 220.000 Fahrzeuge verkauft. Ein Zuwachs um zwölf Prozent entspräche rund 246.000 Einheiten.
Dafür hat Mini offenbar die Kapazität des Werkes in Oxford, die bislang bei 240.000 lag, weiter erhöht. "Wir können in England bis auf 260.000 Einheiten gehen - sofern es das
Kundeninteresse erfordert", so Armbrecht. Außerdem könne Mini künftig durch die Produktion der vierten Baureihe bei Magna in Österreich flexibler auf die Nachfragezuwächse reagieren und "jederzeit die erforderliche Nachfrage abdecken". Mittelfristig habe Mini einen Absatz von 300.000 Fahrzeugen im Visier.
Vor einer denkbaren Kooperation mit der Fiat-Tochter Alfa Romeo verspricht sich Armbrecht Kosteneinsparungen insbesondere bei der Fertigung von Systemen und Komponenten. "Ja - wir haben ein Memorandum of Understanding mit Fiat unterzeichnet. Konkret geht es um die Untersuchung von möglicherweise gemeinsam zu fertigender Systeme und Komponenten für zukünftige Fahrzeuge. Was wir dort tun, muss letztendlich zu unseren Marken passen und betriebswirtschaftliche Vorteile bringen. Eine Win-Win-Situation also für beide - das ist es, was wir wollen." Das Interview mit Mini-Chef Wolfgang Armbrecht lesen Sie auf www.auto-motor-und-sport.de
Quelle: Pressemeldung Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG
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